F1-Rennwagen McLaren MP4-27: Der britische Formel 1-Renner für 2012

McLaren MP4-27 2012

McLaren hat als erstes Formel 1 Top-Team seinen F1-Rennwagen für die Motorsport-Saison 2012 vorgestellt.  Der MP4-27 soll nach drei Jahren Pause endlich wieder einen WM-Titel einfahren.

Den ersten F1-Rennwagen der Saison präsentierte Caterham in einer englischen Fachzeitschrift und Red Bull will sein neues Auto im Internet vorstellen. McLaren und Ferrari leben noch in der Wirklichkeit. Der neue McLaren MP4-27 erblickte an seinem Geburtsort, dem McLaren Technology Centre in Woking, das Licht der Welt.

Red Bulls großer Gegner der letzten beiden Jahre hat die Katze aus dem Sack gelassen. Als um 12.02 Uhr die Decke abgezogen war, kam ein Auto hervor, das entfernt an das vom Vorjahr erinnerte. Technikdirektor Paddy Lowe bezeichnete den MP4-27 als eine "Evolution, bei der die großen Änderungen mehr unter der Verkleidung stattfanden als auf ihr".

Das ist gutes britisches Understatement. Die Seitenkästen haben nicht mehr die Ohrenform, die dem Vorgänger sein verwechselbares Aussehen gaben. Die Kühleinlässe sind jetzt rechteckig, schmal wie Briefkastenschlitze und so weit wie möglich vom Boden entfernt wie möglich. Sie fallen schräg und ziemlich abrupt zu einer Heckpartie ab, die so schmal ist wie die des Red Bull aus dem Vorjahr.

McLaren MP4-27: Neues Reglement, neue Seitenkästen

"Die Form unserer Seitenkästen letztes Jahr war Teil des Auspuffkonzepts. Sie haben die Strömung nach unten in den Bereich gedrückt, in dem der Auspuff gemündet ist. Mit dem neuen Auspuffreglement hätte diese Form keinen Sinn mehr gemacht", begründet Lowe die Abkehr vom alten Konzept.

Stichwort Auspuff: Wo genau er austritt, lässt sich McLaren noch offen. Aus den Seitenkästen wuchert auf halber Höhe eine massive Beule, und irgendwo in diesem Bereich werden auch die Auspuffgase ins Freie blasen. Doch die Öffnung, die an der Stelle in die Verkleidung gestanzt war, diente eher der Tarnung und Täuschung. Die Größe der Beule lässt McLaren mehrere Optionen. Wir werden erst bei den Testfahrten in Jerez erfahren, was sich die Techniker wirklich ausgedacht haben.

Fakt ist, dass man die Auspuffgase nur noch in einem bescheidenen Maße zu aerodynamischen Zwecken nutzen kann. "Unser angeblasener Diffusor war einer der besten im Feld", führt Projektleiter Tim Goss aus. "Das mussten wir schmerzhaft in Silverstone erfahren, als die Auspuffregeln für dieses eine Rennen eingeschränkt wurden. McLaren hat darunter mit am meisten gelitten. Das war uns eine Lektion. Deshalb haben wir uns beim MP4-27 mehr auf die klassische Aerodynamik konzentriert, eine, die nicht vom Auspuff abhängig ist."

Die komplett umgestaltete Heckpartie zeigt es. Sie wirkt viel filigraner und aufgeräumter als beim MP4-26. Der Heckflügel steht isolierter im Fahrtwind, was seine Effizienz verbessert.

Schöne Nase aus Tradition

Der neue McLaren ist ein schönes Auto. Die befürchtete Delle in der Nase fehlt. McLaren erfüllt auch ohne eine Stufe in der Front die neue Höhenvorschrift, die die Oberseite der Nase ab einem Punkt von 1.950 Millimeter vor der Cockpitrückwand von 625 auf 550 Millimeter drückt.

Das Team von Paddy Lowe ließ sich jedoch nicht von optischen Gesichtspunkten leiten. McLaren verfolgt seit Jahren mit dem vorderen Bereich des Autos eine andere Philosophie als der Rest des Feldes. Die Nase war immer schon relativ niedrig. Und damit auch das Chassis. Somit gibt es auch keinen abrupten Übergang. "Wir haben diesen alternativen aerodynamischen Ansatz beibehalten. Keiner ist gezwungen, diese Delle ins Chassis einzubauen", erklärte der neue Sportdirektor Sam Michael.

Jenson Button freute sich über die ästhetisch anspruchsvolle Variante. Dem Publikum in Woking grinste er entgegen: "Wie Ihr sehen könnt: Das ist ein schönes Auto. Einige andere werden es nicht sein." Martin Whitmarsh stellte aber auch klar: "Ein Auto ist dann schön, wenn es gewinnt."

McLaren-Shakedown am Wochenende

Der Shakedown des McLaren MP4-27 ist für das kommende Wochenende in Spanien angesetzt. Nachwuchsmann Oliver Turvey wird am Steuer sitzen, wenn die ersten Daten über die Aerodynamik gesammelt werden. Seine ersten schnellen Runden wird der Red Bull-Jäger dann am kommenden Dienstag (7.2.) beim offiziellen Testbeginn in Jerez drehen.

"Ich kann es kaum erwarten, das neue Auto zu fahren", erklärte Button. "Es ist wichtig, dass wir mit einem guten Gefühl für das Auto zum Saisonauftakt nach Melbourne (18.3.) reisen. Wir müssen aus der Box kommen und stark sein." Button darf das Auto in Jerez am Dienstag und Mittwoch als Erster fahren. Hamilton übernimmt das Steuer dann am Donnerstag und Freitag.

auto motor und sport wird sie wie gewohnt an allen offiziellen Testtagen in diesem Jahr mit unserem Live-Ticker von der Strecke auf dem neuesten Stand halten.

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Michael Schmidt

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