Maserati GT: Grill-Saison

Mit weit aufgerissenem Schlund, zusammengekniffenen Scheinwerfern und einem somit optisch und technisch reizvollen Konzept brennt der Maserati GranTurismo darauf, der Konkurrenz der großen Coupés einzuheizen.

Es war eine - sagen wir es so - eher durchwachsene Ära von Maserati GranSport, Coupé und Spider, die sich nun dem Ende entgegenneigt. Und es scheint, als wäre ein erleichterndes Padre mio zu vernehmen. Denn in puncto Verkaufszahlen fehlte den GT in jüngster Vergangenheit etwas der Drive.

Mit dem neuen GranTurismo, der im Herbst zu Preisen ab 112.280 Euro in den Handel kommt, wächst endlich zusammen, was zusammengehört. Schließlich steht nun plakativ drauf, was auch wirklich drin ist: ein per Definition klassischer Gran Turismo eben.

Der neue GT macht eine gute Figur

Formal jedenfalls ist der wuchtige Zweitürer bestens für das neu in Angriff genommene Segment gerüstet. Kurze Überhänge, muskulös ausgebildete Kotflügel, schwungvolle Linien - die flache Silhouette des fast 4,9 Meter großen GT macht eine perfekte Figur und pflegt nicht nur durch die seitlichen Entlüftungskiemen die Nähe zum viertürigen Quattroporte. Mit der Limousine teilt sich der GT die - wenn auch um 125 Millimeter verkürzte - Plattform sowie weite Teile des technischen Rüstzeugs.

V8 hinter der Vorderachse

Statisch betrachtet scheint das Strickmuster des GranTurismo stimmig, um den anvisierten Mitbewerbern vom Schlage eines Sechser-BMW, Jaguar XK oder Mercedes CL Paroli bieten zu können. Auch, weil der 4,2-Liter-V8 mitsamt Sechsstufen- Automatik hinter der Vorderachse Platz nimmt. Was dazu führt, dass sich das gehörige Gesamtgewicht von knapp 1.900 Kilogramm bis auf ein Prozent Differenz gleichmäßig auf beide Achsen verteilt.

Fast zwei Tonnen Lebendgewicht gilt es zu bewegen

Beste Rahmenbedingungen also, dass sich der hochfrequent klingende GranTurismo auch dynamisch ins sportliche Licht zu rücken weiß. Zwar ist er keiner, der jegliche Kurvenwindungen mit einem lockeren Fingerschnipp entzaubert. Fast zwei Tonnen sind eben nur schwerlich zu vertuschen. Aber er lenkt willig und direkt ein - ein Gran Turismo mit einer guten Brise Sport gewürzt.

Ein Sperrdifferenzial ist serienmäßg

Die Traktion des Hecktrieblers ist nicht nur dank des verbauten Sperrdifferenzials perfekt. Der hoch drehende Achtzylinder hat untenrum einfach gar nicht so viel im Strumpf, um das Heck mit den in diesem ansonsten so harmonischen Design etwas befremdlich wirkenden Heckleuchten aus der Spur zu werfen.

Die Automatik arbeitet zügig

Ab 4.750 Touren steht das maximale Drehmoment von 460 Newtonmeter erst zur Verfügung. Wer sich also möglichst hurtig in Szene setzen möchte, tut dies am besten mit verstärkter Schaltarbeit an den Wippen oder lässt einfach walten. Jedenfalls wechselt die Automatik die Gänge ausgesprochen zügig, schaltet jedoch ohne Zwischengas zurück und ist leider auch nicht im Stande, im manuellen Modus die Fahrstufen zu halten.

Was hingegen hält, ist die mit Brembo-Komponenten gerüstete Bremsanlage. Obgleich das Pedalgefühl relativ teigig ausfällt. Noch etwas mehr al dente könnte nicht schaden.

Generell ist der GranTurismo aber bestens zu- und vorbereitet, um auf dem Markt der großen Coupés nicht mehr nur eine besondere, sondern auch ernst zu nehmende Rolle zu spielen.

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Jochen  Übler

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