Renault Mégane R.S.: Überarbeiteter Franzosen-Sportler

Renault Mégane R.S.

Der muskulöse Auftritt des neuen Renault Mégane Sport täuscht nicht: Mit 250 PS und 340 Newtonmeter maximalem Drehmoment scheint der Franzose für die Hatz auf Ford Focus RS und Co. gut gerüstet - besonders mit dem optional erhältlichen Cup-Fahrwerk.

Vor fünf Jahren präsentierte Renault das erste Sportmodell auf Basis des kompakten Mégane. Seitdem hat sich einiges getan. Die Konkurrenz ist zahlreicher und vor allem stärker geworden - binnen sieben Jahren sind die Absatzzahlen im sportlichen C-Segment um rund ein Drittel gestiegen. Die Spitze unter den leistungsstarken Fronttrieblern markiert aktuell der Ford Focus RS mit 305 PS.

Diese Leistungsregionen erobert sich der mit identischen, wenngleich seit Neuestem durch einen Punkt getrennten Lettern versehene Mégane zwar nicht. Mit 250 PS hat jedoch auch er einiges mehr im Strumpf als der 2008 mit dem Sondermodell R26R ausgelaufene 226 PS starke Vorgänger mit dem "hübschen Hintern". Ermöglicht wurde der Kraftzuwachs durch eine weitreichende Überarbeitung des Vierzylinder-Turbomotors. Ein neuer Kurbeltrieb, neue Kolben und Pleuel sowie ein größerer Wasser-/Öl-Ladeluftkühler sollen den Mégane R.S. ein gutes Stück schneller voranbringen. Überarbeitete Kolbenringe mit besserer Abdichtung minimieren den Ölverbrauch.

Das Getriebe des Renault Mégane R.S. hat noch Ecken und Kanten

Die Kraftübertragung an die Vorderräder besorgt nunmehr das aus dem Laguna übernommene PK4-Getriebe. Für den Einsatz im sportlichen Kompaktmodell wurde die Übersetzung verkürzt. Zur Gänze überzeugen kann die neue Schaltbox in diesem Umfeld aber nicht. Was als knackig-sportliche Auslegung der Gangwahl gedacht ist, wirkt in einigen Testwagen eher knurpselig, die Kulissenführung selbst ist nicht immer ganz präzise. Insbesondere beim schnellen Wechsel vom vierten in den fünften Gang und vice versa ist Aufmerksamkeit gefragt.

Hingegen erweisen sich die gut konturierten, wahlweise mit gelben oder grauen Seitenwangen versehenen Serien-Sportsitze als höchst angenehm. Aufgrund der um 20 Millimeter abgesenkten Konsole ist der Fahrer nunmehr besser im Auto intergriert. Die hervorragenden Recaro-Sitzschalen sind gegen Aufpreis zu haben. Das vergleichsweise stark geneigte und recht große Dreispeichen-Sportlenkrad liegt besser zur Hand als im kleinen Bruder Clio RS und verfügt über eine Mittenmarkierung. Diese bringt ebenso wie das gleichfalls leuchtend gelbe Ziffernblatt des Drehzahlmessers Farbe ins sportliche Leben mit dem Mégane.

Der R.S.-Monitor informiert den Fahrer über alle wichtige Daten

Direkt dem Rennsport entlehnt ist der optional erhältliche R.S.-Monitor. Er informiert den Piloten nicht nur über die wesentlichen Motordaten wie Ladedruck, Bremsdruck, Öl- und Wassertemperatur, sondern verleiht darüber hinaus auch den gerade auf das Fahrzeug wirkenden Kräften optischen Ausdruck. Die anliegenden Quer- und Längskräfte werden anhand eines Koordinatenkreuzes sichtbar gemacht. Dies und der integrierte Laptimer erlauben eine genaue Analyse der eigenen Performance, schließen aber die Bestellung des integrierten Tom Tom- Navigationsgerätes aus. Gesteuert wird der R.S.-Monitor über den am Lenkrad befindlichen Bedienungssatelliten des Radios.

Für all jene, die ihre Grenzen auch und besonders abseits öffentlicher Straßen ausloten wollen, hält Renault wie schon beim Clio für den Mégane R.S. von Beginn an ein mit 1.600 Euro extra zu Buche schlagendes Cup-Fahrwerk parat. Steifer ausgelegte Achsen und Stabilisatoren mindern die Wankneigung der Karosserie und erhöhen so die Lenkpräzision. Dies und das vortriebsfördernde Eingreifen des von GKN Driveline entwickelten, mit bis zu 35 Prozent sperrenden Vorderachsdifferenzials, sollen sich gegenüber dem Modell mit normalem Sportfahrwerk auf der Rennstrecke von Le Castellet in einem Zeitvorteil von einer Sekunde pro Kilometer niederschlagen.

Das Cup-Fahrwerk des Renault Mégane R.S. ist nicht zu hart abgestimmt

Tatsächlich hinterlässt der kompromisslos auf Sport getrimmte Unterbau sowohl auf der vergleichsweise planen Oberfläche des Ascari Race Resort im spanischen Andalusien einen überzeugenden Eindruck, als auch auf den umliegenden Landstraßen. Das Cup-Fahrwerk mutet den Insassen keine unbilligen Härten zu, hält den 1.462-Kilo-Sportler allzeit sicher am Boden und unterstützt ein agiles Einlenkverhalten. Anders als beim mit Dunlop Sportmaxx bereiften normalen R.S. sind die serienmäßigen 18-Zoll-Räder des Mégane Cup mit schwarzem Gold aus der Michelin-Bäckerei bezogen. Die aufpreispflichtigen 19-Zoll-Bicolor-Räder tragen in jedem Fall Conti Sport-Contact 5 der Dimension 235/35.

Das elektronische Fahrstabilitätsprogramm ESP des Top-Mégane ist dreistufig ausgelegt. Im Sportmodus aktiviert das Sicherungssystem automatisch aggressivere Gaspedalkennlinien und greift später und weniger entschieden ein. Wer den links neben dem Lenkrad befindlichen Schalter länger als fünf Sekunden gedrückt hat, darf gänzlich ungezügelt toben und kann - sofern an Bord befindlich - im Menü des R.S.-Monitors eine noch extremere Gaspedalkennung anwählen.

Zuverlässige Bremsen gehören zum Renault Mégane R.S.

Rächen tut sich das nicht: Der in hohem Maße der Neutralität verpflichtete Mégane Renault Sport Cup ist ein verlässlicher Sparringspartner. Dem Spieltrieb des Piloten und seines im spanischen Valencia gefertigten französischen Counterparts sind also kaum Grenzen gesetzt. Zumal die von Brembo zugelieferte, mit 340 Millimeter und Vierkolben-Sätteln vorn großzügig dimensionierte Bremsanlage das muntere Treiben allzeit gut im Griff hat. Fading war auf drei am Stück absolvierten Ascari-Runden nicht zu verzeichnen, wohl aber ein im Vergleich zum Renault Clio Cup weniger präziser Druckpunkt. Das Pedal des 26.650 Euro teuren Kompaktsportlers zeigte sich von der nachgiebigen Seite. Derlei ist beim Sport eher nicht gefragt.

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