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Lotus Exige S, Frontansicht, Querbeschleunigung 13 Bilder Zoom

Lotus Exige S im Fahrbericht: Aggressiv, cool und sexy

Der Lotus Exige S bricht mit den Traditionen des Hauses Lotus: Mehr als eine Tonne Gewicht waren einst im Trackday-Matador von Lotus so unvorstellbar, wie ein V6-Kompressor. Doch jetzt ist alles anders. Aggressiv, cool und sexy stellt der 1.176 Kilogramm schwere Lotus Exige S mit Evora S-Aggregat alle Vorgänger fauchend in den Schatten. Ein erster Rennstreckenbesuch.

Da ist es wieder, das britische Kurze-Hosen-Déjà-vu. Hethel, sintflutartige Regenfälle - und Petrus hat den Schalter im April mal wieder auf Winter umgelegt. Ähnlich wie im Januar bei unserem letzten England-Besuch bei der Kleinserienschmiede Radical rennen auch bei Lotus zahlreiche Mechaniker trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt im Sommeroutfit rum. Ein lang ersehntes Querdynamikspielzeug erwärmt dann auch die deutsche Gemütslage: Vor uns steht der Lotus Exige S.

Aggressiver Stealth-Bomber

Auf der IAA im vergangenen September lüfteten die Briten das Geheimnis um die neueste Generation des puristischen Coupés. Im Vergleich zum Vorgängermodell schlüpfte der Lotus Exige S in ein komplett neues Outfit. "An der Front mussten wir uns am Gesicht der aktuellen Elise orientieren, das Heck konnten wir dafür richtig aggressiv gestalten", erklärt Lotus Design-Direktor Donato Coco. Dieser kam im Januar 2010 als ehemaliger Design-Chef von Ferrari und hat dort unter anderem die Göttinen 430 Scuderia und 458 Italia gezeichnet.

Kein schlechtes Omen - der neue Lotus Exige S wirkt mit ihren aufgerissenen Kühlluftschächten und den muskulösen Radhäusern im Vergleich zum Vorgänger bulliger und aggressiver. Der Radstand wächst um 70 Millimeter in die Länge. Vorn wuchs die Spur um 25 Millimeter, an der Hinterachse gar um 38 Millimeter in die Breite. Die Aerodynamik mit Frontsplitter, Heckflügel und Diffusor sowie nicht zuletzt der hohe Luftwiderstandsbeiwert von 0,43 lassen vermuten, dass der Stealth-Bomber in British-Racing-Green massig Abtrieb mitbringt. Doch darum kümmern wir uns erst, wenn der Lotus Exige S zum sport auto-Supertest im Windkanal anrückt.

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Harrop-Kompressor steigert die Leistung auf 350 PS

"Mir hat die Abdeckung über dem Motor nicht gefallen, daher kann man erstmals bei der Exige auch das Triebwerk sehen", schneidet Designer Coco ein anderes Thema an. So ermöglicht die Heckscheibe des Lotus Exige S nicht nur einen Blick von Passanten auf das Herzstück, sondern der Fahrer operiert beim rückwärts Einparken auch nicht mehr wie ein Chirurg in einem dunklen OP-Saal.

Außerdem wird erstmals dem Innenspiegel eines Lotus der nötige Respekt gezollt. In allen bisherigen Modellen fristete er ein unnützes Dasein, machte lediglich ausschnittweise Blicke auf den Ansaugtrakt möglich und flog am Ende des Tages wahrscheinlich bei allen Trackday-Junkies raus, um noch die letzten 250 Gramm Gewicht zu sparen. Anders als im Vorgänger-Exige S beatmet der Kompressor hier keinen Vierzylinder mehr. Die Lotus-Ingenieure adaptierten den aus dem Evora S bekannten V6 vom Typ 2GR-FE. Ein Harrop-Kompressor pustet das 3,5-Liter-Triebwerk auch im Exige S auf 350 PS auf. "Die neue Exige S ist sowohl ein Trackcar als auch ein komfortabler Alltagssportwagen", sagt Lotus-Fahrwerksguru Matt Becker. Uns interessiert nur der erste Teil seines Satzes.

