Neuer Trumpf aus Bayern: Kompaktes 218 PS-Cabriolet

Von der Cabrio-Version der aktuellen Dreier-Reihe enttäuschte Softtop-Fans werden bei BMW nun eine Klasse tiefer fündig: Das 218 PS starke 125i Cabrio hat alles, was Open-Air-Reisen angenehm macht - und Platz für Vier.

Anfangs wurden sie als Exoten belächelt, heute gelten sie als Trendsetter: die Helmträger auf der Skipiste. Wer flott vorankommen will - das lehrt das zunehmende Risikobewusstsein - sollte auch auf Carvern oder Snowboards der stoßfesten Kopfbedeckung den Vorzug vor dem weichen Mützchen geben. In der Cabrio-Szene sieht die Sache ähnlich aus. Seit der Einfallsreichtum der Automobildesigner und neue Falt- und Verstaumechanismen das klappbare Stahldach auch optisch salonfähig gemacht haben, präferieren immer mehr Hersteller die aufwändige High-Tech-Lösung.

Dennoch: Spätestens als Mazda seinem Kult-Roadster MX-5 ein in zwei Teilen versenkbares Hardtop spendierte, ging ein Aufschrei durch die Gemeinde der Softtop-Fans. Gut nur, dass die RHT-Version den herkömmlichen Stoffdach-Zweisitzer lediglich begleiten, nicht aber ersetzen durfte. Das hielt die Hardliner mit dem Faible fürs Weiche bei Laune.

Was aber tun, wenn man sich den Luxus zweier nebeneinander existierender Verdeck-Varianten nicht leisten will oder kann und auf das Windgeräuschen und Witterungsbedingungen gegenüber widerstandsfähigere Hardtop ebenso wenig verzichten will wie auf die eine traditionelle Kopfbedeckung bevorzugende Klientel? Ganz einfach: Man greife zum Downsizing, siedele unterhalb des ehemals handlich-kompakten, inzwischen aber eher stattlichen Mittelklassemodells eine neue Baureihe an und bediene unverbesserliche Softtop-Fans eben dort.

Preis zwischen 28.550 Euro und 43.700 Euro

So geschehen bei BMW, wo ab März das in fünf Motorvarianten erhältliche 1er-Cabrio zu den Händlern rollt. Jenes kommt im Gegensatz zum großen Bruder mit der 3 im Namen ohne festes Dach aus. Es geht somit sowohl von der optischen Anmutung als auch von den Abmessungen her als eigentlicher Nachfolger des bis 1999 gebauten E36 Cabrios durch. 4,36 Meter Länge kann schließlich auch der neue "kleine" BMW aufweisen. Das Modellportfolio des jüngsten Sprosses der sukzessive größer gewordenen 1er-Reihe reicht vom 143 PS starken und 28.550 Euro teuren 118i Cabrio bis hin zum für 43.700 Euro erhältlichen 135i Cabrio mit 306 Biturbo-PS.

Dazwischen rangieren zwei weitere Varianten mit Benzinmotor - der von einem Vierzylinder befeuerte 120i mit 170 PS und der von einem Reihensechser angetriebene 125i - sowie ein 177 PS starker Diesel namens 120d. Bei der Fahrvorstellung in Valencia rückte der Hersteller das 125i Cabrio ins Zentrum des Interesses. Mit drei Liter Volumen im längs eingebauten, frei saugenden Sechszylinder, Hinterradantrieb und manuellem Sechsganggetriebe verkörpert die 218-PS-Version alles, was landläufig als für BMW typisch gilt. Etliche neue High-Tech-Features gibt’s außerdem. So zum Beispiel speziell behandelte Lederbezüge, die auf Grund eingearbeiteter Pigmente einer Popo-unverträglichen Aufheizung des Sitzgestühls entgegenwirken (1.800 Euro Aufpreis) oder eine Klimaautomatik mit Cabrio-Modus (560 Euro Aufpreis).

Efficient Dynamics serienmäßig

Die einem optimierten Verbrauch dienlichen Efficient Dynamic-Maßnahmen wie Bremsenergie-Rückgewinnung oder Schaltpunktanzeige greifen serienmäßig ins Geschehen ein. Gleiches gilt für das auf Wunsch mit silbernen Metallfäden durchwirkte, knapp geschnittene und auf Knopfdruck operierende Stoffverdeck, das binnen 22 Sekunden den Blick auf einen hoffentlich wolkenlosen Himmel freigibt. Bis 50 km/h gehorcht das Softtop auch während der Fahrt - womit wir beim eigentlichen Highlight des 125i Cabrio angelangt wären. Sicher: Der Viersitzer sieht schnieke aus und bietet ordentlich Platz.

Alles in allem kommen die wahren Emotionen im 125i Cabrio jedoch erst in Motion auf: Das zackig-agile Einlenkverhalten, der kernig grollende Reihensechszylinder und die dank des neuen, elektronisch gesteuerten Hinterachsdifferenzials auch ohne DSC stets gute Traktion. Die Karosserie des gegenüber dem Coupé mit 120 zusätzlichen Kilogramm beaufschlagten Cabrios gibt sich unerschütterlich, die Elemente sind bei der Offenfahrt präsent, ohne zu stören. Landstraßenüberflüge lassen sich - mildes Wetter vorausgesetzt - auch ohne das die beiden hinteren, für normal große Menschen ausreichend dimensionierten Sitze blockierende Windschott zur Gänze genießen. Sicher - mit der Lendenkraft des von zwei Abgasturboladern zwangsbeatmeten 135i kann der 125i nicht mithalten. Das Drehzahlband, in dem sein Dreiliter-Sauger zu Höchstform aufläuft, ist schmaler als das des Turbo-Reihensechsers. Leistungsmangel ist dennoch nicht zu beklagen.

Dies gilt umso mehr, als das kleinere Sechszylinder-Cabrio deutlich weniger Gewicht auf die Waage bringt: Mit 1.585 Kilogramm wiegt es kaum mehr als das 135i Coupé und immerhin 90 Kilo weniger als sein turbobefeuerter großer Bruder. Dass das 125i Cabrio seinen Geschwistern in Sachen Gutmütigkeit nicht nachsteht, muss hier nicht gesondert betont werden. An Bord des offenen Einsers fühlt man sich auch ohne Helm bestens aufgehoben.

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