Sondermodell der Ferrari 430-Baureihe: Fahrt im limitierten Ferrari Scuderia Spider

Ferrari Scuderia Spider

Schon beim ersten Rendezvous mit dem Ferrari Scuderia Spider 16M wird klar, dass der Italiener mehr als eine Verschmelzung der offenen F 430-Baureihe mit dem fahrdynamischen Supertalent Scuderia ist. Immerhin feiert Ferrari mit dem Cabriolet seinen 16. Formel 1-Konstrukteurstitel.

Was gibt es Passenderes, als den Weltmeistertitel in der Königsklasse mit einem neuen Serienfahrzeug zu feiern? Dass der Transfer von der Renn- auf die Straßenversion im Hause Ferrari von Erfolg gekrönt ist, hat bereits der Ferrari 430 Scuderia im Supertest eindrucksvoll bewiesen.

Leichtgewicht mit 2,6 kg pro PS

Eine schwere Bürde, die der offenen Version auferlegt wird. Doch die meistert diese mit Bravour. Das 2,9 kg/PS betragende Leistungsgewicht des 490 PS starken 430 Spider sinkt beim neuen Scuderia-Modell auf deren 2,6. Das Gesamtgewicht beträgt durch den Einsatz leichterer Materialien 1.337 Kilogramm und liegt damit um 80 Kilogramm unter dem des 430 Spider.

510 PS leistet der V8 im Ferrari Scuderia Spider
 
Des Weiteren bringt der aus dem Coupé bekannte V8-Motor mit 510 PS ein Leistungsplus von 20 PS. Das modifizierte 4,3-Liter-Triebwerk beschert dem Scuderia-Piloten und allen Personen in der näheren Umgebung ein Klangerlebnis der besonderen Art. Bereits nach einem leichten Druck auf den im Lenkrad integrierten Startknopf beginnt das Fahrzeug zu vibrieren und beraubt die Insassen mit sonorem Motorsound um jegliche Umgebungsgeräusche - und das bereits bei Leerlaufdrehzahl im Stand.
 
Dabei spielt es keine Rolle, ob sich das elektrohydraulische Stoffverdeck über die Kanzel spannt oder zwischen Sitzen und Motorraum verstaut ist. Mangels Dämmmaterialien ist der Fahrer dem Motorraum so oder so sehr nahe und nimmt jede Kolbenbewegung wie den eigenen Herzschlag wahr.
 
Gewichtsoptimiert: iPod ersetzt Radio
 
Im Innenraum präsentiert sich der Testwagen in einem Alcantara-Kohlefaser-Mix. Auf überflüssigen Ballast wie Fußmatten wurde ganz verzichtet, und statt Radio prangt ein iPod Touch an der Mittelkonsole, der mittels sechs Lautsprechern versucht, gegen den Motorsound anzukommen - vergeblich.
 
Schalthinweise im Lenkradkranz
 
Zentrales Ferrari-Instrument ist traditionell der Drehzahlmesser, der bei der Fahrt jedoch getrost aus dem Blick gelassen werden kann. Ab 6.500 Touren zählt eine LED-Kette im oberen Lenkradkranz das nahende Drehzahllimit (8.640/min) in 500er-Schritten an. Dann genügt das Antippen der rechten Karbonwippe - und binnen 60 Millisekunden bolzt das automatisierte Sechsganggetriebe den nächsten Gang rein. Aufgrund der feststehenden Schalttasten muss dabei in Kurven zuweilen die Hand vom Volant genommen werden.

Technische Adaption aus der Formel 1
 
Beginnt die Fahrt mit der per Knopfdruck aktivierbaren Launch Control, katapultiert das aus der Formel 1 adaptierte Getriebe F1-SuperFast2 den Ferrari binnen 3,7 Sekunden auf Tempo 100 und weiter bis maximal 315 km/h. Nicht minder beeindruckend ist die Verzögerungsleistung der kräftig zupackenden Keramikbremsscheiben. Damit die Insassen (bis 1,90 Meter) nicht direkt dem Fahrtwind ausgesetzt sind, wurde die Luftführung um das Cockpit herumgeleitet.
 
Nur die Stimmgewalt des Achtzylinders ist omnipräsent, lässt sich jedoch mit der Gaspedalstellung variieren. Vom niedertourigen Gurgeln bis zum Donnergrollen beherrscht der Scuderia sämtliche Tonlagen. Allerdings stehen jenseits 3.200/min die Auspuffklappen auf Durchzug, sodass der Rennmotor ungefiltert ans Ohr dringt. Sein maximales Drehmoment von 470 Newtonmeter steht ab 5.250 Touren zur Verfügung.
 
Tiefergelegtes Sportfahrwerk ab Werk
 
Überwacht wird der Mittelmotorsportwagen durch das elektronische Sperrdifferenzial an der Hinterachse samt F1-Trac - einer Traktionskontrolle, die bereits im Ferrari 599 GTB zum Einsatz kommt und am Lenkrad eingestellt werden kann. Auch beim Parforce-Ritt durch kurviges Geläuf hält der Spider stur seine Spur und folgt präzise den Lenkbefehlen. Dabei bietet das adaptive Fahrwerk trotz Tieferlegung um 15 Millimeter selbst auf unebenen Strecken einen Restkomfort, der zu längeren Ausfahrten verführt.

Schnellste Rundenzeit für ein Cabrio in Fiorano
 
Das letzte Modell der F 430-Baureihe wird allerdings nur 499 Mal gefertigt und ist bereits ausverkauft. Der 430-Nachfolger hat die ersten Testkilometer bereits hinter sich und wird auf der IAA im September 2009 präsentiert. Auf der hauseigenen Teststrecke in Fiorano markiert der Scuderia Spider 16M mit einer Rundenzeit von 1.26,5 Minuten den Rekord für Cabriolets - wenn das kein weiterer Grund zum Feiern ist.

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Carsten Rose

Autor:

SPORT AUTO, Heft 7 / 2009

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