GT-Rennsport: ACO gegen FIA: Streit um GT2 eskaliert

BMW M3 GT2 ALMS

Die GT2-Klasse droht zwischen die Mühlsteine von Weltmotorsportbehörde FIA, Le Mans-Veranstalter ACO und Herstellern zu geraten. Der Streit um die Zukunft der GT2-Kategorie verschärfte sich Mitte März, als die FIA die geplante GT2-Europameisterschaft mangels Masse aussetzte und GT-Promoter Stéphane Ratel einen runden Tisch anregte, um die Zukunft und Ausrichtung der Klasse neu zu definieren, womöglich in Richtung Hybrid.

Zeitgleich ließ der ACO in einem Statement verlauten, dass der GT2-Kategorie seine volle Unterstützung genieße: "Die GT2-Klasse, die im Moment starken Zulauf aufweist, wird in den nächsten Jahren eine wundervolle Zukunft haben." ACO-Sportdirektor Beaumesnil ergänzt: "Wir wollten ein starkes Zeichen setzen, dass wir rückhaltlos zur GT2-Kategorie stehen. Das war wichtig für jene Hersteller, die planen, in den GT-Sport einzusteigen." Ursprünglich hatten ACO und FIA eine klare Aufgabenteilung verabredet: Die FIA ist für das GT-Reglement verantwortlich, der ACO für die Prototypenklasse, und beide Reglementgeber übernehmen die Bestimmungen des jeweils anderen in ihrem Hoheitsgebiet. "Diese Übereinkunft sollte 2010 eingeführt werden, wurde dann auf 2011 verschoben und auf Wunsch eines Herstellers bis auf 2013 ausgesetzt", erklärt GT-Promoter Ratel. In der Zwischenzeit hat der ACO mit dem BMW M3 und der Corvette Z06 zwei Autos zugelassen, die nicht dem gemeinsamen Reglement entsprechen. Porsche und Ferrari sperrten sich gegen eine Homologation dieser Autos nach FIA-Regeln.
Flexibleres Reglement in der GT2-Klasse
 
Prodrive-Technikchef George-Howard- Chappell, der Aston Martin auf der FIA-Bühne vertritt, sagt: "Wir haben bis heute keine Homologationsunterlagen für den BMW oder die Corvette gesehen. Natürlich könnten diese Autos für den FIA-Bereich zugelassen werden, aber nur wenn die Hersteller ihre Anfragen bei der GT-Kommission und der Technical Working Group vorlegen." Der Streit wird verständlich, wenn man ihn in den größeren Zusammenhang einordnet: Ratel pusht für sein Konzept der GT1-WM und die von ihm erfundene GT3-Klasse, offenbar mit Duldung der FIA. Der ACO fordert seinerseits ein flexibleres Reglement in der GT2-Klasse, um die Dominanz von Porsche und Ferrari aufzulockern. Als Promoter Stéphane Ratel von der FIA den WM-Titel für GT1-Fahrzeuge erhielt, konterte der ACO beim 24h-Rennen 2009 in Le Mans mit der Ankündigung, man werde diese GT1-Autos womöglich nicht zulassen.
Wenige Monate später ließ man sie doch zu - offenbar auf Druck der FIA. Der Streit um die neu definierte GT1-Klasse springt nun auf das Thema GT2 über. Der ACO favorisiert die GT2-Klasse als künftige Einheitsklasse im GT-Sport. In seinem Bemühen nach mehr Reglementflexibilität ließ der ACO für sein Hoheitsgebiet - das 24h-Rennen, die Le Mans Serie in Europa sowie die ALMS - Fahrzeuge zu, die nicht dem gemeinsam erarbeiteten GT2-Reglement von ACO und FIA entsprechen. Während die Sonderregelungen für Exoten wie den Panoz Esperante niemand interessieren, so lange diese Autos nicht vorn fahren, bekamen Porsche, Ferrari und Aston Martin beim Anblick der 2009 vom ACO homologierten Fahrzeuge die Krätze: BMW sollen angeblich 27 Waiver - also technische Erleichterungen - zugestanden worden sein, um den M3 in der GT2-Klasse zu akkommodieren. Die GT2-Corvette kommt angeblich auf 39 Waiver. Die Liste ließe sich beliebig verlängern: Jüngst homologierte der ACO den Jaguar XKR - mit einem 5,5-Liter-Kompressormotor, der in gar kein Reglement passt. Während unter dem Banner des ACO bis zu sieben Hersteller in der GT2-Klasse antreten, sind nach den strikten FIA-Regularien nur drei Wagen von Porsche, Ferrari und Aston Martin homologiert. Die zerfahrene Situation könnte jetzt dazu führen, dass die verabredete weltweite Gültigkeit der GT-Technikreglements endgültig zerfällt. 
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Marcus Schurig

Autor:

SPORT AUTO, Heft 4 / 2010

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