Mini John Cooper Works Coupé im Fahrbericht

Mini Coupé mit 250 PS für die Rennstrecke

Mini John Cooper Works Coupe, Seitenansicht

Obwohl das Mini John Cooper Works Coupé fünf Millimeter länger baut als der vergleichbare Hatch, war das Vergnügen der ersten Begegnung auf dem österreichischen Wachauring ein denkbar kurzes. Ein flotter Sneak Preview, der schon jetzt Lust auf mehr macht.

"Warum nur", so fragt sich der Journalist nach dem intensiven Zwiegespräch mit dem Mini-Chefdesigner im Rahmen des zweiten Workshop am Tag des Previews, "steht in der Garage ein so schmuckes, gänzlich ungetarntes Mini John Cooper Works Coupé mit allen neuen Insignien der Macht und Schönheit, während draußen nur kringelig getarnte Vorserienautos auf erste Runden warten?"

Die Antwort ist einfach. So lange vor der eigentlichen Präsentation des jüngsten Mitglieds der seit dem Jahr 2001 stetig wachsenden Mini-Familie im Umfeld der im September diese Jahres in Frankfurt gastierenden IAA gibt es eben schlicht zwei Sorten von Autos: Solche, die gut aussehen und solche, die gut fahren. Und, ja - so richtig lüften wollen die Münchener das Geheimnis um den smarten Newcomer Mini John Cooper Works Coupé wohl auch noch nicht.

Schließlich wird der endgültige Startschuss des frontgetriebenen Zweisitzers erst im Vorfeld des legendären 24-Stunden-Rennens am Nürburgring fallen. Als Mini John Cooper Works Coupé Endurance wird der Deutsch-Brite am Donnerstag, dem 23. Juni, in der Eifel erstmals ungetarnt flotte Runden drehen.

Mit 250 PS wird JCW Coupé nie auf der Straße fahren

Das heißt: Irgendwie ist das für den Rennbetrieb erdachte Aerodynamikpaket mit dem dicht über dem Heck kauernden festen Flügel und dem großen Frontsplitter sowie der wilden Lackierung, die einen gefiederten Löwenkopf zeigt, auch eine Art Tarnung. So oder ähnlich wird das Mini John Cooper Works Coupé auf öffentlichen Straßen nämlich nie zu sehen sein - das ist dem alten und neuen Mini-Chef Kay Segler wichtig.

"Sowohl die motorseitige Ausbaustufe von gut 250 PS als auch die sequenzielle Schaltung und die äußeren Anbauteile wurden allein für die Rennstrecke erdacht." Und auf Sieg, so der klar formulierte Anspruch, sei man bei den 24 Stunden auch nicht aus. "Wir wollen das Mini John Cooper Works Coupé dort oben einfach seine Runden drehen und nach einem Tag ins Ziel kommen sehen."

Ab 80 km/h fährt der Heckspoiler aus

Klingt einfach, ist es aber nicht. Über 200 Teilnehmer mit deutlich ambitionierteren Zielen und eine Ziffernblattumrundung des kleinen Zeigers der Uhr sind allemal dazu angetan, für Ungemach zu sorgen. You never know what happens. Aber zurück in die Wachau, nach Melk. 

Hier darf der im Vergleich zu seinen älteren Geschwistern deutlich flacher geschnittene und mit einem ab 80 km/h automatisch ausfahrbaren Heckflügel nebst Dachspoiler aerodynamisch optimierte zweisitzige Mini John Cooper Works Coupé eine erste Probe seines Könnens geben. Auf Strecke und Handlingparcours kann und soll der mit einem dreistufigen DSC aufwartende Fronttriebler zeigen, wie viel Spaß der an einen potenten Turbomotor gekoppelte kurze Radstand macht.

Rennsemmel mit aufgeladenem Vierzylinder

Jener ist mit exakt 2.467 Millimeter nämlich kein Stück größer als beim Hatchback oder Cabrio. Für den halben Zentimeter mehr Außenlänge zeichnet einzig und allein die etwas weiter vorgezogene Frontspoilerkante verantwortlich. Sie soll den Anpressdruck an der Vorderachse erhöhen. Die Sitzposition in der zweisitzigen Mini-Variante ist ebenso gut wie bei den übrigen Modellen. Über Sportsitze mit längeren Oberschenkelauflagen wird dem Vernehmen nach nachgedacht.

Der aufgeladene Vierzylinder hat mit den durch zusätzliche Versteifungen in den Seitenflanken bedingten 25 Kilo Mehrgewicht gegenüber dem Hatch keine Mühe, der niedrigere Schwerpunkt bedingt ein subjektiv noch quirliger anmutendes Temperament. Das Mini John Cooper Works Coupé mit dem farblich abgehobenen Helmdach taugt zur Rennsemmel - keine Frage.

Elektronik schränkt Fahrspaß im Mini JCW ein

Einzig die elektronisch simulierte Differenzialsperre in Form von selektiven Bremseingriffen (eine Unterfunktion des DSC hindert das entlastete Rad bei zu viel Antriebsmoment am Durchdrehen) passt nicht in das gewollt sportliche Umfeld.

Weil der mit einem für Mini-Verhältnisse üppig großen 260-Liter-Kofferraum nebst Durchlade-Vorrichtung versehene Zweisitzer ohnehin teurer ausfällt als das viersitzige Pendant (rund 1.500 Euro mehr dürften es wohl sein), hätte man ruhig auch über ein mechanisches Sperrdifferenzial für das Mini John Cooper Works Coupé nachdenken können. Das kostet - gewiss - kommt aber auch ohne die bremsenseitigen Knarzgeräusche und den damit verbundenen höheren Verschleiß aus. So etwas wäre dann wirklich premium - zumindest aus sportlicher Sicht.

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