Mini United Festival 2012 43 Bilder Video Zoom

Community-Treffen Mini United 2012: Pilgerreise zum Circus Minimus

Alle paar Jahre trifft sich die Mini-Gemeinde zu einer Riesenparty namens Mini United, um sich selbst und die Unzerstörbarkeit eines Mythos zu feiern. Auch wir machen uns auf zu einer Pilgerreise, die dieses Mal ins südfranzösische Le Castellet führt.

Der Mann ist Journalist und möchte vielleicht lieber anonym bleiben - wer will schon über sich lesen, dass er suchtgefährdet und damit möglicherweise charakterschwach zu nennen wäre? Nennen wir ihn W. Im Alltag befasst sich W mit Dingen, die wir Neudeutsch Lifestyle nennen. Was Autos betrifft, mag er es gern großkalibrig. Wenn Geld in seinem Lebensstil keine Rolle spielen würde, dürfte es gern ein BMW M5 sein oder ein Audi R8. Aber jetzt hat die Redaktion ihn zu diesem Mini-Treffen geschickt, hauptsächlich aus pädagogischen Gründen, denn bislang konnte W mit den kleinen britischen Knutschkugeln noch nie viel anfangen.

Um den intellektuellen Zugang zu erleichtern, hat BMW einen Roadtrip organisiert, der in zwei Tagen von München nach Südfrankreich geht. Und W gibt nach ausgiebiger Probefahrt im klassischen Mini über die Alpen zu, dass es nicht unspaßig war, aber deshalb muss er sich jetzt längst nicht den Sabber vom Kinn wischen.
Le Castellet war ein völlig unbedeutendes Nest in den Hügeln zwischen Marseille und Toulon, bis der Pastis-Produzent Paul Ricard dort eine Rennstrecke erbauen ließ. Zwischen 1971 und 1990 wurde hier der große Preis von Frankreich ausgetragen. Heute gehört die Anlage Bernie Ecclestone, entsprechend mangelt es nicht an Geld, alles ist top in Schuss. Aber abgesehen von regelmäßigen Testfahrten von G-Poder Le-Mans-Teams ist hier der Hund begraben - bis die Mini-Gemeinde anrückt.

Größte Community-Treffen von Mini

Es begann 2005 in Misano, dann schwärmen alle noch von der Atmosphäre von Zandvoort 2007 - ach und bei Silverstone 2009 bekommen manche feuchte Augen. Während die einst so stolze britische Automobil-Industrie längst im Massengrab liegt, war ausgerechnet der kleine Mini 50 geworden, und zu dieser Ungeheuerlichkeit strömten 25.000 Fans und ließen es richtig krachen.
Als Sir Alec Issigonis das Dreimeter-Wägelchen 1959 vorstellte, saß James Newell Osterberg aus Muskegon in Michigan noch auf seinem Jugend-Fahrrad und träumte vielleicht eher von einem Mustang. Dann träumte er von Musik, und heute ist Iggy Pop 65 und steht auf der Bühne neben der Start-Ziel-Geraden.
Das Publikum ist eher diesseits von Midlifecrisis und Klimakterium, und so können nicht alle etwas mit dem Godfather of Punk anfangen. Das macht aber nichts, denn der angesagte DJ Martin Solveig bringt die Menge schon zum Zappeln. Es gibt viele, die nur wegen der Musik kommen, vor allem am Samstag füllen sich die Wiesen neben der Runway des angrenzenden Flugplatzes mit parkenden Autos. Es spielen die Frauenpower-Bands The Ting Tings und Gossip.
Eine gute Wahl, denn ein großer Teil des Publikums ist weiblich. Mini ist ein ausgesprochen seltenes Virus, das die Gattung Homo Sapiens mit beiden Chromosomen-Sätzen befällt. Und so diskutieren gestandene Männer in Box elf, ob der dort ausgestellte Mini Cooper Works GP die vom Hersteller versprochene Rundenzeit von 8:23 Minuten auf der Nürburgring-Nordschleife tatsächlich wegen eines neuen Fahrwerks und überarbeiteter Aerodynamik schafft oder wegen der Semi-Rennreifen.

