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24 Stunden von Le Mans-Crash: Ist Le Mans zu gefährlich?

300 km/h-Horrorcrash von Toyota-Pilot: Ein kurzer Stoß aufs Heck reichte, um den japanischen Prototypen bei rund 300 km/h in Querlage zu versetzen und zum Abheben zu zwingen.

Der Horrorcrash von Toyota-Pilot Anthony Davidson hat wieder einmal bewiesen, wie gefährlich das 24 Stunden-Rennen von Le Mans ist. Die Prototypen heben trotz aller Vorsichtsmaßnahmen noch immer zu leicht ab. Die Strecke an der Sarthe ist eng und schnell. Und die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den Klassen sorgen immer wieder für heikle Situationen.

Knapp fünf Stunden war die 80. Ausgabe des traditionsreichen 24 Stunden Rennens von Le Mans alt, da stockte den Fans erstmals der Atem. In der Anfahrt auf die Mulsanne-Kurve versuchte Anthony Davidson mit seinem Toyota Hybrid LMP1 innen an einem GT Ferrari vorbeizugehen. Doch Pierguiseppe Perazzini machte in letzter Sekunde die Lücke zu und löste damit einen Horrorcrash aus.

Horror-Crash bei mehr als 300 km/h

Ein kurzer Stoß aufs Heck reichte, um den japanischen Prototypen bei rund 300 km/h in Querlage zu versetzen und zum Abheben zu zwingen. Ohne Chance zu reagieren war Davidson plötzlich nur noch Passagier. Der Toyota überschlug sich einmal in der Luft und krachte frontal in die vierlagigen Reifenstapel, die einen Kreisel auf den öffentlichen Straßen rund um Le Mans schützten. Auch der Ferrari schlug nur wenige Meter daneben ein und blieb auf dem Dach liegen.

Die Bilder des spektakulären Unfalls gingen um die Welt. Und wie schon im Vorjahr, als die Audis von Alan McNish und Mike Rockenfeller ebenfalls nach Kollisionen mit GT-Ferraris völlig zerstört wurden, müssen sich die Organisatoren Fragen gefallen lassen: Ist Le Mans zu gefährlich?

In den vergangenen Jahren hatte man viel für die Sicherheit der Piloten getan. Auslaufzonen wurden erweitert. Die Top-Speeds der Boliden wurden künstlich eingebremst. Dank der verstärkten Crashzellen in den Protoypen gingen alle Unfälle glimpflich aus. Ein Problem scheint man aber nicht in den Griff zu bekommen: Die Rennautos der LMP-Klasse heben viel zu leicht ab.

Kein Mittel gegen fliegende Rennautos?

Das Problem ist nicht neu. 1999 gingen die fliegenden Mercedes CLR Protoypen in die Geschichte ein. Nach Abflügen von Mark Webber und Peter Dumbreck mussten die Silberpfeile schließlich aus dem Rennen genommen werden. Mit den vertikalen Finnen zwischen Cockpit und Heckflügel versuchte man die Autos zuletzt gegen seitliche Flugstunden absichern. Doch die 2010 eingeführten "Segel" scheinen kein Allheilmittel zu sein, wie der Crash von Davidson beweist.

2012 ließen sich die Organisatoren noch eine weitere Vorsichtsmaßnahme einfallen. Die Prototypen-Bauer mussten große Löcher in die Oberseiten der Radhäuser schnitzen, damit sich die Luft in den Kotflügeln nicht sammeln kann. Das Abheben des Toyotas konnte die Maßnahme aber auch nicht verhindern. Die Teams beklagten sich stattdessen das ganze Wochenende, dass die Reifen durch die zusätzliche Belüftung von oben aus dem Temperaturfenster fallen.

Neben der Tendenz zum Abheben sorgen auch die Geschwindigkeitsunterschiede immer wieder für heikle Situationen. An der Unfallstelle sind die LMP1-Renner im sechsten Gang mit ca. 310 km/h unterwegs. Besonders groß werden die Unterschiede zu den GT-Klassen beim Anbremsen. Ausgefeilte Aerodynamik und extremer Leichtbau verkürzen die Protoypen-Bremswege im Vergleich zu den Sportwagen massiv. Dazu kommen die fahrerischen Unterschiede zwischen Profis und Amateur-Piloten.

Perazzini gibt sich unschuldig

Unfallverursacher Perazzini wusste nach eigener Auskunft gar nicht, wie ihm geschah: "Ich habe ihn schon im Rückspiegel gesehen, aber es ist sehr schwer die Entfernung abzuschätzen", erklärte der Italiener später. Trotz eindeutiger Video-Bilder wollte der Ferrari-Amateur die Schuld nicht so einfach auf sich nehmen. "Er ist mir einfach in die Rennlinie reingefahren und hat mich seitlich getroffen. Das war schon so spät in der Bremszone vor der Kurve, da konnte ich nicht mehr reagieren."

Anthony Davidson, der mit zwei gebrochenen Wirbeln im Krankenhaus liegt, sah die ganze Situation etwas anders. "Ich war in dem Rechtsknick praktisch schon vorbei. Ich dachte zuerst, es wäre ein Profi-Auto, weil ich kurz zuvor schon eine Corvette und einen Ferrari überholt hatte. Ich dachte, er gehört ebenfalls zu der Kampfgruppe. Erst als ich direkt hinter ihm war, sah ich, dass er den Amateur-Aufkleber am Heck hatte."

Trotzdem fühlte sich Davidson sicher. "Ich denke, es war ein völlig normales Manöver. Ich dachte, er bleibt links. Ich bremste am Scheitelpunkt der Kurve an und war schon fast durch die Kurve durch, als ich hinten links einen Schlag spürte."

Augen zu in die Bande

Dann ging es für Davidson nur noch um Schadensbegrenzung: "Ich war wie ein Flugzeug in der Luft und wusste, dass die Banden nicht weit entfernt sind. Ich habe den Schlag im Rücken gespürt, als das Auto wieder auf dem Boden aufsetzte. Mit geschlossenen Augen und angezogenen Armen bin ich eine Sekunde später in die Barrieren gekracht."

Nach Angaben der Ärzte beträgt die Heilungszeit bei zwei gebrochenen Wirbeln (T11 und T12) rund drei Monate. "Das gilt aber nur für normale Menschen nicht für Profi-Sportler und Athleten", erklärt Davidson optimistisch. Der ehemalige Formel 1-Pilot hofft, dass die Schmerzen schon in drei Wochen nachlassen und er sich nach und nach wieder voll bewegen kann.

Tobias Grüner

Datum

19. Juni 2012
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