Alles über TechArt Porsche 911
Tuning
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Techart-Porsche 964 Speedster, Techart-Porsche 991 Carrera S, Frontansicht 29 Bilder Zoom

Techart-Porsche 964 Speedster und 991 Carrera S: Luft- und Traumfahrt zum Tuning-Jubiläum

Nach dem Credo „Man kann einen Porsche nicht besser machen, aber verfeinern“ baut der Porsche-Veredler Techart in Leonberg seit 25 Jahren individuelle Traumautos. sport auto hat das Tuning-Jubiläum mitgefeiert - luft- und wassergekühlt im 1993er 964 Speedster und aktuellen 911 Carrera S.

Heute juckt es in den Augen wie bei Heuschnupfen - damals trafen Wasserbüffelleder in Lila, Tachoscheiben in Mintgrün oder Ziernähte in Neonorange den Mode-Nerv der Minipli-Generation aus den Endachtzigern. Künstlerische Gestaltung von Innenraum, Karosserie und Rädern - zu Beginn der Firmengeschichte 1987 lag die Betonung des Porsche-Tuners Techart eindeutig auf der zweiten Silbe des Namens.

Von Schrauberwerkstatt zum internationalen Porsche-Veredler

„Mit optischen Umbauten ging es in einer 150-Quadratmeter-Halle und Büro mit Oberlicht los“, erinnert sich Techart-Geschäftsführer Thomas Behringer, der das Unternehmen vor 25 Jahren mit Matthias Krauß gründete. Was einst in einer kleinen Schrauber-Werkstatt im schwäbischen Fellbach begann, hat sich zu einem der marktführenden Porsche-Veredler mit 30 Händlern weltweit entwickelt.

Tuning-Breitbau im 911 Speedster Turbolook

Techart-Porsche 964 Speedster, Baujahr Juli 1993 - die Jubiläumsparty beginnt speedgelb, trainiert und muskulös. „Das Ranschweißen der Metallkotflügel hat uns damals schlicht umgebracht“, sagt Behringer, während er auf die bulligen Radhäuser deutet. In Handarbeit wuchsen damals auch die schmalen Speedster-Versionen bei Techart nachträglich in die Breite und ähnelten den nur 15 Exemplaren, die 1993 offiziell in der Porsche Exclusive-Abteilung in Stuttgart-Zuffenhausen mit breiter Karosse als 911 Speedster Turbolook gebaut wurden. Mit geringen Stückzahlen zählt auch der Tuning-Breitbau zu den Unikaten unter den Unikaten.

Rasseln, röcheln, sägen - unnachahmlich luftgekühlt legt der M64/01-Sechszylinder-Boxer los. Dass Techart schon damals nicht nur Art, sondern auch Tech konnte, zeigt TA 064/3. Hinter der kryptischen Bezeichnung versteckt sich eine Leistungskur mit Hubraumerweiterung um 200 Kubikzentimeter auf 3,8 Liter. Samt Sportluftfilter, modifizierter Abgasanlage und umprogrammierter Motorelektronik erwachen statt 250 nun 305 PS unter dem Heckdeckel des Speedsters.

Wilde Lack- und Lederexzesse sowie High-Tech

Die Porsche-Frisierkunst des schwäbischen Unternehmens startet jedoch schon vor der 964-Epoche. Neben G-Modellen und dem 944 kamen auch 928 unters Tuningmesser. Breitbauten, Leichtmetallfelgen oder wilde Lack- und Lederexzesse im Innenraum - geht nicht, gab’s auch in den Anfängen fast nicht. „Das heutige Tequipment-Sonderzubehör von Porsche ist aus dem Techart-Programm entsprungen. Das ging los mit dem 993“, erzählt Thomas Behringer. „In der Anfangsphase haben wir eng mit Momo zusammengearbeitet und rund 10.000 Lenkräder gefertigt.“ Außerdem wurden gemeinsam mit Sony und MB Quart Türverkleidungen und Hutablagen samt HiFi-Komponenten gefertigt. Zu Zeiten als Smartphones noch Aliens aus Fantasiegalaxien waren, ging Techart bereits das Thema TV und Telefon im Auto an.

Zurück im Speedster: Nicht nur die Sonnenstrahlen kitzeln Nase und Augen im offenen Cockpit. Auch das maßgeschneiderte Interieur leuchtet sommerlich. Neben Sichtkarbon auf Instrumententräger, Schalttafelblende und Türverkleidungen strahlt den Piloten knallgelbes Leder von Lenkrad, Instrumentenringen und den Recaro- Schalensitzen an. Die belederte D-Netz-Sprechmuschel durfte natürlich auch hier so wenig fehlen wie das Privatfernsehen Anfang der Neunziger.

