Teuerster Ford? GT40-Prototyp: Verloren, gefunden, versteigert

Ford GT40-Roadster Werksprototyp

Ein Ford GT 40 Roadster-Werksprototyp tauchte durch eine zufällige Begegnung beim Goodwood Revival 2006 nach mehr als 40 Jahren wieder auf. Jetzt kommt das Auto komplett restauriert unter den Hammer - 2,4 bis 2,9 Millionen Euro werden erwartet.

"Wir besitzen einen GT40-Roadster schon seit vielen Jahren. Und jetzt ist das Auto zu verkaufen. Wenn Sie Interesse haben...". Genau so fangen die Träume von Oldtimerliebhabern an - und die Geschichte der Wiederentdeckung des Ford GT40-Werksprototypen mit Fahrgestellnummer GT/111.

Dieser Ford GT 40-Werksprototyp ist eines der Highlights bei der ersten Versteigerung im Rahmen des Concorso d'Eleganza Villa d'Este am 21. Mai 2011. Die Geschichte des Rennwagens ist abenteuerlich, mehr als 40 Jahre lang galt der "GT/111" als verschollen.

GT/111 könnte der teuerste Ford der Welt werden

Ja gibt's denn sowas? Ein amerikanisches Auto für 2,4 bis 2,9 Millionen Euro, der nicht auf den Namen Duesenberg oder Shelby hört? Ja, das gibt es, oder könnte  es geben, wenn es nach dem Auktionshaus RM Auctions geht. Bei dessen erster Versteigerung im Rahmen des Concorso d'Eleganza Villa d'Este kommt einer von insgesamt zwölf gebauten Prototypen des legendären Ford GT40 unter den Hammer. Die Besonderheit des angebotenen GT/111: Er ist der vierte von insgesamt fünf GT40-Roadster-Prototypen und wurde, wie nur ein weiterer GT40, bei FAV in England gebaut.

GT40-Roadster mit Renngeschichte

Vier GT40-Prototypen wurden Mitte der 1960er-Jahre bei zahlreichen Rennen eingesetzt, wobei sich herausstellte, dass die Coupés ein paar Sekunden schneller sind als der Roadster. 1965 fuhr John Whitmore die Le Mans Trials und die Targa Florio, die allerdings unter keinem guten Stern stand. Whitmore fuhr den GT 40-Roadster bereits auf Position drei vor, als sich an einem Vorderrad erst die Zentralmutter und das Rad löste. Die Mutter steckte zunächst ein Souvenirsammler ein, doch ein Polizist half Whitmore bei der "Wiederbeschaffung". Er konnte das Rennen fortsetzen und übergab den GT40 an seinen Teamkollegen Bob Bondurant. Doch auch er hatte Pech und rutschte auf losem Schotter in eine Wand, ein Vorderrad riss ab und er musste das Rennen aufgeben.

Nach dem Rennen wurde GT/111 zurück nach England verschifft und verlor an Bedeutung, als die Serienfertigung des GT40 begann - nur als Coupé, vomRoadster wurden lediglich zwei weitere an Carroll Shelby geliefert. Das nur minimal beschädigte Fahrzeug wurde einiger Teile beraubt und schließlich von einem Schrotthändler abgeholt. So gingen die GT40-Experten mehr als 40 Jahre lang davon aus, dass GT/111 verschrottet worden war.

Seit 2007 wieder auf den Rennstrecken unterwegs

Erst 2006 tauchte GT/111 wieder auf, und kein Ort hätte dafür besser gepasst als Goodwood. Beim Goodwood Revival erzählte ein älterer Mann den Rennmechanikern vom Team Gelscoe Motorsport Limited, dass er zu Hause noch einen GT40 stehen hätte. Der ehemalige Rennfahrer fügte allerdings hinzu, dass der Wagen eine Restaurierung bräuchte. Ein paar Tage nach dieser Begegnung besuchten Mitglieder des Gelscoe-Teams den Anbieter und staunten nicht schlecht, als dieser sie in seine Garage bat. Hier stand GT/111, auf einer alten Matratze weich gelagert. Einige Details verrieten den Interessenten, dass es sich hier nicht um einen gewöhnlichen GT 40 handelt. Auffälligstes Merkmal - hier stand ein Roadster. Bald merkten die Gelscoe-Experten, dass sie hier einen Schatz gefunden haben - einen von nur vier gebauten GT40-Werksprototypen.

Der GT40-Experte Ronnie Spain war zunächst skeptisch, doch bestätigte etwas später die Vermutung. Dieser GT40 ist der Werksprototyp GT/111, der 1965 bei der Targa Florio und den Le Mans Trials startete. Nachdem die Historie verifiziert war ging alles ganz schnell. Die Komplettrestaurierung wurde in weniger als einem Jahr abgeschlossen, sodass GT/111 schon beim Goodwood Revival an den Start gehen konnte. Die Probefahrt fand sozusagen während des Qualifyings statt. In den folgenden Jahren wurde der 444 PS starke GT40 bei den Sechs-Stunden-Rennen von Spa, bei den Le Mans Classics und in Brands Hatch eingesetzt.

Wer immer den GT/111 ersteigern wird, hoffentlich wird das seltene Fahrzeug noch bei vielen Motorsportveranstaltungen zu sehen sein. Die Einladungen dazu werden kostenlos mitgeliefert, denn mit so einem seltenen Werksprototypen schmückt sich jede Rennsportveranstaltung gerne.

Alle Lots der Auktion gibt es bei den Kollegen von Motor Klassik in einer großen Villa d'Este-Auktions-Fotoshow zu sehen.

Ort und Zeit der Auktion

Die Auktion findet am 21. Mai 2011 zwischen zehn und 18.00 Uhr auf dem Gelände der Villa Erba statt. Die Adresse lautet Largo Luchino Visconti 4, 22012 Cernobbio, Como/Italien. Die Fahrzeuge der Auktion können am 20. Mai zwischen zehn und 18.00 besichtigt werden.

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Kai Klauder

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