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Getarnter BMW 28 Bilder Zoom

Entwicklungszentren von BMW und Mazda: Zu Gast in den geheimen Auto-Testzentren

Ein 5er BMW auf den Straßen von Tokio, ein Mazda 3 nördlich von San Francisco oder ein VW Jetta auf dem Highway nahe San Diego. So sehr sich die Autos auch gleichen - mit immensem Aufwand passen die Autohersteller die Fahrzeuge auf die einzelnen Märkte an.

Entwicklungs-Ingenieur Ulrich Prestle kommt mit seinem hellblauen BMW X3 gerade von einer Testrunde zurück. Der Wagen ist nach wie vor getarnt. Doch die ehemals mächtigen schwarzen Beplankungen wurden vor Wochen gegen eine filigrane Kriegsbemalung ausgetauscht. Der neue X3 kommt im November nach Deutschland; in den USA startet er wenig später im Januar.

Der neue BMW X3 auf Testfahrt in Kalifornien

Nicht nur die BMW-Entwicklungsingenieure in München haben mit den letzten Abstimmungen alle Hände voll zu tun, damit der neue BMW X3 die hohen Vorgaben des Vorgängers noch übertrifft. Die Bayern wollen neue Maßstäbe in der SUV-Mittelklasse setzen. Da darf nichts schiefgehen. Schließlich hat man mindestens zwei Jahre Vorsprung vor der Konkurrenz – gerade auch in den USA. "Der Job hier in Oxnard macht irrsinnig Spaß", erzählt Ulrich Prestle, der vor einiger Zeit aus München nach Kalifornien kam, "ich habe meine Familie mitgenommen. Wir wohnen hier sehr nett und fühlen uns sehr wohl." Es gibt schlechtere Orte, als im sonnigen Kalifornien zu wohnen. Insbesondere weil die Stimmung am weitgehend unbekannten BMW-Entwicklungszentrum Oxnard, rund eine Autostunde von Los Angeles, prächtig erscheint. Die meisten Kollegen verlängern den dreijährigen Basisaufenthalt als "Expert" gleich um zwei weitere; einige, so wie Werner Lehner, bleiben für immer hier.

BMW-Erlkönige im Tal des Todes

In einem wenig schmuckvollen Industriepark wehen hinter weißen Zäunen die Landesflaggen von Deutschland, den USA, Kalifornien und selbstverständlich auch aus der bayrischen Heimat. 1984 hatte die lokale Anpassung der BMW-Fahrzeuge – damals noch direkt in der Nähe des Airports von Los Angeles – begonnen. Vorher kamen die BMW-Ingenieure dreimal im Jahr für ein paar Wochen in die USA und gingen zur Heißlanderprobung mit BMW-Erlkönigen ins Tal des Todes. 1999 wanderte man schließlich nach Norden in ein größeres Center nach Oxnard ab.

Mittlerweile arbeiten am Stützpunkt 100 BMW-Leute aus aller Herren Länder und sorgen dafür, dass der amerikanische Kunde ein Lächeln auf die Lippen bekommt, wenn er am Steuer von BMW X3, BMW 5er oder BMW 7er Platz nimmt. "Besonders viel ist bei uns im Sommer los", erzählt Werner Lehner, der den Stützpunkt seit 1990 leitet, "dann kommen abwechselnd bis zu 70 Leute aus München und wir testen insbesondere unter extremen Bedingungen die Antriebsstränge der Fahrzeuge."

Oftmals führen die Testfahrten ins Tal des Todes, nach Downtown Long Beach oder die Bergketten nordöstlich von L.A.. Besonders wichtig sind die Dauerläufe. Im Zweischichtbetrieb riemen auch lokale BMW-Testfahrer dabei an fünf Tagen in der Woche bis zu 120.000 Kilometer ab. Hier geht es um die Komponenten, aber auch die in Staaten wie Kalifornien besonders strengen Abgastests. Pro Schicht sind die Prototypen 130 bis 300 Meilen unterwegs. Der Zeitdruck ist groß. Daher kommen die meisten Prototypen mit dem Flieger in die USA, während die Ingenieure schon abfahrbereit in Testcenter sitzen. Dann kann es zu einem Kurztest Richtung Mount Wilson oder einem aufwendigen Dauerlauf nach Alaska oder Colorado gehen.

Auch VW, Audi, Mercedes und Kia testen Erlkönige in Kalifornien

BMW ist nicht der einzige, der hier Prototypen auf Herz und Nieren testet. Im Umkreis von 200 Kilometern werkeln auch Hersteller wie Volkswagen, Audi, Hyundai, Kia oder Mercedes und passen ihre Fahrzeuge auf die lokalen Bedürfnisse an.

Szenenwechsel nach Tokio/ Japan. Damit sich die neuen Fahrzeug-Generationen entsprechend gut verkaufen, hat BMW seit 1981 auch hier ein Entwicklungszentrum. Doch im Gegensatz zu Oxnard/ Kalifornien fehlt hier nicht nur die wallend bayrische Landesflagge im japanischen Wind, sondern auch ein BMW-Logo am dem klinisch weißen Gebäude. Dass in dem Flachbau geheime Prototypen stehen, ahnt kein Mensch. "Trotzdem gibt es hier durchaus einige Erlkönigjäger, die unsere Prototypen fotografieren wollen" erzählt Martin Steurenthaler, Entwicklungsingenieur bei BMW Japan, "daher verzichten wir auf Logos, um nicht aufzufallen."

