Tracktest - Peugeot 207 Super 2000: Quer-Wert

Allradantrieb, 280-PS-Saugmotor und ein narrensicheres Fahrverhalten – der Peugeot 207 Super 2000 ist ein Rallyeauto mit Wohlfühlfaktor.

Der stimmgewaltige Schreihals unter der stummelkurzen Motorhaube des Peugeot 207 Super 2000 gibt das Letzte: In schrillem Saugmotor-Diskant kreischt der 280 PS starke Vierzylinder sein zorniges Lied.

Bis zu 8.500 Umdrehungen schüttelt der Peugeot-Motor locker aus dem Ärmel, und würde die FIA die Drehfreude nicht per Regeldekret eben bei dieser Drehzahl beschränken, würde der Zweilitermotor sicherlich auch fünfstellige Werte erreichen. Doch Kosten standen an erster Stelle, als die FIA das Regelwerk für die Super 2000-Klasse einführte, die neue Zweite Liga des Rallyesports unterhalb der Kategorie der sündhaft teuren World Rally Cars.

Optisch nah am WRC

Optisch unterscheiden sich die Super 2000 mit ihren frech ausgestellten Kotflügelbacken und dem kecken Heckflügelchen nur wenig von den WRC-Boliden. Die wichtigsten Differenzierungsmerkmale der Super 2000-Autos finden sich unter dem Blech: Turboaufladung ist verboten, Allradantrieb jedoch erlaubt, wenngleich nur in Sparversion mit mechanisch arbeitenden Differenzialen.

Verzicht muss kein Nachteil sein, soviel steht schon nach den ersten Kilometern im Peugeot 207 fest. Hauptsache Allrad, und wenn die Differenziale dann auch noch so gekonnt abgestimmt sind wie im neuen Peugeot, dann steht dem Fahrspaß erster Güte nichts mehr im Wege. Zwei Mal kurz am Lenkrad gezupft, schnell nach rechts und sofort wieder nach links – und schon wedelt der 207 aufgeregt mit dem Heck. Wenn der 207-Pilot dann auch noch im richtigen Moment das Gas lupft und so die Pendelbewegung des Hecks unterstützt, steht einem gepflegten Drift nichts mehr im Wege.

Drehzahl statt Drehmoment

Im 45-Grad-Winkel rodelt der 207 um die Linkskurve. Der Winkel lässt sich wunderbar per Gaspedal kontrollieren. Zumindest, solange die Kurve nicht zu schnell ist. Denn jenseits des vierten Gangs – das heißt bei Geschwindigkeiten über 120 km/h – lässt die Kraft des Saugmotors stark nach. Die 250 Newtonmeter Drehmoment des Super 2000 sind zwar ein anständiger Wert, im Vergleich zu den mehr als 700 Newtonmetern von aktuellen WRC-Autos wirken sie jedoch ein wenig schmächtig. Im WRC kann ein beherzter Fahrer dank bärenstarker Durchzugskraft nach Bedarf Wheelspin erzeugen, bei fast jedem Tempo und auf jedem Untergrund. Der Saugmotor des Super 2000 will stets mit hoher Drehzahl bei Laune gehalten werden.

Der direkt neben dem Lenkrad montierte Schalthebel verlangt entschlossenes Zupacken. Die Gänge des sequenziellen Sechsgang-Getriebes im Super 2000 rasten aber fast ebenso schnell ein wie im WRC mit seiner elektronisch-hydraulischen
Wippschaltung.

Die Super 2000-Klasse ist die zweite Liga des Rallyesports. Das heißt aber nicht, dass man im Super 2000 zweitklassig fährt. Ob Fahrwerk oder Karosserie, ob Lenkung oder Bremsen: Hier ist der Peugeot 207 absolut gleichauf mit der Topklasse WRC. Aus 47 Meter feinstem Stahlrohr zimmerten die Peugeot-Techniker ein annähernd bombensicheres Sicherheits-Fachwerk. "Die Verwindungssteifigkeit des 207 Super 2000 ist im Vergleich zum 307 WRC um fünf Prozent besser worden", verrät 207-Projektleiter Bertrand Vallat. Die von Peugeot selbst entwickelten und gebauten Stoßdämpfer sorgen auch im 207 für geschmeidiges Federn und besten Bodenkontakt sowie nach Sprüngen für sanfte Landungen ohne ungebührliches Nachwippen der Heckpartie.

Sicheres Handling

Kurskorrekturen gehen dem 207-Piloten dank der extrem direkten Lenkung leicht von der Hand. Servo ist bei der Lenkung eine Selbstverständlichkeit, nicht jedoch bei den Bremsen. Wer ordentlich verzögern will, muss kompromisslos zutreten. Auf Asphalt verdient sich der 207 Bestnoten. Sind die 18-Zoll-BF-Goodrich-Reifen erst mal auf Betriebstemperatur, setzt der 207 die Wünsche des Piloten so verlässlich um, als könnte er Gedanken lesen. Sofern man am Kurveneingang nicht gerade um Lichtjahre zu schnell ist, lenkt er zackig ein. Heftiges Untersteuern? Ein Fremdwort.

Auch auf Asphalt lässt sich der Drift geradezu spielerisch kontrollieren. Der 207 wird schnell zum verlässlichen Freund. Zumal ihm auch Unarten wie übles Auskeilen des Hecks bei Lastwechseln absolut fremd sind. Maßgeblich verantwortlich für die guten Manieren ist Gilles Panizzi, ehemals ungekrönter Asphalt-König der Rallye-WM. Sein Erfolgsgeheimnis: "Ich will ein Auto, das leicht zu fahren ist, das am Kurveneingang nicht untersteuert und das keine bösen Überraschungen auf Lager hat. Den Peugeot-Technikern war dieser Wunsch Befehl. Sie bauten ein fabelhaftes Auto.

Mit einem Preis von 168.000 Euro – plus Steuer – steht der Peugeot in der Preisliste. Das ist das von der FIA festgelegte Limit für Super 2000-Autos. "Na ja, um konkurrenzfähig zu sein, muss man schon noch Teile für 50.000 Euro zusätzlich kaufen", räumt Marketing-Mann Martin Biju-Duval ein. Zum Vergleich: Ein WRC-Auto kostet rund vier Mal so viel. Viel Geld für ein Auto, das pro Kilometer im Schnitt gerade einmal zwei Sekunden schneller ist als ein Super 2000.

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Claus Mühlberger

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