Ford Focus ST 2011: Sportliches Topmodell der dritten Generation

Ford Focus ST Paris 2010

Die Farbe des neuen Ford Focus Topmodells namens ST ist so mutig wie der Zeitpunkt der Präsentation: Gut ein Jahr vor Produktionsanlauf macht der 250 PS starke Fronttriebler Lust auf die sportliche Zukunft von Ford.

Wenn die Globalisierung in der Automobilindustrie Spuren hinterlassen hat, dann bei Ford. Auf dem Pariser Autosalon Ende September hat der amerikanische Hersteller unter dem Namen ONE Ford nicht nur seine neue Produktstrategie, sondern zeitgleich auch die Anfang 2011 an den Start gehende dritte Focus-Generation präsentiert. Diese wurde erstmals in der Firmengeschichte für den Einsatz auf 120 Märkten der Welt konzipiert und gleich in drei verschiedenen Karosserievarianten vorgestellt.

Ford Focus ST nur als Fünftürer

Die Salamitaktik anderer Hersteller, der gemäß erst die Limousine, dann der Kombi, dann das Coupé und anschließend vielleicht noch ein Cabriolet vorgestellt werden, hat bei Ford damit ausgedient. Wer sich für den neuen, nach wie vor frontgetriebenen Ford Focus interessiert, kann von Anfang an entscheiden, ob ihm der sportlichrundliche Fünftürer, der brav-elegante Viertürer oder der variable Kombi namens Turnier am besten passt. Einzig Coupé-Fans werden bei Ford in der Kompaktbaureihe nicht mehr bedient. Als Zweitürer ist der neue Focus vorerst nicht geplant. Selbst das erst 2012 an den Verkaufsstart gehende, wenngleich in Paris schon in einer seriennahen Ausführung zu bewundernde Sportmodell Ford Focus ST wird in Zukunft ausschließlich mit vier Einstiegsluken zu haben sein.

Fünfzylinder mit 250 PS und 360 Nm

Auch der gute alte, den zunehmend strengeren Emissionsvorschriften nicht mehr gerecht werdende Fünfzylinder-Turbo mit 2,5 Liter Hubraum hat nunmehr ausgedient. Die neue, deutlich runder aber nicht größer gewordene Focus-Generation darf künftig aus  vier Brennräumen Kraft schöpfen. Der Aufladung mittels Abgasturbolader bleibt der Hersteller hingegen treu. Im Ford Focus ST wird das neue, den Kraftstoff direkt einspritzende Zweiliter-Eco-Boost-Triebwerk mit 250 Pferdestärken aufwarten.
 
Jene dürften ähnlich wie beim bereits mit dieser Motorengeneration bestückten Mittelklässler Mondeo bei rund 6.000 Touren vollständig versammelt sein. Das maximale Drehmoment wird zwischen 350 bis 370 Newtonmeter betragen und ab round about 2.000/min abrufbar sein. Ob die gülden leuchtende Präsentationsfarbe mit dem treffenden Namen Tangerine Scream serientauglich ist, erscheint indes fraglich. Die stattliche Anzahl an Klarlackschichten könnte dagegen sprechen.

Ford Focus ST mit Recaro-Sitze im Bicolor-Look

Das deutlich aufgewertete Interieur wird hingegen so oder ähnlich in Serie gehen. Auffallendstes Extra des gleichfalls für alle Focus-Märkte gedachten Performance-Modells namens Ford Focus ST sind fraglos die exzellent konturierten Recaro-Sitze im Bicolor-Look. Sie sind etwas tiefer positioniert als beim noch aktuellen RS-Modell - was groß gewachsenen Fahrern entgegenkommt -, haben aber auch recht üppige Abmessungen - was die Beinfreiheit der Fond-Passagiere einschränkt.
 
Gänzlich ungeteiltes Lob verdient der axial wie vertikal sehr großzügig bemessene Verstellbereich des Dreispeichen-Lenkrads. Auch die für diese Wagenklasse ungewöhnlich große Zahl an Fahrerassistenzsystemen ist bemerkenswert. Ob Totwinkel-, Brems- oder Spurhalteassistent - wer sich in seinem Focus wie in Abrahams Schoß fühlen will, kann all dies ordern. Geschaltet wird erst einmal manuell. Das im Mondeo, C- und S-Maxx bereits montierte, von Ford und Getrag gemeinsam entwickelte Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe mit der internen Bezeichnung Powershift dürfte in der Kompaktbaureihe allerdings gleichfalls gesetzt sein.
 
Ob Ford beim ST der aufwendigen Revo Knuckle-Konstruktion der Vorderachse sowie dem mechanischen Sperrdifferenzial treu bleibt, ist hingegen noch nicht final entschieden. Eine alternative, elektronische Sperrenlösung wird derzeit heiß diskutiert. Aus Sportfahrersicht wäre zu wünschen, dass Ford in diesem Fall nicht blindlings dem Trend folgt, sondern der teureren konventionellen Lösung treu bleibt.

Sportwagen auf dem Autosalon Paris 2010
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Anja Wassertheurer

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