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Autowinter 2012
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Schnee-Treiben im Ferrari FF am Polarkreis: Auf allen Vieren mit 660 PS

Geschlossene Schneedecke und 15 Grad Minus - keine typischen Bedingungen für einen Ferrari? Weit gefehlt: Entlang des schwedischen Polarkreises entpuppt sich der viersitzige Ferrari FF dank seines pfiffigen Allradkonzepts als perfekter Begleiter. Erst recht, wenn man seine Klasse an der Seite von Ex-Rallye-Star Markku Alén spürt.

Markku Alén - der Name wird in Rallye-Kreisen gemeinhin mit Fiat und Lancia in Verbindung gebracht. Und mit originellen, international verständlichen Ansagen: „Maximum Attack“ lautete einer seiner Schlachtrufe. Mit „Maximum Känguru“ beliebte der groß gewachsene Rallye-Profi die nachlassende Wirkung seiner Stoßdämpfer zu beschreiben. Die kompromisslose Fahrweise beeindruckte damals, in den Achtzigern, sogar Teamkollege Walter Röhrl. Aber wer bringt den heute 60-jährigen Finnen aus Helsinki schon mit Ferrari in Verbindung? Nun, Alén ist als Repräsentant und Versuchsfahrer bereits seit zwei Jahren in die Entwicklung des Ferrari FF involviert.

Mit dem Rallye-Profi im Ferrari FF

Seit ich am eigenen Leib erfahren durfte, wie es sich anfühlt, neben ihm im Ferrari FF auf verschneitem, hügeligem Geläuf durch die schwedischen Fichtenwälder zu toben, lassen mich zwei Fragen nicht mehr los: Wie kann ein großes, knapp 1,9 Tonnen schweres, viersitziges Zwölfzylinder-Coupé so anmutig über verschneite Kuppen springen? Und wie arrangiert man einen so eleganten Landeanflug, nachdem die schmale, gespurte Fahrbahn direkt im Anschluss an die unübersichtliche Kuppe in einem Linksbogen mündet? Aus dem Mund des Rallye-Originals klingt das ganz einfach: maximum attack und maximum car control. Diese zauberhafte Kombination unter Bereitstellung italienischer Sportwagen-Technik und finnischer Fahrkunst ist an Dynamik und Exklusivität kaum mehr zu überbieten.

Aber das müsse er mir noch für meine Sonderprüfung im Ferrari FF mit auf den Weg geben: „When you want to jump over the hill too, you have to switch the Manettino in the CST off-Position and set the dampers to hard-mode.“ Der generöse Tipp von Markku Alén zum Stärken des Vortriebs durch Abschalten der elektronischen Regeleingriffe und zur Straffung der Dämpfer war - zugegeben - ebenso exklusiv wie illegal. Weil a) die Offiziellen von Ferrari das Risiko verständlicherweise minimieren wollten und deshalb auf den am Manettino-Schalter hinterlegten „Ice“-Modus pochten und b) weil das „über-verschneite-Kuppenspringen“ nicht ernsthaft zu den ureigenen Aufgabenstellungen des neuen Ferrari FF gezählt werden darf.

Alles ist möglich - außer Springen

Alles ist möglich - außer Springen. Allein diese Ansage aus Maranello im Umfeld tiefer Minusgrade, eisiger Strecken und hoher Schneeverwehungen hätte in den Ohren Ferrari-affiner Kunden noch vor einem halben Jahr etwa so abwegig geklungen wie die Möglichkeit, Dieter Bohlen als Moderator der Tagesthemen zu installieren. Als habe er nie etwas anderes gemacht, pflügt der erstmals von allen Vieren angetriebene und mit vier vollwertigen Sitzgelegenheiten antretende Ferrari FF lässig und kunstvoll durch den Schnee - egal, ob steil berauf oder bergab und völlig ungeachtet der Tatsache, dass zwischen Reifen und Fahrbahn Reibwerte herrschen, die schon beim Aussteigen daran erinnern, das der Glaube an die eigene Standfestigkeit sehr trügerisch ist.