Pure Fahrsucht im Lotus Exige S

Yoga-Dehnübungen und rein in die Kanzel des Gruppe C-Gedächtnisboliden. Der breite Seitenschweller, die Sportsitze, die Ergonomie - so stark, wie sich das Aussehen des Lotus Exige S gewandelt hat, so wenig veränderten die Lotus-Ingenieure das Interieur. Mussten sie aber auch gar nicht - hier zählte und zählt auch heute nur ein Gebot: pure Fahrsucht.
Die Querdynamik-Begierde übermannt, diktiert per Schlüssel der Zündung den Startbefehl, Startknopf drücken und... hoppla, der bekannte Lotus-Startreflex funktioniert in der neuen Exige S nicht. Dort, wo sich bisher der Startknopf auf der linken Seite des Instrumententrägers befunden hat, thront nun quasi das Lotus-Manettino - ein Drehregler, um die Fahrmodi zu justieren.

Hungrig auf Kurven, eine volle Zündschlüssel-Drehung - die Querkraft-Mahlzeit kann beginnen. Der V6-Kompressor faucht giftig auf, und der Lotus Exige S rennt mit spontaner Gasannahme los. Der erste Gangwechsel, der zweite, der dritte - es kullern fast die Freudentränen, wie knackig und butterweich sich das Sechsganggetriebe aus der Evora-Baureihe im Exige S für Lotus-Verhältnisse schalten lässt. Verflogen sind die Gedanken an hakelige Schaltgetriebe der Evora-Testfahrzeuge vor Modelljahr 2012, bei denen beinahe Schaltzüge und Schalthebel jedes Mal beim schnellen Beschleunigen ihr Leben gelassen haben. Mit optionalem Race Pack verfügt der Lotus Exige S zudem über eine Launch Control und soll in vier Sekunden von null auf 100 km/h spurten.

Apropos Lotus Evora S: Der Lotus Exige S lässt den gleich stark motorisierten, aber rund 260 Kilo gewichtigeren Lotus-Verwandten gedanklich schon nach den ersten heißen Runden auf der Teststrecke in Hethel wie einen untrainierten Boxer taumeln. Selbst bei feuchten Streckenbedingungen und niedrigen Temperaturen bieten die optionalen Pirelli P Zero Trofeo-Cupreifen (Serie: P Zero Corsa) nach einer kurzen Aufwärmphase hohen mechanischen Grip. Dass der Lotus Exige S weiterhin ohne Differenzialsperre agiert, fällt zumindest bei Nässe nicht auf. Dank 265er-Pneus hinten und umfassenden Fahrwerksmodifikationen krallt er sich mit bärenstarker Traktion in den Asphalt.

Komplett neu entwickelte Hinterachsaufhängung

Im Vergleich zum Vorgänger wurden nicht nur die Querlenker auf die breitere Spurweite angepasst. "Wir haben den Nachlaufwinkel reduziert und den Sturz an der Vorderachse vergrößert", erklärt Fahrwerksentwickler Becker. An der komplett neu entwickelten Hinterachsaufhängung trägt der Lotus Exige S nun erstmals einen Stabilisator.

Mit seiner direkter übersetzten Lenkung (17.25 :1 statt 18.5 :1) folgt der Lotus Exige S Befehlen noch präziser als der Vorgänger. Mehr Lenkwinkel (32 statt 35 Grad) fördert die Kontrolle im Grenzbereich und macht darüber hinaus auch leidenschaftliche Drifts problemlos möglich.
Mit optionalem Race Pack enthält das DPM-System neben dem Sport- und Off-Modus auch den Race Mode. "Es macht Spaß, wenn du alles ausschaltest, aber schneller ist man im Race Mode", verspricht Matt Becker.

Aufregender, schmutziger Sex

Wir sind auf die ersten gezeiteten Runden in Hockenheim gespannt. Egal, heute zählt die Rundenzeit noch nicht. Also ESP aus, und die Querfahrt geht weiter. Oder, wie Lotus-Entwicklungschef Wolf Zimmerman in einem Interview über den neuen Lotus Exige S sagte: "Du kannst normalen Sex haben oder aufregenden, schmutzigen Sex." Letzteres ist in der Exige S der Fall.

Christian Gebhardt

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Heft 06/2012
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