Dome beim 24h-Rennen Le Mans 2012: Die Le-Mans-Attacke der Japaner

Dome

Der japanische Konstrukteur Dome war jahrelang Testpartner von Toyota bei der Entwicklung der Hybridtechnik für den Renneinsatz. Toyota zieht ohne Dome zum 24h-Rennen nach Le Mans - und Dome zieht nach.

Japaner sind stolze Menschen. Auf dem Inselstaat ist es üblich, sich zu einhundert Prozent mit dem zu identifizieren, was man in seiner Arbeit tut. Das gilt auch für den Gründer der japanischen Rennwagenschmiede Dome, Minoru Hayashi.

Dome hat lange zurückreichende Beziehungen zu Toyota. Schon zwischen 1985 und 1988 wurden die Le-Mans-Toyota bei Dome konstruiert und gebaut. In den letzten Jahren nutzte Toyota die Spezialisten aus Miyoshi in der Präfektur Shiga, um die für den Rennsport entwickelte Hybrid-Technologie intensiv zu testen und weiterzuentwickeln.

Im Oktober 2011 dann die Enttäuschung: Toyota verkündete zwar die lange erwartete Rückkehr nach Le Mans - aber ohne den langjährigen Testpartner Dome. Doch das Wort Aufgabe gibt es für einen Japaner nicht: Obwohl Dome-Boss Minoru Hayashi schon im Oktober 2010 eine Le-Mans-Rückkehr seiner Firma ausgeschlossen hatte - vermutlich weil er wusste, dass Toyota ohne ihn an die Sarthe zurückkehren würde -, tritt Dome 2012 nun doch wieder beim 24h-Rennen in Le Mans an. Als Partner suchte sich Dome die legendäre Equipe von Henri Pescarolo aus, das Fahreraufgebot ist mit Sébastien Bourdais, Nicolas Minassian und Seji Ara erlesen.

Dome ist der andere, geheime Toyota

Im Fahrerlager wird der Dome S102.5 nur liebevoll als „der andere Toyota“ bezeichnet. Jeder weiß, dass dieses LMP1-Auto viele tausend geheime Testkilometer im Toyota-Auftrag abgespult hat. Die insgesamt 17. Rückkehr des japanischen Designers Dome nach Le Mans sehen viele Beobachter als Geste der Rache: Die Japaner wollen beweisen, das sie ein pfeilschnelles Chassis gebaut haben - das mindestens so gut ist wie jenes der Toyota Motorsport Group (TMG), die den Werkseinsatz durchführen wird.

Zur Erinnerung: Der Vorgänger - Dome S102 - war bereits ein schnelles Auto, was mit Startplatz acht im Jahr 2008 in Le Mans bewiesen wurde. An diesem Umstand hat auch die moderate Weiterentwicklung bis in Jahr 2012 offenbar nichts geändert.

Der Probe-Einsatz beim Sportwagen-WM-Rennen in Spa Anfang Mai sorgte gelinde gesagt für Erstaunen: Startfahrer Sébastien Bourdais tankte sich in seinem dreistündigen Start-Turn trotz massiver Elektronik-Gremlins und Schaltproblemen bis auf Platz fünf nach vorne. Das klingt auf den ersten Blick nicht berauschend, war es aber - denn auf den ersten vier Plätzen lagen die unantastbaren Diesel-Audi. „Damit waren wir phasenweise der beste LMP1 mit Benzinmotor“, freute sich Ingenieur Ricardo Divila. Dome lag dabei vor den bockstarken Rebellion-Lola und den Honda-LMP1 der Teams Strakka und JRM, obwohl man statt der geplanten 5500 nur 1100 Testkilometer absolviert hatte - dabei auch noch 400 im Regen.

Low-Drag-Auto mit angeblasenem Diffusor

Im Dome S102.5 steckt bemerkenswerte Technik. Der Wagen ist als Low-Drag-Auto wie gemacht für Le Mans. Das Aero-Konzept wurde seit 2008 über drei Jahre hinweg in zwei Windkanälen weiterentwickelt. Sogar die Entwicklung eines angeblasenen Diffusors nach Formel 1-Vorbild ist weitgehend abgeschlossen, wird aber in Le Mans nicht zum Einsatz kommen, weil es den Benzinverbrauch verhageln würde.

Das zentrale Monocoque des Dome 102.5 wiegt gerade mal 90 Kilogramm - nicht schlecht für einen privaten Konstrukteur. 48 Prozent des Gewichtes lasten auf der Vorderachse. Im Gegensatz zu 2008, als noch ein 5,5-Liter-Triebwerk zum Einsatz kam, verrichtet nun ein 3,4-Liter-V8-Motor von Judd mit 520 PS seinen Dienst im Heck. „Durch diesen Reglement bedingten Wechsel konnte die Gewichtsverteilung noch einmal verbessert werden“, erklärt Ricardo Divila.

Kleine Löcher und Kabelsalat

Es gibt allerdings auch ein paar kleine Nachteile: Die Chassislöcher für die Servicearbeiten zum Beispiel sind auf die Größe der japanischer Männerhände ausgelegt. Die Pescarolo-Mechaniker zeigen gerne mit Stolz ihre aufgekratzten Handrücken.

Ein feuchter Traum für Ingenieure ist der 80.000 Euro teure Kabelbaum samt Elektronik. „Alles ist auf mehrfache Redundanz ausgelegt, weil der Dome ja ein Entwicklungsauto war“, erklärt Divila. „Die Anzahl der Sensoren ist verrückt, insgesamt verfügt das Auto über sechs Kabelbäume. Allein acht Laser dienen zur Kontrolle der Fahrwerkshöhe.“

Genau dieser Overkill an Elektronik vereitelte in Spa ein besseres Resultat. Das Pescarolo-Team wird die verbleibende Zeit bis zum Vortest in Le Mans dazu nutzen, den komplexen Kabelbaum durch jenen aus dem LMP1-Pescarolo 03 zu ersetzen.

Vom Testauto zum Rennauto Dome

„Der Pescarolo hat den gleichen Motor, das gleiche Getriebe und eine identische Wippenschaltung. Mit dem Umbau werden wir bei der Zuverlässigkeit einen großen Sprung machen. Wir müssen aus dem Testauto Dome ein Rennauto Dome machen, damit wir das Potenzial in Le Mans aufzeigen können“, so Divila. Diese kämpferische Einstellung würde Firmengründer Hayashi sicher mit Stolz erfüllen.

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Marcus  Schurig

Autor:

SPORT AUTO, Heft 06 / 2012

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