Jaguar XKR-S im Fahrbericht: Schnelle Raubkatze faucht mit 550 PS

Jaguar XKR-S Coupe, Seitenansicht

Stärker als der Anfang des Jahres in Genf vorgestellte Jaguar XKR-S war noch kein Sportwagen des nunmehr in indischer Hand befindlichen britischen Traditionsunternehmens: 550 PS und 680 Newtonmeter maximales Drehmoment treffen auf Hinterradantrieb und 1.753 Kilo Lebendgewicht. Die starke Raubkatze im Fahrbericht.

Manchmal geschehen doch tatsächlich Zeichen und Wunder. Nicht, dass es etwa so hochgradig erstaunlich wäre, dass Jaguar einen Sportwagen mit 550 PS starkem Kompressormotor baut. Für leistungsstarke Triebwerke sind die Briten seit jeher bekannt. Aber dass das Wetter in der berühmt-berüchtigten Eifel deutlich schöner, sonniger und wärmer ist als im für seine klimatische Milde bekannten Südwesten des Landes, das erstaunt denn doch.

Hervorragende Bedingungen also für eine erste Ausfahrt in dem mit 680 Newtonmeter maximalem Drehmoment gesegneten Hecktriebler Jaguar XKR-S, der für sich in Anspruch nimmt, als einziger Vertreter seines Segments und trotz des via Kompressor aufgeladenen Fünfliter-V8 mit Benzindirekteinspritzung weniger als 300 Gramm CO2 pro Kilometer zu emittieren. Das klingt zwar gut und sei deshalb an dieser Stelle auch erwähnt, interessiert aus sportlicher Sicht jedoch nur am Rande.

Luxus-GT oder reinrassiger Racer?

Auf der 20,8 Kilometer langen Berg-und Talbahn der Nürburgring Nordschleife steht Anderes im Vordergrund. Wie - so die an diesem Tag entscheidende Frage - kommt der aufgrund des großvolumigen Motors eher kopflastige und mit 1.753 Kilogramm seiner Aluminiumkarosse zum Trotz nicht wirklich leichte 2+2-Sitzer Jaguar XKR-S auf der Rennstrecke zurecht? Schließlich ist der mit knapp 4,80 Länge und inklusive Außenspiegeln über zwei Meter breite Jaguar XKR-S seinem Naturell nach eher luxuriöser GT als reinrassiger Racer.

Der überaus fein gemachte Innenraum des Jaguar XKR-S legt darüber beredt Zeugnis ab. Aufwendig gepolsterte und sehr kommode, mit Leder bezogene Sportsitze im Bicolor-Look, ein zentraler Touch Screen-Bildschirm mit Navigationsgerät, das belederte Instrumentenbrett und die von Bowers & Wilkins beigesteuerte Soundanlage sprechen für sich: Auch im mit S-Kennung versehenen Topmodell der XK-Baureihe geht Reisen prinzipiell vor Rasen.

Fahrvergnügen bei deaktiviertem ESP

Dabei ist der Newcomer fraglos auch zu Letzterem in der Lage. Der vehemente Antritt des mit 20-Zoll-Rädern und üppigen Pirelli P Zero-Pneus besohlten Sportcoupés Jaguar XKR-S, der die hinteren Gummis bei voller Leistungsanforderung und ausgeschaltetem ESP verzweifelt um Fassung ringen lässt, macht die vom Werk versprochenen 4,4 Sekunden für den Standardsprint allemal glaubhaft.

Keine Frage: Der mit einer Performance-Abgasanlage mit insgesamt vier Endrohren versehene Jaguar XKR-S kann nicht nur wild fauchen, sondern auch gewaltig springen. Wer auf der Rennstrecke flott vorankommen will, sollte neben dem hinter einem mit einer Zielflagge gekennzeichneten Schalter hinterlegten Dynamic Modus des mit neuen Alu-Achsschenkeln vorn versehenen Fahrwerks indes unbedingt auch ganz oder teilweise auf das elektronische Fahrstabilitätsprogramm verzichten.

Extrovertierter Auftritt des Briten

Die Eingriffsschwellen, ab denen das ESP Handlungsbedarf erkennt, stehen dem bedingungslosen Leistungswillen des Viernockenwellen-Motors nämlich diametral entgegen. In der Folge gerät selbst die moderat, weil ohne Vollgas-Befehle und mit weichen Lenkmanövern vorgetragene Kurvenhatz im Jaguar XKR-S zu einer hakeligen Angelegenheit - fremdbestimmte Bremseingriffe und Leistungsreduktionen inklusive.

Im Track Mode gibt sich der Jaguar XKR-S konzilianter, pur genossen ist das Leistungsübersteuern fester Bestandteil des Fahrprogramms. Spätestens dann wird der stimmgewaltige Brite seinem extrovertierten Auftritt zur Gänze gerecht.

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