Mercedes SLS AMG: Neuauflage des Flügeltürers

Die Mercedes-Sportwagenabteilung AMG entwickelte mit dem neuen SLS einen eigenständigen Supersportwagen. Der mit einem 571 PS starken V8-Saugmotor ausgestattete Flügeltürer erinnert an den Urahn, der in den 50er Jahren zahlreiche Rennerfolge feierte.

Der Mercedes SL-Flügeltürer aus den 50er Jahren übte schon zu seiner Zeit eine große Faszination auf alle Autofans aus. Zwar wurde er nur von 1952 bis 1953 gebaut, doch seine Linienführung, die nach oben öffnenden Flügeltüren sowie der Dreiliter-Sechszylinder mit Benzineinspritzung und obenliegender Nockenwelle machten aus dem Mercedes mit der internen Bezeichnung W194 eine Legende. Der 300 SL 215 erreichte dank seiner 215 PS bis zu 260 km/h - ein für die damalige Zeit in einem Serienauto geradezu unvorstellbarer Wert.

Wiederbelebung einer Sportwagen-Legende


Denn der neue Mercedes-AMG-Flügeltürer wird bereits im Frühjahr 2010 bei den Händlern stehen. Aktuell unterzieht sich der auf den Namen Mercedes-Benz SLS AMG getaufte Sportwagen einem harten Testprogramm. Dieses soll bis Ende 2009 abgeschlossen sein. Schon heute sind die technischen Eckdaten des neuen Flügeltürers bekannt. Sie dürften bei Autofans für wässrige Münder sorgen.

Denn der SLS AMG - bei dem es sich im Übrigen um das erste von AMG eigenständig entwickelte Fahrzeug handelt- wird von einem 6,3-Liter-V8 angetrieben. Dieses Triebwerk ist bereits aus anderen AMG-Modellen bekannt, erfuhr aber für das neue Aushängeschild der Marke eine grundlegende Überarbeitung. Die Sauganlage entwickelten die Ingenieure in Affalterbach komplett neu. Darüber hinaus erfuhren der Ventiltrieb sowie die Nockenwellen eine Überarbeitung.

Der Einsatz strömungsoptimierter Stahlrohrfächerkrümmer sowie die Entdrosselung der Abgasanlage leisten einen weiteren wichtigen Beitrag, um aus den 6.208 Kubikzentimetern Hubraum die Maximalleistung von 571 PS zu generieren. Die Höchstleistung liegt bei 6.800 Kurbelwellenumdrehungen an, das maximale Drehmoment von 650 Newtonmeter steht bei 4.750 Touren zur Verfügung. Das überarbeitete V8-Aggregat soll sich durch eine noch ausgeprägtere Drehfreude auszeichnen als beispielsweise das im Mercedes C63 AMG verbaute Triebwerk, auf dem der SLS-Motor basiert.

Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe

Das Herzstück des Flügeltürers wurde der gesteigerten Leistung mittels Schmiedekolben und einer verstärkten Kurbelwellenlagerung angepasst. Die Motorsporterfahrung von AMG spiegelt sich auch in der Umstellung auf Trockensumpfschmierung wider. Dies erlaubt unter anderem eine tiefere Einbauposition, woraus wiederum eine Absenkung des Fahrzeugschwerpunktes resultiert. Um Reibungsverluste im Motor zu reduzieren, sind die Zylinderlaufbahnen mit einer speziellen LDS-Beschichtung versehen.

Die Kraft der 571 Pferde trifft dabei auf ein vergleichsweise moderates Leergewicht von 1.620 Kilogramm. Denn der Frontmittelmotor-Sportler wartet mit einem Aluminium-Spaceframe und einer Alu-Karosserie auf. Der V8-Motor wiegt nur 206 Kilogramm. Daraus resultiert ein Leistungsgewicht von 2,84 Kilogramm pro PS. Für den Spurt von Null auf Tempo 100 veranschlagt Mercedes denn auch lediglich 3,8 Sekunden. Erst bei 315 km/h sollen die Fahrtwiderstände dem wilden Treiben ein Ende bereiten.

Das neue AMG-Doppelkupplungsgetriebe soll Schaltvorgänge ohne Zugkraftunterbrechung garantieren. Es ist in Transaxle-Bauweise direkt an der Hinterachse montiert. Eine Antriebswelle aus Karbon leitet die Gewalt des V8 an die angetriebenen Hinterräder. Der Pilot hat bei der Getriebeabstimmung die Wahl zwischen vier verschiedenen Fahrprogrammen, die von komfortabel bis sportlich reichen. Die sogenannte Race-Start-Funktion soll Katapultstarts mit optimalem Schlupf an der Hinterachse ermöglichen. Wichtiges Utensil für den Ausflug auf die Rennstrecke ist die serienmäßig verbaute mechanische Differenzialsperre. Auf abgesperrter Strecke soll der SLS-Flügeltürer seine Fähigkeiten zur Gänze entfalten können. Hierbei dürfte ihm die fast ausgeglichene Gewichtsverteilung von 48 zu 52 Prozent zwischen Vorder- und Hinterachse ebenso zugute kommen wie die montierte Hochleistungs-Bremsanlage.
Gegen Aufpreis sorgen sogar Keramik-Stopper mit größeren Bremsscheiben für standfeste Verzögerung. Sie verstecken sich leidlich erfolgreich hinter den gewichtsoptimierten Leichtmetallrädern im 19- respektive 20-Zoll-Format und sollen sich zudem durch ein um 40 Prozent niedrigeres Gewicht auszeichnen. Das dreistufige ESP hält einen Sport-Modus parat, lässt sich bei Bedarf aber auch ganz abschalten.

Mercedes-Flügeltürer: Traum auf Rädern

Trotz der Rennwagen-ähnlichen Fahrleistungen des Mercedes SLS AMG soll sich der Durchschnittsverbrauch mit rund 13 Litern Super Plus im Rahmen halten. Der rund 150.000 Euro teure Flügeltürer soll die Euro5-Abgaswerte mühelos erfüllen.

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Manuel Dohr

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