Was japanische Autobauer von deutschen unterscheidet? Zum einen sicherlich die Optik ihrer Produkte. Während ein VW Golf GTI, unbestritten der Maßstab und Trendsetter unter den sportlichen Kompakten, auch und vor allem dem Understatement huldigt, dürfen die 4-Meter-und-etwas-Kraftpakete aus dem Land der aufgehenden Sonne durchaus zeigen, was sie haben. Ob Subaru Impreza WRX STi oder Mazda 3 MPS - ein bisschen Show und Shine darf sein.
Sportlicher Kompaktwagen mit 260 PS
Das auf der zweiten Generation des kompakten Mazda Fünftürers basierende, in Deutschland Mitte Oktober an den Verkaufsstart gehende Sportmodell macht da keine Ausnahme: Keilförmige Sicken auf den Flanken, wuchtige Seitenschweller, ein Kühlergrill in Schwarz-metallic und der den Wirkungsgrad des Ladeluftkühlers erhöhende mächtige Lufteinlass in der vorderen Motorhaube sorgen dafür, dass den 260 PS starken frontgetriebenen Newcomer so schnell keiner übersieht.
Was japanische Autobauer aber auch von deutschen unterscheidet, ist die Preispolitik. Sicher - wer einen VW Golf GTI ordert, muss nicht gleich mit 20 bis 30 Prozent Aufschlag rechnen, wenn er Wert auf eine gediegene Ausstattung legt. Dergleichen ist eher bei Porsche, BMW oder Mercedes ein Thema. Aber ein paar Hundert Euro hier und da können sich am Ende auch bei VW und in der Kompaktklasse zu einer recht erklecklichen Summe addieren. Dem ist bei Mazda nicht so. Das neue kompakte Flaggschiff lässt - vom Navigationssystem (720 Euro) und dem unter anderem ein Bose-Soundsystem mit zehn Lautsprechern sowie das adaptive Bi-Xenon-Licht umfassenden Plus-Paket (2.400 Euro) abgesehen -, keine Wünsche offen. Dabei gerät der neue Mazda 3 MPS mit 27.400 Euro Grundpreis nicht einmal wesentlich teurer als ein VW Golf GTI-Basismodell (26.650 Euro) - 50 Mehr-PS und etliche modisch-liebevolle Schmankerl wie beispielsweise die blau-rote „Welcome Illumination“ im Innenraum inklusive.
Weiterentwickelter Turbo-Sportler mit 1,4 Tonnen
In der Qualitätsanmutung hat das neue Mazda Performance-Modell gegenüber dem alten deutlich gewonnen. Die schwarzen, von rot gepunkteten, das Sitzmuster der serienmäßigen und sehr bequemen Teilleder-Sitze aufgreifenden Einlagen aufgelockerten Kunststoffflächen muten wertiger an, das Innengeräuschniveau ist geringer geworden. Dafür müssen soundaffine Kompaktwagenfans aber auch beim neuen Mazda 3 MPS auf eine zum sportlich-muskulösen Äußeren passende Klangfarbe verzichten. Der lautstarke Auftritt ist nicht das Ding des mit rund 1.400 Kilogramm Gewicht nicht allzu schwer geratenen Turbo-Sportlers.
Er marschiert - und schweigt. Na ja, nicht ganz. Aber doch mehr, als aufgrund seiner sehr extrovertierten Optik mit dem großen Dachspoiler am Heck zu vermuten gewesen wäre. Da eröffnet sich ein weites Betätigungsfeld für die Zubehörindustrie. Nichts zu mäkeln gibt es hingegen am Fahrwerk. Gemäß seinem erklärten Auftrag sportlich, aber nicht kompromisslos zu sein, bietet der Mazda 3 auch in der MPS-Ausführung ein erstaunliches Maß an Federungskomfort. Die vom Hersteller angestrebte Quadratur des Kreises geht bei der flotten Landstraßenhatz erst einmal als gelungen durch. Einzig das recht laute Abrollgeräusch der von Dunlop eigens für den 3 MPS entwickelten Gummis fällt negativ auf. Bei Spurrinnen oder unebenen Fahrbahnoberflächen und voller Leistungsanforderung ist zudem schon mal eine etwas festere Hand am angenehm zierlich geratenen Multifunktionslenkrad erforderlich.
Gänzlich unbemerkt geht die Kraft von 260 Rössern eben doch nicht an der von allen Seiten geforderten Vorderachse vorbei - elektronische Drehmomentbegrenzung in den ersten drei Gängen hin oder her. Insgesamt fallen die Krafteinflüsse in der Lenkung beim aktuellen Mazda 3 MPS jedoch deutlich weniger ins Gewicht als beim Vorgänger. Und ein bisschen will man ja vielleicht auch spüren was man hat - erst recht, wenn es so viel ist wie beim stärksten Auto der Mazda-Modellpalette, von dem der deutsche Importeur im kommenden Jahr realistisch erscheinende 400 Exemplare an den Mann beziehungsweise die Frau bringen will.
Deaktivierbares elektronisches Fahrstabilitätsprogramm
Neben Leistung pur werden etliche höchst alltagstaugliche Features geboten, so zum Beispiel eine Reifendruckanzeige (TPMS), eine Notbrems-Warnblinkautomatik (ESS), ein auf Knopfdruck abschaltbares adaptives Kurvenlicht (AFS) und ein auf Knopfdruck aktivierbarer Spurwechsel-Assistent (RVM). Letztgenannter überwacht den rückwärtigen Verkehr und warnt den Fahrer bei einem Spurwechsel mit einem moderaten Piepton vor sich seitlich annähernden Fahrzeugen. Apropos Knopfdruck: Auch das elektronische Fahrstabilitätsprogramm DSC lässt sich bei Mazda dank eines mechanischen Sperrdifferenzials an der Vorderachse auf Wunsch zur Gänze deaktivieren. Praktizierende Sportfahrer werden so viel Geradlinigkeit zu schätzen wissen.





