BMW ohne Supersportmodell: Audi und Mercedes bauen die Premium-Sportler

Ohne Trainingsanzug sieht es düster aus für eine Sportstunde, das merkte man als Kind bereits in der Grundschule. Ähnlich ergeht es derzeit BMW . Die immer-sportlichen Bayern haben als einziger Premiumhersteller kein Sportgerät in Arbeit. Audi und Mercedes sind besser aufgestellt.

Audi und Mercedes schocken BMW

Das hätte man vor Jahren kaum träumen lassen. BMW, die Marke mit dem schneidigen blau-weißen Flugzeug-Rotor als Logo, bekommt aus Stuttgart und Ingolstadt gleichermaßen eine automobile Nase gedreht. Audi schockte mit dem erfolgreichen Audi R8 die gesamte Konkurrenz. Auf das 420 PS starke Basismodell folgte in diesem Frühjahr der bärenstarke R8 V10 5.2 FSI. Ende des Jahres setzen die derzeit deutlich ambitionierteren Bayern mit dem offenen Audi R8 Spyder nochmals einen kräftigen Schlag drauf. Mercedes, über die Jahrzehnte der größte BMW-Konkurrent, hatte nahezu durchgängig einen echten Sportler im Programm. Die letzten Jahre spielte den Part der ebenso exklusive wie supersportliche SLR, der zusammen mit McLaren entwickelt wurde. Der läuft Mitte des Jahres und der sehenswerten Sonderserie Mercedes SLR Stirling Moss aus; bekommt jedoch ebenfalls noch Ende dieses Jahres einen Nachfolger.
 
Mercedes lässt mit seinem AMG SLS die "Gullwing-Tradition" wieder aufleben. 6,3 Liter Hubraum, über 500 PS und die spektakulären Flügeltüren - die Sportwagenfans reiben sich auch in schlechten Automobilzeiten weltweit bereits die Hände. Porsche macht es genau anders herum. Sportlich sind die Zuffenhausener seit Jahr und Tag. Diesen Sommer betreten die Schwaben mit dem Panamera Neuland und wildern damit indirekt auch bei der neu entdeckten Konkurrenz aus 7er BMW und dem M5.

BMW guckt in die Röhre
 

Bleibt zumindest in Deutschland nur einer, der in Röhre guckt: BMW. Die Marke mit dem ebenso einprägsamen Slogan "Freude am Fahren" hat eine eindrucksvolle Historie wenn es um Sportwagen geht. Doch im Laufe der letzten Jahre überholte die Konkurrenz rechts und links gleichermaßen. Dabei wäre gerade in der aktuell schwierigen Lage ein Imageträger in Form eines Sportwagens für die dynamischen Münchner wichtiger denn je. Doch statt einen Nachfolger des legendären BMW M1 oder einen kleinen Spaßmacher auf den Weg zu bringen, schickt man nur den 5er GT ins Rennen um die neue Münchner Kundengunst. Sportliche Kunden lockt man damit ebenso wenig, wie durch die Streichung des viersitzen Panamera-Gegners CS oder den ebenso erfolgreichen wie fahrdynamisch beeindruckenden BMW X6, der als 555 PS starke M-Version gekrönt wird.
 
"Sicherlich wäre es für mich und meine Mitarbeiter etwas Besonderes,  ein Automobil wie die Studie BMW M1 Hommage als Serienfahrzeug zu entwickeln. Die Prioritäten liegen aber derzeit anders, insbesondere vor dem Hintergrund der gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen", erklärt Ludwig Willisch, der scheidende Vorsitzende der Geschäftsführung der M GmbH, der Europa-Vertriebschef wird, fast schon entschuldigend, "wir sind allerdings ja nicht untätig: In diesem Jahr ergänzen wir unsere Modellpalette um BMW X5 M und BMW X6 M und als nächsten Schritt sehen wir die perfektionierte Verbindung von Effizienz und Dynamik mit einer  Erweiterung im Segment unterhalb des BMW M3."

Die Sportzeiten für BMW scheinen vorbei
 

Die Zeiten, in denen BMW als sportlichste der großen drei deutschen Edelmarken wahrgenommen wurde, könnte daher auf absehbare Zeit vorbei sein. Mercedes setzt bei der Suche nach mehr Kontur- und Markenschärfe nicht nur auf effiziente Sparmodelle, sondern insbesondere auf die leistungsstarken AMG-Modelle.

