Mercedes SLK 350 im Fahrbericht: Rendezvous mit dem Blech-Klappdach-Cabrio

Mercedes SLK 350

Erste Fahrt mit dem Mercedes SLK 350 der dritten Roadster-Generation des Blechdach-Cabrios. Kann der 306 PS starke Zweisitzer das Sportlerherz begeistern?

"Das Beste oder nichts" - dieses Motto prägt die Mercedes-Philosophie. Gleiches sollte man auch bei der Partnerwahl beherzigen. Ob aus uns und dem Mercedes SLK 350 wirklich eine Liebesgeschichte wurde, zeigt der Fahrbericht.

Mit einem Grummeln im Bauch wartete er auf seine Angebetete: Mercedes Esselle K. Er hatte sie schon sieben Jahre nicht mehr gesehen. Ob sie sich wohl sehr verändert hat? Er wusste nur, dass sie ein rotes Kleid tragen würde. Als Erkennungsmerkmal sollte sie einen Stern bei sich haben. Wenige Minuten später stand sie vor ihm. Sie war erwachsen geworden. Sie wirkte strenger, souveräner, gereift. Ihre Rundungen in diesem roten Lackkleid - einfach traumhaft.

Neuer Mercedes SLK ist sportlich

Aufgewacht Männer! Wir würden Sie an dieser Stelle gerne weiter in Ihren Träumen von Mercedes Esselle K. schwelgen lassen, aber die Fakten sind viel interessanter. „Der Mercedes SLK ist nicht männlich oder weiblich, sondern in erster Linie sportlich“, sagt Dr. Joachim Schmidt, Mercedes-Vorstand für Marketing und Vertrieb. Früher hatte der Mercedes SLK noch den Ruf als Frauenauto, die neueste Generation soll gleichermaßen auch Männerfantasien wecken.
 
Das könnte durchaus klappen, denn der Mercedes SLK 350 hat ein sehr maskulines Vorbild - den Mercedes SLS AMG. Der Typ SLK sieht ein bisschen so aus, als hätte man einen SLS zu lange im Trockner gelassen. Passiert uns das mit dem Lieblings-Shirt, ist die Enttäuschung groß. Dem Roadster steht die SLS-Klamotte in Größe XS hingegen gut zu Gesicht. Das ziert mittlerweile keine angedeutete Formel-Nase mehr, sondern einen breiten Unterkiefer, der Kurven zum Fressen gern hat.

Die Optik ist keine Mogelpackung

Der Mercedes SLK 350 hält auch in Aktion, was er auf den ersten Blick verspricht. Mit seinen 1.540 Kilogramm schraubt er sich auf Teneriffa mit Leichtigkeit die Serpentinen hoch. Besonders die sogenannte Torque Vectoring-Funktion, die wie ein Sperrdifferenzial arbeitet und zum optional erhältlichen Fahrdynamik-Paket gehört, erhöht den Fahrspaß enorm. In jeder Kurve möchte man mit dem eigenen Hinterteil mitschwingen, weil der Roadster seines auch so dynamisch bewegt. Der Hüftschwung wirkt dabei nie übertrieben und ist stets kontrollierbar. Bis das ESP eingreift, tänzelt der Schwabe lange. Komplett abschalten lässt sich das elektronische Helferlein im Mercedes SLK 350 gemäß der Mercedes-Philosophie allerdings nicht. Ist das ESP per Knopfdruck deaktiviert, wird nur die Hemmschwelle herabgesetzt. Sportlichkeit geht bei Mercedes eben immer noch mit Komfort einher.
 
Da passt es ins Bild, dass selbst mit der härteren Dämpferkennung im Sportmodus nicht jeder Ritt über Bodenwellen Kopfschmerzen auslöst. Lediglich die Lenkung fühlt sich besonders in engen Kurven einen Tick zu leichtgängig an und könnte direkter agieren.

Mercedes SLK 350 mit 306 PS

Der neu entwickelte 3,5-Liter-V6-Motor ist hingegen zu jeder Schandtat bereit. Mit 306 PS und 370 Nm markiert er das Top-Aggregat neben zwei Vierzylindern. Schon ein Kitzeln des Gaspedals reicht aus, um den Beifahrer in eine kerzengerade Sitzposition zu befördern. Wird aus dem Kitzeln ein Treten, prescht der Mercedes SLK 350 wie ein gejagtes Tier nach vorn. Der Sprint von null auf 100 km/h soll in 5,6 Sekunden gelingen. Das passende Gebrüll gibt es bei offener Fahrt inklusive. Als könne er seinen Schlund tatsächlich aufreißen, grollt der Oben-Ohne-Flitzer aus tiefster Brust. Es darf schließlich jeder in der Umgebung hören, dass er gleich dem Mercedes SLK 350 zügig Platz machen soll.
 
Das anschließende Überholen im Mercedes SLK 350 ist dank schnell schaltendem Siebengang-Automatik-Getriebe ein Kinderspiel. Wer es eilig hat, wählt den Sportmodus. Zum lässigen Cruisen eignet sich die Economystufe. Herr des Sterns bleibt nur, wer den manuellen Modus wählt und mit den im AMG-Sportpaket inbegriffenen Schaltpaddels am Lenkrad die Gangfolge dirigiert.

Mit Spannung steigt der Durchblick

Ebenfalls den Mercedes SLK 350-Käufern des AMG-Sportpakets vorbehalten sind die roten Ziernähte auf Instrumentenbrett und Innenverkleidung. Mit den roten Gurten fühlt sich der Fahrer beinahe wie in einem Renncockpit - fehlt nur noch, dass die bequemen Sitze etwas mehr Seitenhalt bieten. Die auffällig gestalteten Belüftungsdüsen im Luftfahrt-Design sind eine Reminiszenz an den großen Bruder SLS. Das eigentliche Glanzstück ist schließlich das magische Fenster im geschlossenen Dach. Simsalabim - und auf Knopfdruck färbt sich die Scheibe dunkel. Die Technik bedient sich der Physik eines Plattenkondensators. Liegt elektrische Spannung an, richten sich die Partikel im Glas so aus, dass Licht durchkommt. Ohne Spannung wird das Licht fast vollständig blockiert.
 
Offen ist aber sowieso schöner - und selbst bei Regen kein Problem. Der neue Stern am Roadster-Himmel reizt den Fahrer, stets so schnell zu fahren, dass bei leichtem Nieseln kaum ein Tropfen eine Chance hat, im Cockpit zu landen.

AMG-Version des Mercedes SLK folgt

Für schlechte Stimmung kann da eigentlich nur noch der Blick in die Preisliste sorgen. Der Mercedes SLK steht bereits beim Händler, die AMG-Version mit V8-Motor soll im Januar 2012 folgen. Der Grundpreis für den Mercedes SLK 350 liegt bei 52.300 Euro. Bei 71.460 Euro Euro für die von uns erprobte 306-PS-Version mit AMG-Sportpaket und Fahrdynamikpaket kann einem schon jetzt schwindlig werden.
 
Aber erinnern Sie sich noch an die hübsche Mercedes Esselle K. im roten Lackkleid? Laden Sie sie doch mal zu einer Ausfahrt durchs spanische Gebirge ein. Danach haben Sie die Zahlen schnell wieder vergessen. Wir hätten auch gleich das passende Lied für die erste Verabredung. Mit Rollin in the Deep von Adele kann daraus nur eine Liebesgeschichte werden.

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Bianca Leppert

Autor:

SPORT AUTO, Heft 4 / 2011

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