McLaren MP4-12C Spider im Fahrbericht: Roadster-Vorteil des Supersportlers

McLaren MP4-12C Spider, Frontansicht

Mit einer Leistungskur auf 625 PS und ein paar weiteren kleinen technischen Retuschen geht der McLaren MP4-12C ins neue Modelljahr - ab sofort auch als Spider, der 22.950 Euro teurer ist als das Coupé. Kann der Offene seinen Preis rechtfertigen?

Iris hat Pause, findet gerade eben keinerlei Beachtung. Es gibt auch deutlich Wichtigeres zu tun, als sich mit dem McLaren-Infotainment-System auf dem Mitteltunnel zu beschäftigen. Wenngleich dem Mitteltunnel im MP4-12C Spider eine noch elementarere Rolle als bisher zukommt.

Erster offene McLaren für die Straße

Dort sitzt das zusätzliche Knöpfchen, das eine Sinneswandlung vollbringt. Hut ab im ersten offenen McLaren - von den Formel 1-Boliden abgesehen. In 17 Sekunden ist es so weit, dann hat sich die Klappe auch bei einer Geschwindigkeit von maximal 30 km/h hinter den beiden bestens geschnittenen Sitzen wieder geschlossen und das zweiteilige Kohlefaser-Hardtop sachlich und technisch perfekt verpackt.

Um 40 Kilogramm trägt das bei Webasto gefertigte Dach-Konstrukt auf, was das Gesamtgewicht des Spider auf immer noch überschaubare 1.474 kg anhebt. Zusätzliche Versteifungen im Karbon-Rohbau hat der McLaren MP4-12C nicht nötig, weil er bereits von Beginn an als Roadster konzipiert war.

McLaren MP4-12C Spider fährt 329 km/h

Also verwundert ganz und gar nicht, dass der Spider dem Coupé in allen dynamischen Belangen ebenbürtig ist. Eine Zehntelsekunde langsamer auf 100 - lächerlich, vier km/h weniger Topspeed - Peanuts. Und dass die Leistung des aufgeladenen V8-Motors zum neuen Modelljahr um 25 - auf nun 625 PS - zugenommen hat, ist wohl eher kosmetischer Natur.

In der Praxis hängt der 3,8 Liter große Biturbo durch die Veränderungen in der Motorelektronik einen Hauch besser am Gas. Seine Turbo-Allüren behält er dennoch - unter 3.000 Umdrehungen zeigt er sich bedeckt. Darüber hinaus reißt sich das bei Zulieferer Ricardo gefertigte Triebwerk umso radikaler die Kleider vom Leib, feuert Leistungs- und Drehfreude aus vollen Rohren und gibt sich erst bei Drehzahlen jenseits der 8.000 zufrieden. Wobei der ununterbrochene Schub erst dann nachlässt, wenn die siebte Welle des überarbeiteten Doppelkupplungsgetriebes eingelegt ist. Bis dahin fließen die einzelnen Fahrstufen förmlich ineinander - sofern der Powertrain-Drehschalter auf Normalstellung arretiert ist.

Sportwagen kann scharf gemacht werden

Auf „T“ wie Track kommt etwas mehr Feuer ins Spiel, Zwischengassalven beim Runterschalten inklusive. Wie im Coupé regelt der zweite Drehschalter das Fahrwerkssetup und macht den McLaren MP4-12C Spider zum Meister der Verwandlung. Auf Stellung „N“ gleitet er komfortabel dahin, lässt keine Hektik auf- und keine Stöße grob durchkommen. Oder er strafft in „T“ das Dämpfersystem, reduziert deutlich die Rollneigung und steigert sein Kurventalent noch weiter. Direkt und zu kontrollierten Drifts bereit, stellt der Offene die Frage, warum es überhaupt einen Geschlossenen braucht?

Worin unterscheiden sich Coupé und Spider?

Weil das McLaren MP4-12C Coupé fürs neue Modelljahr alle Features, darunter auch ein neues Türöffnungssystem ebenso mit an Bord hat, aber über 22.000 Euro günstiger ist. Emotional betrachtet hat der Spider deutlich mehr zu bieten. Nein, nicht nur das Tamm tamm mit der Frischluft und dem puristischeren Fahren.
 
Wer den Spider geschlossen genießt, nur die kleine hintere Scheibe nach unten fährt, der bekommt kernigen Motorklang, fideles Wastegate-Zwitschern - also eine packende Klangwolke, die dem Coupé trotz Sound-Generator immer noch etwas abgeht. Und schon wieder hat Iris Pause.

Hier ist der McLaren MP4-12C im sport auto-Supertest auf dem Hockenheimring und der Nordschleife.

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Jochen  Übler

Autor:

SPORT AUTO, Heft 11 / 2012

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