Delta-Wing beim 24h-Rennen Le Mans 2012: Super Generalprobe für den Zukunftsrenner

Michael Krumm Nissan Deltawing 24h-Rennen LeMans

Wie die Zukunft des Prototypensports aussehen könnte, demonstriert das Nissan Delta-Wing-Auto. Beim Vortest zum 24h-Rennen in Le Mans 2012 zeigte der Rennwagen sein Potenzial.

Was hatten sich die Delta-Wing-Piloten Marino Franchitti, Satoshi Motoyama und Michael Krumm vor dem Probelauf beim Vortest zum 24h-Rennen in Le Mans 2012 nicht alles anhören müssen: Euer Auto wird miserabel verzögern mit den schmalen Vorderrädchen! Und in die Kurven einlenken wird das Wägelchen schon gleich drei Mal nicht! Mit der geringen Motorleistung von knapp 330 PS schafft ihr niemals Topspeeds von über 300 km/h!

Delta-Wing-Nissan schneller als LMP2-Renner

Da waren lauter Experten am Werk. Hoffentlich nehmen diese Fachleute nun auch zur Kenntnis, dass das Konzept so schlecht nicht funktioniert. Mit einer Rundenzeit von 3.47,980 Minuten ließ der Delta-Wing-Nissan nicht nur fünf LMP2-Autos hinter sich, sondern sortierte sich bei der Rundenzeit fast exakt dort ein, wo das Demonstrations-Vehikel laut Le-Mans-Veranstalter ACO stehen sollte. „Und dabei haben wir beide Sessions mehr oder weniger mit einem Satz Michelin-Reifen abgespult und nie versucht, eine wirklich schnelle Runde zu fahren“, so Marino Franchitti nach dem Vortest. Auch der Tank war immer deutlich über halbvoll. Die Zeiten kamen flüssig und wie von selbst, dazu spulte man 54 Runden ab - also deutlich mehr als die meisten Werksteams in der LMP1-Klasse.

Das ist die Zukunft des Prototypensports

Das Delta-Wing-Auto erhielt den zusätzlich geschaffenen 56. Startplatz in Le Mans, um zu demonstrieren, wie die Zukunft des Prototypensports aussehen könnte. Der Delta Wing muss nur die Sicherheitsanforderungen des LMP-Reglements sowie die Basisabmessungen erfüllen. Um zu zeigen, was in Zukunft möglich sein könnte, verzichtet der Delta Wing auf Abtrieb durch Überströmung, also durch Flügel, denn das erzeugt Luftwiderstand, und der muss mit viel Motorleistung überwunden werden. Stattdessen holt der Delta-Wing fast seinen ganzen Abtrieb aus dem Unterboden. Das ist guter Abtrieb, wie Aerodynamiker sagen, denn er kostet kaum Luftwiderstand. Durch den geringen Luftwiderstand braucht der Delta Wing nur 330 PS aus einem 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbomotor von Nissan, um hohe Topspeeds in Le Mans zu erzielen. Beim Vortest schaffte der Delta Wing 306,9 km/h. Der kleine Motor verbraucht nur die Hälfte der meisten anderen Renntriebwerke und er muss ein Auto beschleunigen, das gerade einmal die Hälfte eines aktuellen LMP1-Rennwagens wiegt.

Generalprobe zum 24h-Rennen war erfolgreich

Selten hat man bei einem Renn-Teams nach dem Vortest so viele stolze Gesichter gesehen, wie bei Highcroft Racing. Teamchef Duncan Dayton sagte: „Die Generalprobe ist ausgezeichnet gelungen. Das Auto fuhr noch nie auf dieser Strecke und wir haben recht schnell ein Setup für gute Fahrbarkeit gefunden. Mit den gesammelten Daten können wir nun an den Feinschliff gehen.“ Im Gegensatz zur Erprobungsphase funktionierte in Le Mans nun auch die Wippenschaltung des Sechsganggetriebes tadellos. Ein Wehrmutstropfen freilich bleibt: Weil in der Testphase das von EMCO produzierte Differenzial mit Torque Vectoring mehrfach seinen Geist aufgab, müssen die Piloten nun ohne das kongeniale Diff-System auskommen. „Unserem Partner EMCO ist einfach die Zeit ausgegangen, um die gewünschten Modifikationen vor dem Rennen umzusetzen“, so Teamchef Dayton. Fahrdynamisch ist das sicher ein Nachteil, doch lieber ohne das Diff fahren, als wegen dem Diff einen frühen Ausfall im Rennen zu riskieren.

Der ACO wünscht sich, dass der Delta Wing im Rennen Rundenzeiten zwischen 3.35 und 3.45 Minuten fährt - also etwa auf LMP2-Niveau. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass wir uns genau in diesem Fenster bewegen könnten“, glaubt Marino Franchitti. „Le Mans ist keine einfache Strecke, weil man einerseits Topspeed braucht, andererseits Abtrieb beim Bremsen und in den Kurven. ich war angenehm überrascht, dass wir sehr schnell ein gutes Abstimmungsfenster finden konnten.“ Das Team will bei den Test-Sessions und im Zeittraining am Mittwoch ausschließlich auf eine gute Renn-Performance hinarbeiten. Spektakuläre Rundenzeiten sollte man also lieber nicht erwarten - dafür aber eine solide Performance im 24h-Rennen in Le Mans.

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Marcus  Schurig

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