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Techart-Porsche 964 Speedster mit 305 PS

Während die luftgekühlte Boxerklangwelle den offenen Arbeitsplatz flutet, rauscht der Speedster mit 30 mm Tieferlegung so engagiert durch Kurven wie einst der Namensgeber seiner dreiteiligen 17-Zoll-Räder von OZ - Modell Fittipaldi. Emerson, der zweifache F1-Weltmeister, versteht sich. Gib mir Drehzahl scheint der frisierte M64-Sechszylinder zu fordern. Der Lufti hängt so stark am Gas wie Uli Hoeneß am FC Bayern. Knackig dirigiert der kurze Schaltstock das präzise G50-Fünfganggetriebe. Derart ungefiltert geht’s heute kaum noch zu.

Bei so viel guter Laune mag man gar nicht an Zeiten denken, als es bei Techart nicht so rosig aussah. Während der mageren Jahre, als sich bei Porsche die Autos auf dem Hof die Dämpfer in die Domlager standen, veredelte Techart auch immer mal wieder Ferrari, BMW oder Mercedes. „In den Flautenjahren 2009 und 2010 ging die Mitarbeiterzahl von ehemals 82 auf 60 runter“, erinnert sich Gesch.ftsführer Behringer. Momentan sind bei Techart 75 Mitarbeiter beschäftigt. Auch der Kontakt zum Mutterwerk hat sich im Gegensatz zur Anfangszeit über die Jahre sehr deutlich abgekühlt, doch da wollen wir jetzt nicht weiter ins Detail gehen.

Bodenraketen aus Leonberg mit bis zu 660 PS

Denken wir lieber an faszinierende Bodenraketen aus Leonberg zurück. 1996 läutete ein Dampfhammer namens Techart CT3 die Leistungsära ein. Aus einem zivilen Porsche 993 Carrera entwickelten die Schwaben eine 462-PS-Bestie mit Cetoni-Kompressor. Anschließend durchliefen getunte Biturbo-Waffen der 996-Turbo-Generation (530 PS bis 620 PS) sowie Turbo und GT2-Derivate der 997-Baureihe mit Leistungsstufen bis zu 660 PS den sport auto-Test. Der letzte Techart-Porsche 911 Turbo-Sprengsatz knackte mit 2,9 Sekunden als erster Testproband überhaupt die 3-Sekunden-Marke beim Sprint von null auf 100 km/h. Doch danach wurde es ruhig. Lediglich ein auf dem Porsche Panamera Turbo basierender Breitbau namens Grand GT mit 580 PS stellte sich 2011 noch dem sport auto-Test. Nach vier Gesamtsiegen zog sich Techart ebenfalls vom sport auto-Tuner Grand Prix zurück.

Spielt Querdynamik für Techart etwa gar keine Rolle mehr? Ja, mögen die einen denken, denn der hauseigene Marktanteil von mehr als 50 Prozent entfällt beim Porsche-Tuner auf den Cayenne, der sich hier in ein Leistungsross namens Magnum oder schlicht in ein optisch modifiziertes SUV verwandelt. Zählt heute wirklich mehr Show and Shine?

Getunter Carrera-Elfer im Biturbo-Look

Wir parken den Speedster. Raus aus 1993, rein in 2012 - hinein in den Techart-Porsche 911 Carrera S der aktuellen Baureihe 991. Optisch erinnert der getunte Elfer eher an Biturbo als an Carrera. Am Heck reckt sich ein GT2-ähnlicher Flügel, während an der Front ein zweiteiliger Techart-Frontsplitter sowie zwei massive Luftschächte samt Aerowings prangen. Zierblenden an den Frontscheinwerfern, Seitenspiegelblenden, moderate Seitenschweller und 21-Zoll-Formula-Räder vollenden den aggressiven Feinschliff.

Im Innenraum zeigt sich die geballte Techart-Erfahrung der letzten 25 Jahre. Es duftet nach Leder wie bei einem exklusiven Herrenausstatter. Ergänzt wird das Interieur durch farbige Ziernähte, lackierte Leisten und Aluminiumpedale. Stopp, wie fährt sich denn das racinggelbe Exklusivstück nun? Mit 400 PS wie ein Elfer mit Serienleistung, mit Techart-Klappenabgasanlage aber wie ein besonders musikalischer, der noch einen Hauch intensiver singt als mit dem optionalen Klappenauspuff ab Werk. Eine Leistungssteigerung sucht man im Techart-Programm für den aktuellen Elfer sowie den neuen Boxster aber bisher vergebens.

Ruhe vor dem Power-Sturm

Also doch zurück zu den Anfängen, als sich bei Techart alles mehr um Art als um Tech drehte? Nein, Leistungsjunkies vernehmen schon jetzt entfernt ein ganz leises Zischen und Fauchen, ansonsten Stille: Die Ruhe vor dem großen Biturbo-Sturm des 991 Turbo, der demnächst antritt. Mit Sicherheit findet auch er den Weg in die Techart-Hallen, um danach hoffentlich gestärkt zum sport auto-Test in Hockenheim anzutreten.

Christian Gebhardt

Foto

Rossen Gargolov

Datum

16. Mai 2013
Dieser Artikel stammt auf Heft sportauto 12/2012.
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