Damit wir uns richtig verstehen: Der von Ferrari an den Polarkreis expedierte FF ist nicht etwa mit Schwedenspikes unterwegs, jenen wundersamen Eispickeln aus Stahl, die das Fahren auf Eis und Schnee zu einer Demonstration in puncto Traktion werden lassen. Pirelli Sottozero Winter 270 heißt der Reifentyp, mit dem sich das in jeder Hinsicht große und vor allem großartige Supercar aus jeder noch so rutschigen Affäre zieht. Guter Grip seitens der bis 270 km/h freigegebenen Winterreifen allein reicht dafür freilich nicht aus.

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Der von Ferrari in Eigenregie entwickelte Allradantrieb mit dem pfiffigen, nur 25 Kilogramm schweren Verteilergetriebe an der Stirnseite des großen V12-Motors, kommt seiner Aufgabe in jeder Hinsicht geradezu kunstvoll nach. Die zusätzliche Kraftzuteilung an die Vorderachse wird bei nachlassendem Grip schnell, unmerklich und geschickt gemanagt. Im „Ice“-Modus verteilt die Regelelektronik gerade so viel Motorleistung in den verzweigten Anstriebsstrang, dass es sich - bei reduziertem Vortrieb - fast so anfühlt, als fahre man auf griffigem, festem Grund. Erst der Tritt aufs Bremspedal im Ferrari FF führt einem anschließend wieder deutlich vor Augen, dass es mit der Haftung auf geschlossener Schneedecke doch nicht allzu weit her ist.

Grenzen der Fahrphysik im Ferrari FF ausloten

Wer sich - wie Alén - traut, bei komplett abgeschalteten Fahrsicherheitssystemen mit dem dann frei verfügbaren 660-PS-Aufgebot im Ferrari FF die Grenzen der Fahrphysik auszuloten, der kann gut beobachten, wie dem Beifahrer oder der Beifahrerin beim starren Blick auf den zusätzlichen Digitaltacho oberhalb des Handschuhfaches förmlich das Blut in den Adern gefriert. Den Allradler reißt es auf dem rutschigen Terrain nicht nur entfesselt nach vorn, sondern er gibt sich auch in der Handhabung allergrößte Mühe, den Befehlen des Piloten höchste Gehorsamkeit zu schenken. Mit aktiver Lenkarbeit lässt sich der mit langem Radstand und absolut paritätischer Gewichtsverteilung gesegnete Viersitzer schon vor der Biegung exakt auf Kurs bringen, indem das Heck zu einem kontrollierten Ausfallschritt bewegt wird.

Stoisches Schieben über die Vorderräder als Ausdruck sturer, ausschließlich der Traktion gewidmeten Gewissenhaftigkeit, ist also nicht das vornehmliche Fahrprogramm dieses Ferrari. Die hinsichtlich der Fahrdynamik konstruktiven und dabei gutmütigen Reaktionen sind es, die auch vernunftbetonten Zeitgenossen immer mal wieder veranlassen dürften, den Kick im instabilen Fahrzustand zu suchen. Der grandios klingende und mit dem Gaspedal und den handlichen Schaltpaddeln am Lenkrad perfekt zu managende V12 weiß sich dabei gleichfalls so stark in Szene zu setzen, dass die Hin-und-Hergerissenheit zwischen totaler Begeisterung und dem Respekt vor der eigenen Courage kein Ende nimmt.

Ski-Reisemobil für vier mit Gepäck

Man kann mit dem Ferrari FF auch ganz entspannt und gemütlich zu viert und mit Gepäck in den Skiurlaub reisen. Aber diese naheliegende Alternative hatte ich völlig ausgeblendet, als ich neben Markku Alén mit starrem Blick auf den originellen Beifahrer-Tacho registrieren musste, dass es schmale, verschneite Waldwege am Polarkreis sind, auf denen die technischen Anlagen des neuen Ferrari am überzeugendsten zur Geltung kommen - bei Tempi weit jenseits der mir angemessen erscheinenden Richtgeschwindigkeit.

Von am 24. Januar 2013
Heft 03 / 2012
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