Tetsu Ikuzawa und Porsche 911 Targa: Nach 40 Jahren wieder vereint

40 Jahre Porsche-Liebe

Tetsu Ikuzawa ist in Japan bekannt wie ein bunter Hund. Die japanische Rennfahrerlegende verlor sein Herz vor 40 Jahren an einen Porsche 911 Targa. Jetzt spürte er den Oldtimer in einer Scheune wieder auf.

Als ob Tetsu Ikuzawa in seinem bisherigen Autoleben nicht schon genug Autos gefahren und besessen hätte. Doch sein gelber Porsche 911 Targa ging ihm bis heute nicht mehr aus dem Sinn. 1969 hatte der damalige Porsche-Werksfahrer sich für seinen Wohnsitz in London einen signalgelben Porsche 911 Targa 2.0 gekauft: 170 PS, Fuchsfelgen, Pepita-Sitze, Radio, Antenne und Colorglas waren damals das Maß der Porsche-Dinge.

Früher reisten die Rennfahrer mit dem Auto zur Strecke

Heute sind die Piloten zumeist mit Flugzeug oder Hubschrauber zwischen den einzelnen Rennen unterwegs. Doch in den 60er und 70er Jahren sah das noch ganz anders aus. Wie seine Konkurrenten reiste Ikuzawa mit seinem gelben Spielmobil fortan in Europa von Rennen zu Rennen und wieder nach Hause. Der gelbe Bolide war in den Fahrerlagern von Spa, Brands Hatch, Nürburgring, Monza und Zandvoort mindestens so bekannt wie der einzige japanische Werkspilot selbst - mit üppiger Haarpracht zumeist modisch bekleidet. Selbst die Rennpostillen schrieben regelmäßig über Tetsu und seinen "Yellow Targa".

Suche nach dem Yellow Targa war fast aussichtslos

Doch Tetsu Ikuzawa pendelte bald noch mehr durch die Welt und so verkaufte er den 170 PS starken Porsche 911 Targa wieder. Als er vor ein paar Jahren den eigenen Fuhrpark durchforstete und sich für ein paar neue Boliden aus Zuffenhausen erwärmte, sponn der ehemalige Rennfahrer an dem Gedanken, seinen alten Lieblings-Targa zu suchen und wieder auf Vordermann zu bringen. "In Japan gibt es keine Zulassungsstellen mit Haltereintragungen wie wir es hier in Deutschland kennen", so Martin Herold vom Classic-Center, "daher war das ganze alles andere als einfach."

Porsche 911 Targa war wie vom Erdboden verschluckt

Erworben hatte Ikuzawa den Porsche 911er im Jahre 1969 vom lokalen britischen Porsche-Generalimporteur in London. Das Kennzeichen: QL1129. Doch der Händler konnte ihm nach fast 40 Jahren nicht mehr helfen und auch Porsche in Stuttgart hatte keine Informationen über den Verbleib des Fahrzeugs. So wühlte Tetsu Ikuzawa tief im Untergrund. Europa, USA und Asien brachten zunächst jedoch keinerlei Erfolg. Sein alter Porsche 911 Targa war wie vom Erdboden verschluckt. Über düstere Kanäle gab es nach vielen Monaten schließlich doch ein Lebenszeichen. Der Porsche 911 Targa sollte tatsächlich noch existieren: in einer alten Scheune nahe Nogano / Japan.

Der Porsche 911 Targa war fast nicht wiederzuerkennen

Als Tetsu Ikuzawa seinen ehemaligen Renner im Jahre 2008 in der alten Scheune besuchte, glaubte er, seinen Augen nicht zu trauen. Der signalgelbe Sportwagen aus den Endsechzigern war mittlerweile schwarz lackiert und mit goldenen Felgen, Frontschürze sowie einem RS-Bürzel nicht mehr wiederzuerkennen. Gleich nebenan standen Gartengeräte, Baumaterial und eine alte Mercedes E-Klasse. Auf der Heckscheibe des Targas zudem ein Deutschland-Aufkleber und ein Signet der 24 Stunden von Le Mans. Dazu ein Außenspiegel aus dem asiatischen Zubehörhandel, zwei doppelflutige Endrohre und ein Airbag-Lenkrad mit aufgeklebtem Porsche-Logo.

Rück-Restaurierung des Porsche 911 Targa

"Tetsu Ikuzawa hat den Wagen dann zu uns nach Stuttgart bringen lassen", erzählt Jochen Bader, Leiter des Porsche Classic-Centers, "wir sollten wieder den originalen Zustand herstellen, den der Targa bei seiner Auslieferung im Jahre 1969 hatte." Seither hat das Classic-Team alle Hände voll zu tun. Neben den anderen Porsche 911ern und Porsche 356er, die derzeit in der Classic-Werkstatt in Freiberg stehen, nimmt der mittlerweile teillackierte Porsche 911 Targa von Ikuzawa eine Sonderstellung ein. So exklusiv die Aufträge der Kunden auch sind - so eine Geschichte gibt es auch hier nicht alle Tage. Doch damit nicht genug. Ikuzawa bestellte zeitgleich für seine drei aktuellen Wohnsitze in London, Nizza und Tokio nicht nur drei identische neue Porsche 997 Carrera in den japanischen Nationalfarben weiß und rot, sondern auch die Sonderanfertigung eines neuen Porsche 911 Carrera 4S Targa - in den identischen Farben und Ausstattungen des alten Modells.

Kosten für den Porsche 911 Targa spielen keine Rolle

"Der schwarze Porsche 911 Targa kam im Dezember 2008 in einem schlechten Zustand zu uns", so Jochen Bader, "ich gehe davon aus, dass der Porsche 911 Targa Ende dieses Jahres fertig wird. Dann werden wir Herrn Ikuzawa zusammen den alten und dann komplett restaurierten Porsche 911 Targa sowie den identischen neuen Porsche 997 Targa übergeben können." Beide Fahrzeuge in strahlendem Signalgelb, mit Pepita-Muster auf den Sitzen, Chrom- und teillackierten Felgen. Über die genauen Kosten schweigen sich Ikuzawa und Porsche aus. Jochen Bader: "Eine normale Voll-Restaurierung kostet bei uns 150.000 bis 200.000 Euro - ganz nach Zustand." Zusammen mit den Nachforschungen ein teurer Spaß. Doch Tetsu Ikuzawa hat seine alte automobile Liebe wiedergefunden.

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Stefan Grundhoff

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