So fährt die Generation S: sportliches V8-Italo-Coupé

Als S-Derivat legt der Maserati Gran Turismo nicht nur motorseitig ein paar Kohlen nach, sondern orientiert sich auch angesichts der übrigen Maßnamenpakets deutlich in Richtung Sport.

Mindestens ein S sollte es schon sein. Mancherorts geht auch ein R oder im Speziellen gar ein RS. Aber das S für den vermeintlich wilden Hund in der Familie wird für gewöhnlich gern genommen. Erst recht, wenn es im Fall des Maserati Gran Turismo tatsächlich auch technische Tiefe markiert und nicht nur als aufgesetztes Ausstattungskürzel malträtiert wird.

Als S-Version verkörpert das wuchtige, aber stimmig auftretende Italo-Coupé in vielen Instanzen ein deutliches Mehr - mehr Straffheit, mehr Sound und mehr Schub, was letztlich in einer gesteigerten Sportlichkeit resultiert. Nominell wird die spitzere Ausrichtung bereits beim Hubraum offenkundig.Im Gegensatz zum herkömmlichen Gran Turismo verfügt der bei Ferrari gefertigte Achtzylinder über ein größeres Bohrung-Hub-Verhältnis, was das Volumen auf 4,7 Liter schraubt.

Somit ist es keine Überraschung, dass sich der Vierventiler auch bei niedrigen Drehzahlen druckvoller ins Zeug legt, als es das 4,2-Liter-Triebwerk tut. Bezüglich des bissigen Ansprechverhaltens und der gierigen Drehfreude hat der aufgepäppelte Vierventiler ohnehin nichts eingebüßt. Locker und lässig turnt der prachtvolle V8 durch das breite Drehzahlspektrum und macht aus seiner Ausrichtung somit nie einen Hehl.

Der Druck auf die Sporttaste ist lohnenswert

Auch wenn er akustisch zunächst gesittet agiert, wie man es von einem elitären GT schließlich auch erwartet. Aber wehe wenn - wenn der Druck auf die Sporttaste in der Mittelkonsole erfolgt, bricht die Hölle los. Ein infernalisches Inferno mit einer markerschütternden Vehemenz. Als würden die acht Töpfe ihren jeweiligen Verbrennungsakt ohne dämpfende Mittel zelebrieren, feuert der V8 los.

Hysterisch, garstig und grell gellt es aus den ovalen Endtöpfen. Die Abgase haben tatsächlich nahezu freie Bahn. Pneumatische Ventile öffnen die Schleusen, geradewegs vorbei an den letzten Schalldämpfern und auf kürzestem Weg hinaus ins Freie. Der an sich lapidare Knopfdruck hat neben dem akustischen Spektakel auch noch weitere Folgen. Zum Beispiel die Sensibilisierung des Gaspedals und die Verkürzung der Schaltzeiten des im Transaxle-Prinzip verbauten, elektrohydraulisch gesteuerten Sechsganggetriebes.

Womit sich der S auch bezüglich der Getriebetechnololgie von seinem komfortabler ausgerichteten Bruder unterscheidet. Kein Wandlerautomat sortiert die Gänge, sondern ein automatisiertes Schaltgetriebe als technisches Abziehbild der Schaltbox des Ferrari 599 untermauert auch bei der Schaltarbeit den angestrebten Sportgedanken. Vor allem im sogenannten MC Shift-Modus.

Dann nämlich hat das manuelle Spiel mit den großen Schaltpaddeln am Lenkrad zur Folge, dass die Gänge im 100-Millisekunden-Takt eingeschossen werden. Wohingegen der Automatik-Modus übertrieben träge agiert und eine gewisse modellierende Unterstützung des Gasfußes verlangt, um ein Kopfnicken beim Schalten zu minimieren.


Minimiert zeigen sich auch die Nehmerqualitäten des Fahrwerks. Vor allem bei langsamer Fahrt wird die neue Straffheit offenkundig, die im Umkehrschluss die Agilität steigert. Aber dies darf für ein S-Derivat als ebenso konsequent gelten wie die neuen 20-Zoll-Felgen und die mit größeren und entkoppelten Scheiben ausstaffierte Bremsanlage.

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Jochen  Übler

Autor:

SPORT AUTO, Heft 7 / 2008

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