Alles über Essen Motor Show
Rat Style, Essen Motor Show 2012, 12/12 39 Bilder Zoom

Rost-Tuning Essen Motor Show 2012: Im Rattenkeller von Rüttenscheid

Vergesst Karbon und Magnesium, der Tuning-Golf der Saison trägt Rost und Jute. Rust’n Roll heißt ein altes Motto aus der Hot-Rod-Szene, das jetzt auch nach Deutschland schwappt.

Im Keller von Halle eins sind die Ratten. RTL war schon da, jetzt rückt ein Kamerateam von N-TV an. Der befragte Zeuge sieht allerdings wenig besorgt aus, zeigt vergnüglich auf einen Golf mit Effektlackierung vor sich und sagt leicht herablassend: "So was hat ja jeder."
 
Tatsächlich parken im hinteren Winkel von Halle 1.2 ein paar Polos und Gölfe die aussehen, als wenn sie gestern noch mit den Wölfen geheult hätten. Verrostete Motorhauben, liebevoll mit Laub und Moos drapiert, hier und da steckt dekorativ eine Axt im Blech, im zerschossenen Scheinwerferglas vorn links am Polo hat jemand eine Kerze ins Fenster gestellt. Preisgekrönt mit dem "Rat Style Award" das Mégane Cabrio mit Überollkäfig aus Bambus.

Mit dem Segen des TÜV und der Leute

Aufkleber mit dem Herkunftshinweis Ratburg, Dachhimmel aus Bierdeckeln, Türverkleidungen mit alten Zeitungen tapeziert, nackte Sitzgestelle mit eingeschweißten Spinnweben, Lenkrad aus geschweißter Motorradkette. Das Auge hat eine Menge Zeit zum Spazierengehen, so vollgestopft, geschlachtet, gepflastert mit Details sind die – soll man sie noch Autos nennen oder Skulpturen? "Keine Angst", versichert Aaron Keßler. "Alles zugelassen, eingetragen und TÜV-geprüft".
 
Tatsächlich sind die mit Vehemenz gammelig getrimmten Gefährte durchaus verkehrssicher. Keßler ist stolz auf den großen Dekra-Aufkleber auf der Haube. Bei der Prüfgesellschaft finde man das Thema super, und auch die Öffentlichkeit reagiere überaus positiv. "Wo wir hinkommen, haben die Leute ein Lächeln im Gesicht."

Die Wege zum Rost sind vielfältig

Für 600 Euro hat Keßler seinen Polo erworben und allenfalls 2.000 Euro reingesteckt, meistens für Eintragungen in den Fahrzeugschein. "Ich hätte keine 50.000 Euro für sowas", sagt er mit Verweis auf die herkömmliche Tuning-Szene. Die hat von der Messeleitung im Untergeschoss von Halle eins einen Verweis erhalten, um Platz für die Rattenfreunde zu schaffen. Die sind erstmals von der Messe eingeladen, um der Motorshow ein bisschen mehr Farbe zu verleihen, vorgeblich mausgrau, mattschwarz, sumpfgrün und rostrot.
 
Um den Lack ordentlich korrodiert zu präsentieren, hat jeder so seine Methode. Die einen schleifen nur und stellen Türen und Hauben im Herbst vor die Tür, die anderen helfen mit Essigwasser oder gar Salzsäure nach. Mit dem Aufkleber "Edelrost stahlfrei" wirbt ein Golf III um die Gunst der Betrachter. 14 liebevoll verranzte Autos parken in Essen, und die Besucher sind begeistert, entdecken sie doch immer wieder ein verstecktes Detail wie das graue Telefon auf der Mittelkonsole aus Bierbüchsen am Passat oder einen mit bunter Kreide verzierten Golf. Kreativität statt Chrom. Viele Ausstattungsdetails bringen Freunde vom Flohmarkt.  Beliebt ist auch Olivgrün, Patronengurte und Wehrmachtskreuze. Volksratte, steht auf einem der Polos geschrieben. Werden die Freunde der Basse Couture schon vom Verfassungsschutz beobachtet? "Kein Angst", sagt Rostfreund Keßler: "Mit Rechtsradikalismus hat das hier nichts zu tun."
 
Vor fünf Jahren hat der 25-jährige Metallbauer den Trend im Internet entdeckt. Seitdem trifft er sich alle zwei Monate mit Gleichgesinnten. Gegenseitig bewundert man neueste Gammeltrends wie Axtstiel-Schaltungen und Jute-Stoßstangen. Einer der Rattenfreunde betont: "Ihr könnt zum Fotografieren ruhig die Türen aufmachen. Kaputtgehen kann ja nichts."

Autor

Foto

SB-Medien

Datum

5. Dezember 2012
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
  • Alle Bereiche
  • Aktuelles
  • Tests
  • Motorsport
  • Videos
  • Markt
  • Fahrzeuge
SPORT AUTO für:
iPad iPhone Android Windows Phone