"Das Bilster Berg Drive Resort wird zu den authentischsten, fahrerisch anspruchsvollsten Anlagen Europas gehören. Obwohl es eine moderne, nach neuesten Sicherheitsstandards gebaute Strecke ist, leben hier der Geist und die Tradition klassischer Naturstrecken weiter. Gemeinsam mit Hermann Tilke habe ich versucht, das Maximum aus jedem Quadratmeter um und über den Berg herauszuholen.
Damit Sie einen Eindruck davon bekommen, nehme ich Sie gerne auf einer virtuellen Runde über dem Bilster Berg mit - sagen wir in einem Porsche 911 GT3 RS 4.0: Wir kommen aus der Einführungsrunde auf die Start- und Zielgerade. Die Strecke macht zum Ende hin einen leichten Linksbogen mit etwa zwei Prozent Steigung. Der dadurch sehr späte Bremspunkt bei zirka 220 km/h muss möglichst gerade angefahren werden. Runterschalten in den zweiten Gang: Bei etwa 75 km/h Kurvengeschwindigkeit muss es gelingen, bereits im Scheitelpunkt wieder volle Traktion zu haben, um möglichst viel Schwung für die S-Kurven in der Bergaufpassage mitzunehmen. Die folgende Kurvenkombination bis Kurve 4 ist durch deutliche Überhöhungen der Kurvenaußenseiten sehr interessant. Hochschalten bis in den vierten Gang. Mit fast Volllast geht es bergauf durch das Geschlängel mit nur kurzem Lupfen des Gaspedals.
Topografisch ans Gelände angepasst, wechseln sich jetzt in sehr kurzen Abständen Steigungen und Gefälle mit jeweils sich verändernden Kurvenradien ab, was meine ganze Konzentration erfordert. Wir schlängeln uns von Kurve 5 bis 7 durch die Waldpassage des Bilster Bergs und nähern uns dem höchsten Punkt der Strecke mit zwei Sprungkuppen. Ähnlich wie beim Pflanzgarten auf der Nordschleife kann das Auto hier im Extremfall mit allen vier Rädern abheben. In der Bergab-Passage zwischen den Kuppen liegt der Bremspunkt für den folgenden schnellen Linksbogen. Aus etwa 180 km/h bremsen wir herunter. Wir bleiben rechts am Streckenrand und passieren den leichten Rechtsbogen über die Kuppe der Kurve 10 fast geradeaus.
Die anschließende Passage ist die Schlüsselstelle der Strecke mit dem größten Gefällewechsel. Von rechts bremsen wir Kurve 11, die „Mausefalle“, an. Der Einlenkpunkt ist nicht sichtbar, und so geht es blind in ein bis zu 26-prozentiges Gefälle. Hier gehen wir früh nach innen und wieder aufs Gas, um das Gefälle auszunützen. Die Kurve geht am Ausgang viel schneller als man denkt, da das Auto in der Kompression der aufmachenden Kurve mehr Grip bekommt.
Wie gegen eine Wand aus Asphalt geht es mit bis zu 20 Prozent Steigung den Berg wieder hinauf. Die folgende Kurve 13 nach rechts über die Kuppe nehmen wir unter Volllast in einem weiten Rechtsbogen. Die jetzt folgende Kombination der Kurven 14 bis 16 ist ein bisschen wie das ehemalige Castrol-S auf dem Nürburgring. Aus zirka 220 km/h bremsen wir das „Clubhaus-S“ zum rechten Fahrbahnrand hin an. Der Einlenkpunkt muss sehr sauber getroffen werden. Links-rechts-links geht es mit so viel Speed wie möglich durch das Geschlängel, um allen Schwung für die folgende lange Gerade mitzunehmen.
Unterstützt durch das Gefälle beschleunigt das Auto sauber hoch, wodurch wir an der schnellsten Stelle der Strecke rund 250 km/h erreichen. Der Bremspunkt für die folgende Kurve 17 liegt auf einer Kuppe und muss exakt getroffen werden. In der anschließenden lang gezogenen Links mit etwa acht Prozent Gefälle nutzen wir den Radius voll aus und lassen das Auto an den äußeren rechten Kurvenrand treiben. Haben wir die Kurve optimal getroffen, erreichen wir eine Kurvengeschwindigkeit von über 180 km/h.
Die Kurve 18 ist bereits die Bremszone für den 180-Grad-Bogen vor Start- und Ziel. Bei zirka 230 km/h an der tiefsten Stelle der Anlage bremsen wir durch den leichten Rechtsbogen der vorletzten Kurve, die Kurve 19 in einer geraden Linie an, um optimal zu verzögern.
Rundenzeit von unter zwei MinutenÜber einen Höhenunterschied von elf Metern ändert die Linkskurve drei Mal den Radius und macht nach hinten zu, was aber durch einen Überhang am Ausgang gut ausgeglichen wird. Wir lassen uns am Kurveneingang ganz nach außen tragen, um den letzten Scheitelpunkt optimal zu erwischen und so früh wie möglich wieder ans Gas gehen zu können. Hier gilt es, die Geschwindigkeit für eine gute Rundenzeit auf die Start- und Zielgerade mitzunehmen. Wenn alles optimal geklappt hat, haben wir in einer Zeit von unter zwei Minuten die 4,2 Kilometer lange Strecke und insgesamt über 200 Höhenmeter überwunden.“






