Mercedes CLS 63 AMG Fahrbericht: Erster Ausritt mit dem 557 PS Coupé

Mercedes CLS 63 AMG

Im Mercedes CLS 63 AMG der zweiten Generation wird das viertürige Coupé von einem bis zu 557 PS starkem V8-Biturbo-Triebwerk angetrieben. Erste Ausfahrt mit dem Topmodel.

Als Mischung aus Limousine, Coupé und Sportwagen vertritt die AMG-Variante der zweiten Mercedes CLS-Generation gleich mehrere Philosophien. Einendes Moment ist der neue Motor im Mercedes CLS 63 AMG, dessen grandiose Leistung mit extrem hoher Effizienz einhergehen soll.

Wie sagte es doch der Pressesprecher anlässlich der Präsentation im Orangenbaum-geschmückten Dunstkreis der südkalifornischen Großstadt San Diego so treffend: "Die Präsentation des Mercedes CLS 63 AMG ist deshalb bewusst in diese noble Weltgegend verlegt worden, weil sie gewissermaßen das natürliche Habitat großer Mercedes-AMG-Modelle ist." Nun mag zwar die sonnige Wetterprognose eine Rolle gespielt haben - aber ganz richtig: Es dauert tatsächlich keine zwei Kilometer, bis der erste von einem gefühlten Dutzend AMG-Modellen aus der großen, von einem pittoresken Natursteinbogen eingefassten Ausfahrt eines Priviligierten-Reservats rollt und die Insassen angesichts des in freier Wildbahn so plötzlich auftauchenden, neuen Stammesbruders gleichfalls unerwartet große Augen machen.

AMG-Modell mit zwei Leistungsstufen

Völlig klar: Bei einem Tempolimit von 65, mit einer Ausnahme im Indianerland nahe der mexikanischen Grenze sogar 75 Meilen, muss die Versuchung einfach riesig sein, freiwillig dem Leistungsangebot von 525, mit „Performance Package“ (7.735 Euro) gar 557 PS zu erliegen. Eine Wette drauf: Spätestens im Mai, dem Einführungszeitraum des hierzulande knapp 116.000 Euro teuren, neuen AMG-Modells, steht der erste Mercedes CLS 63 AMG ergänzend zur Palette diverser breitspuriger PS-Boliden in den Hallen desjenigen Interessenten, der aufgrund der Umsätze die besten Kontakte zum örtlichen AMG-Dealer hat.
 
Hört man da etwa einen Anflug von Neid raus? Nicht doch. Die sachlichen Gründe, die für das neue Flaggschiff aus der AMG-Manufaktur sprechen, überzeugen erst recht diesseits des großen Teichs, zumal hierzulande die Entfaltungsmöglichkeiten des viertürigen Gan Turismo ungleich besser sind. Sofern die Bereitschaft vorhanden ist, die originelle viertürige Coupé-Form als Alternative zur innen weiträumigeren Limousine oder zum beengteren, zweitürigen Coupé zu akzeptieren, stehen bedeutsame Annehmlichkeiten ins Haus. Für ältere Semester das eine mal vorweg: Der Einstieg gelingt trotz der Coupé-Form und trotz der schmaleren Türöffnungen problemlos. Und auch der Sitzkomfort ist in der hinteren Reihe durchaus langstreckentauglich.

Neuer Motor mit altem Kürzel

Der Eindruck, dennoch mit den Vorzügen eines klassischen Coupés verwöhnt zu werden, bestätigt sich in mehrerlei Hinsicht - zum einen durch die fast filigrane Anmutung des die Besatzung sehr angenehm umschließenden Cockpits. Zum anderen ist es die Behändigkeit, durch die der Mercedes CLS 63 AMG trotz seiner Masse zu überzeugen weiß. Das gilt für das agile Fahrverhalten und erst recht für die Mittel, die der gleichfalls extrem starke Antrieb zur Ausschaltung des Trägheitsmoment parat hält. Wo 63 draufsteht, ist allerdings - wie früher schon einmal -, nur 55 drin: Weil der mit 5.461 Kubikzentimeter antretende V-Achtzylinder-Biturbo eine Neukonstruktion ist und aufgrund des fast identischen Hubraums eine Verwechslung mit den früheren Kompressor-Triebwerken möglich wäre, beließ man es kurzerhand bei der Typenbezeichnung des direkten Vorgängers.

Mercedes CLS 63 AMG mit 800 Nm

Die neue Aluminium-Konstruktion ist eine vom alten und neuen Schlag zugleich: Der Sound des Biturbo-V8 ist von ähnlich betörendem Charakter, wenngleich unter Druck weniger hart und insgesamt auch etwas gedämpfter als beim bisherigen 6,3-Liter-Sauger. Die Leistungscharakteristika zwischen dem Vorgänger und dem neuen Biturbo unterscheiden sich, obwohl jeder von einem anderen Stern kommt, gleichfalls nur in Nuancen. Das Durchzugsvermögen des Biturbos dürfte dem des Saugers mindestens ebenbürtig sein. Im Ernstfall sind es nicht weniger als 800 Newtonmeter, die dieser Motor unter Begleitumständen bereitstellt, die bisher kaum für möglich gehalten wurden: Mehr Drehmoment und mehr Leistung zum Preis eines Kraftstoffverbrauchs, der um 32 Prozent unterhalb jenes des bisherigen 6,3-Liter-V8-Saugmotors liegen soll. Das lässt zwei Schlüsse zu: Entweder haben wir es hier, wie von AMG apostrophiert, mit einem technologischen Quantensprung zu tun. Oder aber der Vorgänger war schlicht ein Säufer. Ein Kompromiss dazwischen wäre schon der Hit.

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