Wenn der Mercedes AMG SLS kommt, sieht es für BMW ganz düster aus. Nach dem Audi R8 wieder ein waschechter Sportwagen. Dabei haben die Münchner gerade hier ihre erfolgreichen Wurzeln. Ein Aushängeschild wie das einstige Nischenmodell M1 muss einfach sein. Der M1 feierte seinen 30. Geburtstag und weckte auf dem letztjährigen Concorso d’Eleganza mit einer Hommage wilde Hoffnungen. Doch BMW hat aktuell nichts in der Pipeline, mit dem man Stimmung gegen R8 und SLS machen könnte. Auf der IAA will man die Vision eines ökologisch verträglichen Sportwagens vorstellen. Doch die Fans träumen von realen Modellen wie dem einstigen Seriensieger BMW 328, der die Konkurrenz Ende der 30er Jahre in Angst und Schrecken versetzte, oder eben von der kaum weniger imageträchtige Flunder M1.

BMW M1 gegen den automobilen Einheitsbrei der 70er

 
Bis heute ist der BMW M1 einer der bekanntesten deutschen Sportwagen. Als die Betriebssportgruppe von BMW noch in den Kinderschuhen steckte, entstieg der M1 dem automobilen Einheitsbrei im Jahre 1978 wie Phönix aus der Asche. Eine 1,14 Meter flache, geile Flunder, bei der nicht nur der geneigte 911er-Fahrer seine Augen bis zum Haaransatz aufriss. Ende der zumeist wenig sportlichen 70er Autojahre sprang BMW erstmals mit einem Serienmodell ins Schwimmerbecken. Der 4,36 Meter lange M1 war eine Rakete in eine neue Welt. Ihm folgten so grandiose Geschosse wie M3, M5 oder M6 - aber an den M1 kommt bis heute keiner ran.
 
Der rund 1,4 Tonnen schwere Renner mit Gitterrohrrahmen wurde von 1978 bis 1981 gerade 399 Mal gebaut. Nicht wenige fanden ihr automobiles Ende auf den Rennstrecken dieser Welt. BMW, fraglos auch in den 70ern bereits eine sportliche Automarke, hatte jedoch wenig Erfahrung mit echten Rennwagen. Bei der Kreation eines Straßenrenners holte man sich daher kompetente Partner ins Boot: Autobauer Lamborghini und Designer Giugiaro. Lamborghini setzte die Anfang der 70er Jahre initiierte Idee eines Supersportwagens für die Münchner um. Als Lamborghini kurz vor dem Abschluss der Entwicklung erst wackelt und dann fällt, springt der Stuttgarter Karosseriespezialist Baur in die Bresche und produziert den Kleinseriensportler mit der Kunststoffkarosse. Im Gegensatz zum Prototypen verzichtete die von Giugiaro in Szene gesetzte Serienversion auf die Flügeltüren, um der Karosserie für Renneinsätze mehr Steifheit zu geben.

Jeder M1 wurde von BMW eingefahren
 
Sein ungewöhnliches Design ließ den ehemals 100.000 D-Mark teuren E 26 schnell zu einem begehrten Sammlerobjekt werden. Auffällig nicht nur die flache Bauart und das Mittelmotorkonzept, sondern die Klappscheinwerfer und die Serienrückleuchten des 6er BMW. Hinter einer dünnen Trennwand arbeitet ein 3,5 Liter großer und über 300 Kilogramm schwerer Reihensechszylinder mit sonorem Sound. 277 PS und eine Höchstgeschwindigkeit von 262 km/h machten nicht nur der Konkurrenz Angst. Jeder M1 wurde vor der Auslieferung mehrere Stunden bei BMW eingefahren. 

Supersportwagen mit McLaren

Doch der M1 war nicht der einzige Supersportler von BMW. Ähnlich wie aktuell Mercedes ging auch BMW eine kurze Zeit mit der britischen Sportwagenschmiede McLaren ins Wochenendbett. Der McLaren-F1 war ein Lustobjekt der ganz besonderen Art. Seine Exklusivität von nur 100 Fahrzeugen, die zwischen 1994 und 1997 gebaut wurden, ließ angesichts eines Preises von deutlich mehr als einer Million Mark nur wenig Spielraum nach oben. Die meisten der dreisitzigen und über 600 PS starken  Rennwagen fristen noch heute in exklusiven Privatsammlungen ihr rares Schicksal. Das gemeinsam von McLaren und BMW entwickelte Fahrzeug war seinerzeit das schnellste und teuerste Serienfahrzeug der Welt. Ganz so exklusiv braucht der nächste Renner der Bayern nicht zu sein. Aber ganz oben ohne geht es eben nicht.

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Stefan Grundhoff

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