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Milltek-Nissan GT-R, Frontansicht 6 Bilder Zoom

Milltek-Nissan GT-R im Fahrbericht: Sex auf Rädern mit fast 1.000 PS

Leistung kann man nie genug haben. Wenn plötzlich ein Nissan GT-R ab Werk nur noch wie kalter Kaffee schmeckt, ist das Godzilla-Monster von Milltek Sport am Start. Wir fuhren die britischen Ladedruck-Orgie mit 963 PS und 1.000 Newtonmeter nur kurz, aber intensiv.

Ziiissssch, wrroooooaaam, zisch, wroaaaaaaaaaam, zisch, wroooooaaaaaamm - jetzt also doch: Endzeitstimmung. So klingt also das Ende, die Maya-Prophezeiung tritt ein. Der Himmel verdunkelt sich über Motodrom und Ameisenkurve - Weltuntergang in Hockenheim. Der Auslöser der Apokalypse ist giftgrün, explodiert Blow-off-zischend mit 963 PS und heißt Milltek-Nissan GT-R.

Die Leistung wurde fast verdoppelt

Während der getunte Godzilla aus Großbritannien in Klang und Auftritt eher einem Wesen aus einer anderen Galaxie gleicht, berichten seine Erfinder in irdischer Gelassenheit, warum das Leben eigentlich erst mit knapp 1.000 PS und 1.000 Newtonmeter maximalem Drehmoment richtig beginnt. Nur zur Erinnerung: Schon die Serienmodelle, mit je nach Modelljahr 486, 530 oder aktuell 550 PS, stürzen sich mit der Gelassenheit einer Achterbahn vom Fleck.

550 PS sind für Phil Millington und Richard Marshall wie kalter Kaffee. Phil gründete vor 29 Jahren die Auspuff-Schmiede Milltek und fungiert als Teamchef des Team Milltek-Nissan GT-R, das die PS-Bestie zu Time Attack-Veranstaltungen in Großbritannien oder zum sport auto-Tuner Grand Prix 2012 begleitet. Richard ist bester Kumpel und Kutscher des Nissan GT-R in einer Person.

Mit Bioethanol gibt es die ganze Power

„Zwei Meilen vom Hotel haben wir eine Tankstelle mit E85 gefunden“, sagt Phil lächelnd. Danke Jungs, wir hatten schon Sorge es würde nur mit Super Plus und 862 PS zäh vorwärts gehen. Dank Bioethanol gibt‘s Maximalschub von 963 PS.
 
Kohlefaser-Motorhaube öffnen und erst einmal den Anblick genießen: Sabber, lechz, lecker - vor uns liegt ein Filet Mignon des Motoren-Tunings. Selbst die japanische Skyline-Fangemeinde würde wohl vor dem getunten V6-Biturbo auf die Knie sacken. Dabei ist der Motorenumbau so britisch wie Baked Beans.
 
Zumindest die Macher von Severnvalley Motorsport kommen aus der Nähe von Donington. Die R35-Spezialisten übernahmen für Milltek die Motoren-OP. Neben der Nachbearbeitung des Kurbelgehäuses sowie des Zylinderkopfes wurde der V6 mit größeren Turbos, speziellen Kolben und Pleuel von Cosworth, Tomei-Nockenwellen, ID2000cc-Einspritzdüsen und neuen Benzinpumpen (Walbro 400 LPH) fit gemacht.

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Rein in den Tillett-Carbonschalensitz, Sechspunktgurte festzurren, Attacke! „Leg mal mit 1,4 bar los“, hatte Richard dem Gastpiloten vorher geraten. Die verstärkte Kupplung schnappt giftig wie in einem Rennwagen zu. Schon beim Serienmodell macht der Antriebsstrang mechanische Musik. Nichts gegen den Milltek-Nissan GT-R: Klappern, mahlen, sirren - egal ob bei 2.500 oder 7.000/min hier klingt alles nach Le Mans und Nürburgring. Dank der Milltek-Abgasanlage mit größerem Rohrdurchmesser (90 statt 76,2 mm), die in vier ofenrohrdicken 127er-Endrohren mündet, donnert das Rennorchester dunkel-bassig oder pfeift zischelnd die Sinfonie der Vernichtung überschüssiger Ladeluft.

Die gleichmäßige Leistungsentfaltung des Nissan GT-R-Serienmodells weicht im Milltek einem spürbaren Turboloch. Während frühere Turbo-Monster mechanische Dampfräder zur Ladedruckjustierung hatten, steuert der Fahrer im Milltek per Knopfdruck den Ladedruck. Dort wo im Nissan GT-R von der Stange am Lenkrad der Schalter für den Tempomaten sitzt, können nun 1,4, 1,6, 1,8 oder 2,2 bar Ladedruck angewählt werden.

Fahrerlebnis ist wie Sex auf Rädern

Ab ins Biturbo-Nirvana. Wie fühlt sich der Unterschied zwischen Serienleistung und dem 963 PS-Faustschlag an? So extrem wie zwischen milden und scharfen Peperoni - gleiche Optik, aber zwei verschiedene Gewürzwelten. Der Milltek-Nissan GT-R holt tief Luft und schlägt dann brachial zu. Als „Sex auf Rädern“ beschreibt Fahrer Richard den Antritt, der den 1.735 Kilo schweren Power-Klotz in 18 Sekunden über die 200 Meilen-Marke (ca. 322 km/h) katapultieren soll.

Während der gutmütige Serienbomber auch wenig feinfühligen Lenkradartisten verzeiht, wenn sie im Kurvenscheitelpunkt grob aufs Gaspedal steigen, kontert der heiße Nissan GT-R wie ein Karatekämpfermit einem energischen Side-Kick. Ein einstellbares KW-Gewindefahrwerk sorgt für eine präzise Rückmeldung und ein knackiges Einlenkverhalten.
 
Weniger überzeugt die Toyo R888-Bereifung auf dem Milltek-Nissan GT-R. Bereits nach fünf Runden auf dem Kleinen Kurs von Hockenheim heizen sich die Pneus wegen des hohen Fahrzeuggewichts stark auf und das Gripniveau lässt merklich nach. Die Folge: Schieben über die Vorderachse beim Anbremsen und Kurveneingangsuntersteuern.

Fast-1.000 PS-Faszination im Milltek-Nissan GT-R

Nur ein kleiner Wermutstropfen - die Fast-1.000 PS-Faszination spielt sich ohnehin auf den Geraden ab. Nach sechs Runden ziehen wir die 900 PS-Plus-Injektionsnadel wieder aus dem Arm und stellen den britischen Samurai unversehrt in der Box ab.
 
Dabei fragen sich Kritiker, wie lange der sensible Allradler das 1.000 Newtonmeter-Martyrium trotz größerem Kühler und zusätzlicher Getriebe- und Differenzial-Kühlung wohl überlebt. Ein markerschütterndes Krachen gab tags darauf beim sport auto-Tuner Grand Prix 2012 nach zwei fliegenden Runden eine ernüchterne Antwort: „Getriebeschaden, aber für eine schnelle Runde kommen wir wieder“, verabschiedet sich Milltek-Pilot Richard, während die grüne Bestie auf den Hänger humpelt. Die 900 PS-Plus-Faszination schmälert das unrühmliche Ende jedoch kaum.

Christian Gebhardt

Foto

Rossen Gargolov

Datum

23. Mai 2013
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 07/2012.
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