Derweil haben die Damen die Boutique gestürmt. Die Geschwindigkeit und Aggressivität, mit der sich die weiblichen Fans mit lackierten Mini-Taschen ausstaffieren und sich die Mini-iPhone-Edition besorgen, nötigt dann auch W erstmals ernsthaft Respekt ab: „Wahnsinn. Die kaufen da alles leer.“ Ein Renner sind T-Shirts und Schals mit dem Union Jack. Dabei sind die wenigsten Britinnen, stattdessen wird viel Deutsch gesprochen. Mini United, das klingt nach Wiedervereinigung, damit kann man uns Teutonen immer kriegen.
Oliver kommt aus Schwaben, Johannes aus München. Auf dem sengend heißen Asphalt hinter der Grand Prix-Hall bewundern sie bei 33 Grad im Schatten auf dem Beauty Parking die verschärften Mini-Umbauten. Es ist wenig los. Das Areal ist einfach zu groß, und so verläuft sich alles ein bisschen.
Doch das kann den Genuss der „Klappstuhlgäng“ nicht trüben. Einst traf man sich mit 30 provisorischen Sitzgelegenheiten zum ersten Mal, heute verabredet sich der harte Kern regelmäßig auf Facebook. Einmal im Monat wird ausgeritten, egal ob Scheidegg oder Bigge-See. „Fünf Autos kriegen wir immer zusammen“, sagt Oliver. Zuvor war er in anderen Szenen unterwegs, „aber die Mini-Leute sind einfach netter. Und man lernt so viele neue kennen.“
Tatsächlich sind zwei Dutzend Mini-Clubs angerückt, um ihre Schönheiten auszustellen. Die Strenggläubigsten sind aus den USA, Kanada, Korea und Hongkong eingeflogen. Im nahen Marseille kurven an diesem Wochenende massenhaft Minis durch die Gegend.
In den Mietwagen-Filialen haben die Mitarbeiter vermutlich längst die Türen abgeschlossen und sich hinter den Tresen geduckt, weil die Kundschaft unablässig Minis fordert, die ihnen längst ausgegangen sind. Gut, wer sein eigenes Gerät dabei hat. Aus Polen, Ungarn und sogar Russland sind einige auf Achse angereist.

Mit dem Mini auf die Rennstrecke

Andrea und Anna sind aus Barcelona gekommen und stehen jetzt erwartungsfroh in der Schlange. Als am späten Samstagnachmittag die Rennmotoren der Mini-Challenge verstummt sind, stellen sich Horden zur Startaufstellung am Flugfeld auf.
Mit der Souveränität von knapp zwei Dutzend 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring dirigiert Instruktorin Traudl Kling die Klientel. In Grüppchen von bis zu einem Dutzend dürfen dann die Mini-Mädel und -Männer mit ihren Schätzchen ein paar Runden hinter der Rennfahrerin über den Kurs fahren. Traudl richtet ihr Tempo nach dem Langsamsten der Gruppe, und so sind die beiden Katalaninnen eher enttäuscht. Andrea findet: „Das war viel zu langsam.“

Ein Wochenende dreht sich alles um Mini

Einer dagegen ist völlig aus dem Häuschen. W ist zwar durchaus schon oft schnell Auto gefahren, aber noch nie auf der Rennstrecke. „Das war so geil, ich habe gequietscht“, schwärmt er. Und weil man bei BMW ein feines Gespür hat, wie man die Junkies an die Nadel kriegt, darf er gleich noch zwei Mal auf dem Beifahrersitz mitfahren.
Eigentlich hat er ja noch einen Interview-Termin mit Gossip, aber er entschließt sich dann doch zur Rückreise ins Hotel, um das Erlebte erst einmal zu verdauen. Am nächsten Morgen sagt er ergriffen: „Ich glaube, ich habe heute Nacht davon geträumt.“
Kritische Geister mögen anführen, dass man sich von einer noch so mächtigen Marketing-Maschinerie nicht überwältigen lassen darf. Und zudem standen die Hungrigen am Verpflegungszelt zeitweilig über eine halbe Stunde Schlange, um zu südfranz.sischen Restaurant-Preisen ein lauwarmes Kantinenessen zu empfangen.

Carwash-Girls kümmern sich um die Minis

Was trösten die Querulanten Kart-Bahn und Bobbycar-Rennen, Stuntshow und Schleuderplatte, Malwettbewerb und Mini-Museum, wenn beim Carwash die Mädchen, die sich mit Eimern und Schwämmen auf die Minis warfen, doch allen Ernstes BH unterm Tanktop tragen anstatt knapper Bikinis oder weißen T-Shirts.
Das alles ficht aber die Mini-Gemeinde nicht an. Stephanie ist aus dem schönen Perigord angereist und hat gerade den Cooper waschen lassen. Klar hätte sie lieber ein paar stramme Kerle für die Wagenpflege gehabt, aber sie will nicht meckern.
Den Cooper hat ihr der örtliche BMW-Händler geliehen. Sie selbst hat einen eigenen, doch der ist ein Klassiker - sie wollte ihm die lange Tour nicht zumuten. Weil sie so selten mit ihm fährt, will sie ihn eigentlich schon lange verkaufen. „Aber ich schaffe es nicht, er ist wie ein Kind von mir.“ Theoretisch könnte die traditionsbewusste Blonde auch eine Ente fahren oder einen R4, aber eigentlich doch nicht: „Es geht ja auch um Schönheit“, sagt sie.
So sehen das auch die Männer der Klappstuhlgäng, die zum ersten Mal dabei sind und Mini United uneingeschränkt super finden. Sie haben nur eine Sorge: „Hoffen wir, dass es das noch mal gibt“, sagt Oliver. Auch für W war es das erste Mal, und nun gibt er uneingeschränkt zu, dass er sich geirrt habe in seiner Kleingläubigkeit.
Auf der Rückreise seiner Pilgerfahrt wieselt er in einem Mini Coupé den Col de Vars hinauf, parkt auf der Passhöhe und drückt dem Nächstbesten seine Mini-Kamera in die Hand. „Hier, mach mal ein Foto von mir und meinem nächsten Auto.“

Autor

Foto

Markus Stier

Datum

14. Juli 2012
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