Erste Fahrt mit dem Seat Ibiza Cupra

Kompakt-Sportler mit Ecken und Kanten

Seat Ibiza Cupra

Der Seat Ibiza Cupra mag zwar auf den ersten Blick aggressiv dreinblicken, doch was das Fahrverhalten betrifft, verhält sich der 180 PS starke Spanier eher zahm. sport auto hat dem Kompakt-Sportler mit DSG auf den spanischen Landstraßen mal auf den Zahn gefühlt.

Gierig ist er. Sein böser Blick und der große Schlund zeugen schon bei der ersten Begegnung von seinen Ambitionen. Aber so gierig? Während der Fahrt ein dumpfes Geräusch. Im Rückspiegel ein paar Federn auf dem Teer. Der Vogel war schlicht zu langsam für den Ibiza. Pech gehabt.
 
Name als Abkürzung für Cup Racing
 
Der Cupra hat es eben immer eilig. Dafür steht schon sein Name - eine Abkürzung für Cup Racing. Wer träumt da nicht von rasanten Fahrten auf kurvigen Landstraßen und Testkilometern auf der Rennstrecke? Eben. Deshalb hat Seat dem Kleinen etliche technische Raffinessen der Großen spendiert. Zum Beispiel das Siebengang-DSG mit Schaltwippen am Lenkrad und einen zweistufig aufgeladenen 1,4-Liter-TSI mit 180 PS, der auch im Konzernbruder-Modell VW Golf zum Einsatz kommt.
 
Kein typisch temperamentvoller Südländer
 
Für ein Auto dieser Klasse sind das zwar durchaus sportliche Charakterzüge, der Spanier bleibt dabei aber vor allem eins: alltagstauglich. So schreckt man beim Umdrehen des Zündschlüssels nicht etwa vor lauter Gebrüll zusammen, sondern lauscht einem eher schüchternen Blubbern. Nicht gerade typisch für einen temperamentvollen Südländer.

Kompressor und Turbolader als Kraftspritze
 
Seine Schüchternheit legt der Cupra erst bei 4.000 Umdrehungen ab - die Tonlage wird etwas rotziger, wenngleich die Melodie am Ohr irgendwie künstlich anmutet. Ganz natürlich klingen hingegen das Surren des Kompressors und das Turbozischeln. Bis 2.400/min arbeitet der Kompressor, zwischen 2.400 und 3.500/min schaltet sich der Turbo zu und ab 3.500/min tut letztgenannter alleine Dienst. Turboloch ade. Trotzdem geht die Party erst bei knapp 4.000/min so richtig los.
 
Wenn der Schalthebel auf S wie Sportmodus steht, zieht die Drehzahlmessernadel nach rechts, als sei der Begrenzer nur ein fieser Spielverderber. Dieser Übermut steigt dem Kompaktsportler in manchen Situationen aber auch zu Kopf oder vielmehr ins Getriebe: Die Automatik wirkt im Sportmodus oft etwas unentschlossen. Deshalb gilt: Nichts dem Zufall überlassen und besser selber schalten.
 
Gangwechsel per Paddels am Lenkrad
 
Die Schaltwippen am Lenkrad preisen sich dabei wesentlich verführerischer an als der Wählhebel in der Mittelkonsole. Die Paddels liegen gut in der Hand und ermöglichen Gangwechsel, ohne die Finger vom Lenkrad zu nehmen. Vor der Kurve anbremsen - klack, klack, klack - Gaspedal durchtreten. Beim Anfahren empfiehlt es sich allerdings, das Pedal mehr zu streicheln denn zu treten, andernfalls rächt sich der kantige Sportler mit ungehaltenem Wheelspin.
 
Im Gegensatz zum kantigen Design gibt sich der Cupra in seinem Fahrverhalten völlig geschmeidig. Das ESP spricht früh an und selbst bei Lastwechseln lässt sich das Heck nicht aus der Reserve locken. Trotz seiner sportlichen Gene ist der kleine Spanier einfach im Zaum zu halten. Am Kurveneingang und in der Kurve neigt er zum Untersteuern; in engen Kehren arbeitet die elektronische Differenzialsperre XDS spürbar.
 
Die vierte Generation macht einfach Laune
 
Das teigige Bremspedal und die etwas indirekte Lenkung bergen noch Verbesserungspotenzial. Diese kleinen Mankos mindern den Spaßfaktor auf der Landstraße aber kaum. Der Ibiza Cupra der vierten Generation macht einfach Laune. Lange Geraden langweilen ihn nur. Vielmehr will sich der Fahrer - von den Sportsitzen fest umklammert - mit ihm von einer Kurve in die nächste schwingen. Auf dem Parkplatz verabschiedet sich der Seat Ibiza Cupra dann zum Dank mit einem bösen Blick. Und? Auch gierig?

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Bianca Leppert

Autor:

SPORT AUTO, Heft 8 / 2009

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