BMW-Prototypen erklimmen den Berg Fuji

In der Halle steht ein mit Folie beklebter BMW 5er Touring und ein stark getarnter neuer 6er BMW. Beide werden ebenfalls für den japanischen Markt fit gemacht. "Die Anforderungen hier sind bisweilen ganz andere als in Europa oder den USA. Man fährt viel langsamer und die Motoren bekommen weniger Kühlung", so Martin Steurenthaler weiter, "wir sind sozusagen der erste japanische Kunde. Tokio ist im Vergleich zu München rund 30 Prozent wärmer. Das müssen wir selbstverständlich testen. Zudem sind die Winter im Norden des Landes sehr kalt." So geht es bei minus 35 Grad Celsius mit neuen Räder- / Reifenkombinationen den Berg Fuji hinauf und herab – immer wieder.

Im Gegensatz zum Testcenter in Kalifornien arbeiten in Tokio für BMW gerade einmal 25 Personen. Zehn weitere sind nationale Testfahrer, die projektbezogen speziell angemietet werden. Getestet wird in Japan ausschließlich im öffentlichen Straßenverkehr. Die Bayern verfügen über kein lokales Testcenter. "Wir haben hier in den großen Städten sehr viele Staus. Daher testen wir unter anderem Klimaanlagen, Reifenkombinationen und die Navigationssysteme", erklärt Ingenieur Yasuki Waseda, "das Thema Navigation ist bei uns der größte Bereich. Die Leute verbringen hier Stunden am Tag in ihrem Auto; schauen Fernsehen und telefonieren. Die Durchschnittsgeschwindigkeit in Downtown Tokio liegt gerade einmal bei 15 km/h." Auch wenn die Module im Fahrzeug ähnlich ausschauen, haben Kommunikations- und Navigationssysteme nicht viel mit denen in Europa gemein.

Japanischer BMW 3er mit speziellen Türgriffen

"Wir testen hier jedoch auch, was der japanische Kunde will und scouten bestimmte Trends", erläutert Waseda, "so bekam der BMW 3er zum Beispiel speziell für den japanischen Markt angepasste Türgriffe, damit er unter der in Japan wichtigen Fahrzeugbreite von 1,80 Metern blieb." Zudem wurde im japanischen Center das elektronische Fahrtenbuch oder der Innenspiegel mit integriertem Mautmodul kreiert. Vor Jahren stellte sich heraus, dass so manche Fernbedienung Probleme mit den zahlreichen Störfrequenzen hat. So gibt es bei den Erprobungsträgern jeweils einen obligatorischen Funktionstest in der Nähe des Tokio-Tower. Macht die automobile Funkfernbedienung hier keine Mucken, funktioniert sie überall auf der Welt.

Mazda2 erfährt Anpassung für den US-Markt

Alle Hände voll zu tun haben auch die Mazda-Verantwortlichen im Entwicklungszentrum in Irvine, eine dreiviertel Stunde südlich von Los Angeles. Hier gibt es nicht nur ein amerikanisches Designstudio, sondern auch eine Außenstelle, die die Fahrzeuge für die USA anpasst. "Der Mazda 2 war ursprünglich gar nicht für den amerikanischen Markt homologiert. Doch die Kundennachfrage war da und die Zeit drängte. So haben wir den Mazda 2 im Rahmen des möglichen fit für die USA gemacht", erklärt Tim Barnes, Direktor für Produktplanung und Strategie bei Mazda North America, "doch hätten wir mehr Zeit gehabt – wir hätten noch mehr gemacht." Im März 2009 war die Entscheidung gefallen, mit dem kleinen Mazda 2 in die USA zu gehen. Seit Juni dieses Jahres steht er im US-Handel.

Die Mazda-Verantwortlichen in den USA stochern wie viele andere Hersteller im Dunkeln, wohin die Nachfrage gehen wird und was der Kunde zukünftig will. "Die Nachfrage nach kleineren Autos ist da. Doch es hängt immer sehr stark vom Benzinpreis ab. Absteigen wollen hier in den USA eben nur wenige", so Tim Barnes weiter, "bei uns läuft insbesondere der sportliche Mazda 3 MPS sehr gut."

Trend geht in den USA zum Diesel

Wie andere Hersteller auch hat Mazda damit zu kämpfen, dass der amerikanische Sportwagenmarkt nicht so recht auf die Füße kommt. "Es geht bei uns hier in Irvine nicht nur darum, um die Fahrzeuge für den Markt anzupassen", schiebt Produktplaner Scott Yogi ein, "wir müssen hier auch die rechten Trends erkennen und dann an die Zentrale weitergeben. So gehen wir davon aus, dass Dieselmotoren in den nächsten Jahren an Bedeutung zunehmen werden; auch für Mazda. Aber derzeit haben ja gerade einmal 40 Prozent der Tankstellen Dieselkraftstoff."

So wie bei vielen anderen Importfahrzeugen für die USA waren auch die Becherhalter bei der Marktanpassung des Mazda 2 ein großes Thema. "Es ist schon verrückt. Aber die Cupholder sind hier wirklich ein elementarer Bestandteil des Fahrzeugs", lacht Tim Barnes, "so haben wir für dem amerikanischen Mazda 2 eben eine neue Mittelkonsole kreiert – mit zwei großen Becherhaltern."

Mazda6 mit großen Anpassungen für US-Kunden

Größer waren die Anpassungen beim aktuellen Mazda 6, der Mitte 2008 präsentiert wurde. Hier entschied die Mazda-Zentrale in Japan, dass der geplante Mazda 6 im amerikanischen Wettbewerbsumfeld zu klein sei. Kurzerhand wurde ein weitgehend modifiziertes Auto konzipiert, das nicht nur von hubraumstarken Benzinern angetrieben wurde, sondern sich auch in Abmessungen und Design vom europäischen Modell unterschied. "Es ist fraglich, ob es so einen Aufwand bei der nächsten Generation noch einmal geben wird. Der Aufwand war enorm", blickt Tim Barnes in die Zukunft.

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