Porsche 911 Carrera S Cabriolet im Fahrbericht: Frischluft-Vergnügen im 991-Elfer

Porsche 911 Carrera S Cabriolet, Frontansicht

Neue Verdecktechnik in leichter Mischbauweise hin oder her: Im Idealfall findet das Boxer-Konzert im Porsche 911 Carrera S Cabriolet immer unter freiem Himmel statt. Fahrbericht des Frischluft-Neulings vom Typ 991 mit 400 PS.

Manche durchleben mit dem 30. Geburtstag die erste Midlife-Crisis, andere starten richtig durch - so, wie das Porsche 911 Cabriolet. 1982 stand der erste Frischluft-Elfer namens 911 SC Cabriolet im Blitzlichtgewitter auf dem Genfer Autosalon. Highlights: 204 luftgekühlte Boxer-PS und ein manuell betätigtes Stoffverdeck mit Kunststoff-Heckscheibe, die per Reißverschluss geöffnet werden konnte. Ab März 2012 will sich nun auch der Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Enkel der Baureihe 991 in die Fanherzen sägen.

„Der Cabrio-Anteil beträgt beim Elfer rund 40 Prozent“, sagt August Achleitner, Leiter der Porsche 911-Baureihe. Damit das auch beim neuesten Elfer nicht anders wird, müssen Cabrio-Enthusiasten den Zungenbrecher „Flächenspriegelverdeck“ verinnerlichen. Anders als bei den 911-Modellen von einst versteckt sich hinter dem Verdeck kein rudimentäres Stoffmützchen mehr.

Unveränderte Elfer-Silhouette beim Cabrio

Die Mischung macht‘s: Das 991-Verdeck ist ein Mix aus Stoffverdeck, Klappdach und Hardtop. Dank einer kompletten Neuentwicklung gelang es beim aktuellen Porsche 911 Carrera, erstmals die Coupé-Linie fast exakt auf die Dachwölbung des Cabrios zu übertragen. Der cW-wert von 0,30 bei geschlossenem Verdeck liegt nur minimal hinter dem Coupé-Wert von 0,29.

Das Flächenspriegelverdeck kennzeichnet eine feste Dachfläche, die aus vier einzelnen, aneinander anschließenden Elementen besteht. Der vordere Dachrahmen sowie die beiden mittigen Flächenspriegel und der Rahmen der Heckscheibe sind aus Magnesium gefertigt. Weitere Aluminiumteile ergänzen die leichte Mischbauweise. Zudem sind alle Gestellbauteile kinematisch gekoppelt, weshalb zum Betätigen nur ein Hydraulikzylinder pro Seite erforderlich ist.

Klick, Schalter auf der Mittelkonsole ziehen - und das 36 Kilo schwere Dachkonstrukt (997: 42 Kilo) faltet sich in 13 Sekunden (997: 20 Sekunden) in kompakter Z-Form in den Verdeckkasten des Porsche 911 Carrera Cabrios. Die Faltkunst nach Origami-Manier gelingt bis Tempo 50.

Porsche-typischen Sound unverfälscht erleben

Zündung an, Schlüssel drehen: Heiser rasselnd geht das 3,8-Liter-Triebwerk des Carrera S Cabriolet synchron mit den Nackenhärchen in Hab-Acht-Stellung. Je mehr Drehzahl, desto grollender das Klanggewitter über dem Elfer-Heck. Aus dezentem Säuseln wird schnell Porsche-typisches Sägen. Blitzschnell zieht der Soundteppich wie ein Tornado in den geöffneten Innenraum. Eine emotionale Symphonie, die es erschwert, sich dem von Porsche sehr optimistisch angegebenen Durchschnittsverbrauch von 8,9 Liter pro 100 Kilometer drehzahlarm zu nähern.

Das bereits aus dem Porsche 911 Carrera S Coupé bekannte, spontane Ansprechhalten des 400-PS-Saugers, die Gier nach Drehzahl und jede Menge Serpentinen machen den Namen der Lackfarbe „Racinggelb“ schnell zum Programm. Mit präziser, elektromechanischer Servolenkung, straffem, aber nicht knüppelhartem PASM-Fahrwerk sowie optionalem Sport-Chrono-Paket wedelt das Cabriolet auf den fahrdynamischen Spuren des Coupés. Die hervorragenden Bestmarken des geschlossenen Elfers wird das 70 Kilo schwerere Cabrio aber wohl quer- als auch längsdynamisch nicht erreichen.

Porsche 911 Cabrio in 4,3 Sekunden auf 100

Mit aktiviertem Sport-Plus-Modus und PDK-Launch-Control-Start soll der Porsche 911er-Sprint aus dem Stand auf 100 km/h in 4,3 Sekunden möglich sein (Carrera S Coupé: 4,1 s). Auch der Vmax-Tiefflug endet bei Tempo 299 zwei km/h früher. Stürmische Zeiten für die Frisuren im Cockpit? Nur bei steigendem Tempo ohne Windschott. Ein Knopfdruck, und es herrscht auch bis 200 km/h erstaunliche Windstille. Anders als bei den Vorgängern verlangt das Windschott keinen hakeligen Aufbau vor der Fahrt, sondern ist mit einem Spannbügel vollständig in den Fond integriert. Auf Tastendruck schwenkt das Windschott elektrisch in zwei Sekunden auf.

Auf mehr Cabrio-typische Komfort-Details verzichtet Porsche im Gegensatz zur schwäbischen Konkurrenz: „Ein Nackenfön kam für uns nie in Betracht“, sagt Baureihen-Leiter Achleitner. Neben dem Boxer-Konzert unter freiem Himmel gibt es noch einen weiteren Grund, selten geschlossen zu fahren. Anders als beim Coupé ist die Sicht beim Cabrio durch die kleinere Heckscheibe sowie die zierlicheren Seitenfenster nach hinten deutlich eingeschränkt. Einparkkratzer müssen bei geschlossenem Verdeck aber nicht gefürchtet werden. Der Parkassistent hinten gehört gleich mit zur Serienausstattung.

Cabrioversion kostet knapp 12.500 Euro Aufpreis

Ob Kunden das Carrera S Cabriolet nun offen oder mit geschlossenem Verdeck abholen, eines bleibt wie schon beim eingangs erwähnten Porsche 911 Cabrio-Urahn von 1982 auch heute gleich: Frischluftfaszination kostet extra. 12.495 Euro Aufpreis werden für das Cabrio gegenüber dem 991 Carrera S Coupé mit PDK fällig.

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