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Lucra LC470 26 Bilder Zoom

Lucra LC470 im Fahrbericht: US-Retro-Roadster mit Corvette-Power

Sein Karosseriekleid erinnert an einen Lister Jaguar aus dem Jahre 1958, doch darunter donnert der LS7-V8 aus der Corvette Z06. Zu Besuch in der Schweiz beim ersten Lucra LC470-Besitzer außerhalb Amerikas.

Schon der Gartenzaun verrät seine Automobilleidenschaft. Rot-weiß lackierte Leitplanken im Rennstrecken-Stil umzäunen das Eigenheim von Walter Scherrer im beschaulichen Züricher Vorort Wallisellen. „Bis der neue Wagen vor der Tür stand, hat sich eine kleine Hass-Liebe entwickelt“, beschreibt der selbstständige Werbe- und Grafikdesigner seine neueste Errungenschaft schmunzelnd. Nach 27 Jahren trennte sich der Schweizer von seinem Lancia Stratos und schlug ein neues Kapitel namens Lucra LC470 auf.

Erster US-Roadster Lucra LC470 in Europa

Sechs Aktenordner Email-Korrespondenz, zwei USA-Besuche und fast zwei Jahre Wartezeit vergingen, bis der US-Roadster in Lister-Jaguar-Optik als erster Lucra LC470 überhaupt den Weg auf den europäischen Kontinent gefunden hatte. Insgesamt hat die Exoten-Firma in Los Angeles bisher 25 Fahrzeuge gebaut. „No problem heißt es in Kalifornien, aber die Zulassung in der Schweiz ist nicht einfach“, sagt Walter Scherrer.

Unter der 73 Kilo schweren, in Sandwichbauweise aus Kohlefaser und GFK hergestellten Karosserie des Lucra LC470 sitzt eine Stahlrohrrahmen-Konstruktion. Hinter der Vorderachse arbeitet der LS7-V8 aus der Corvette Z06 mit Trockensumpfschmierung, sieben Liter Hubraum und 512 PS, dessen Kraft mittels eines Fünfganggetriebes von Tremec (TKO-600RR) übertragen wird. Man kann zwischen sämtlichen Corvette-Motoren wählen - auch der ZR1-Motor ist möglich“, verrät der Schweizer.

Teile vom Porsche 356 Speedster und VW Käfer

Nicht nur die Corvette stand mit Achtzylinder und elektrischen Türöffnern als Teilespender für den Lucra LC470 Pate. „Die Rücklichter stammen von einem MGA und die Frontscheibe von einem Porsche 356 Speedster“, beschreibt der Autoliebhaber den Teilemix. Die Scheibenwischer arbeiten ebenfalls in verschiedenen VW Käfer-Modellen, wurden aber erst auf Wunsch nachgerüstet. „In Kalifornien sind Scheibenwischer und Verdeck Fremdwörter“, erklärt Scherrer lächelnd.

Das Lächeln dürfte den zuständigen Prüfingenieuren des Dynamic Test Centers in Vauffelin im Kanton Bern beim ersten Anblick des Lucra LC470 zunächst erstarrt sein. Für die Einzelabnahme in der Schweiz waren Blinker, neue Scheinwerfer sowie eine Tankentlüftung nachzurüsten. Auch das V8-Konzert aus der Edelstahl-Sidepipe musste für das Leben in der Alpenrepublik deutlich reduziert werden. Während das sexy Achtzylinder-Grummeln an die Gegenwart erinnert, dreht das Cockpit die Zeitmaschine rückwärts und versetzt scheinbar in die US-Clubsportszene der 50er Jahre.

Im Lucra LC470 treffen 512 PS auf 980 Kilo

Zwischen Kipphebeln, analogen Rundinstrumenten und angedeuteten Schalensitzen macht sich Benzindunst im Lucra LC470 breit, während sich der Mitteltunnel spürbar wie eine Sitzheizung erwärmt. Mit steigender Geschwindigkeit vibrieren Spiegel und Fenster im V8-Beat. 512 PS haben mit dem 980 Kilo leichten Hecktriebler leichtes Spiel. ESP, ABS und ASR sind wie beim historischen Lister-Vorbild nicht mit an Bord. Trotz traktionsförderndem Sperrdifferenzial rauchen die 315er-Hinterachswalzen bei der kleinsten Überdosis Gas mit Michelin-Aroma.

Wie die Sperre stammt die etwas indirekt agierende Servolenkung aus dem GM-Baukasten. Eine Tendenz zum Untersteuern im Schiebebetrieb mit spürbaren Karosseriebewegungen prägt das Fahrerlebnis im Lucra LC470 ebenso wie ein lustvoll ausschwingendes Heck bei motiviertem Lasteinsatz. Das Schaltgetriebe erinnert hingegen mit leichtgängiger Gassenführung und kurzen Schaltwegen an das moderne Baujahr. „Nur das Fahrwerk muss noch abgestimmt werden“, sagt Scherrer.

Ein Tipp zur guten Fahrwerksabstimmung: Lucra-Deutschland-Importeur Michael Oberhauser erarbeitete ein rennstreckentaugliches Setup und zeigte beim sport auto-Tuner GP mit einer Rundenzeit von 1.13,8 Minuten auf dem Kleinen Kurs von Hockenheim das Potenzial des Retro-Leichtgewichts. „Die Amis legen halt andere Prioritäten - stolz sind die Lucra-Leute beispielsweise auf die schusssicheren Ölleitungen, die auch in einem Kampfhelikopter verbaut werden“, erwähnt Lucra-Besitzer Scherrer ein weiteres Kuriosum und fügt scherzhaft hinzu: „Macht vielleicht in der Schweiz Sinn, wo jeder sein eigenes Gewehr im Keller hat.“

Christian Gebhardt

Foto

Rossen Gargolov

Datum

14. November 2012
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 09/2011.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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