Martin und Alex Brundle 24h-Rennen Le Mans 2012

Wenn der Vater mit dem Sohne

Alex Brundle (GBR), Martin Brundle (GBR)

Es gibt sicher nur wenige Sportarten, wo der Vater zusammen mit dem Sohn ein Team bilden kann und auf Topniveau um einen sportlich wertvollen Titel kämpfen kann - und schon gar nicht auf internationalem Niveau. Genau das passiert in diesem Jahr aber beim 24h-Rennen in Le Mans: Der 158-fache Grand-Prix-Teilnehmer Martin Brundle steuert zusammen mit seinem 21-jährigen Sohn Alex einen LMP2-Prototypen im Team von Greaves Motorsport.

Wie Ex-F1-Weltmeister Nigel Mansell

Martin Brundle hat dabei nicht nur einen guten Ruf als extrem versierter Racer zu verteidigen, der sich übrigens auch schon in die Gesamtsiegerliste des berühmtesten Langstreckenrennens der Welt eintragen konnte: 1990 gewann der Brite das 24h-Rennen in Le Mans im Jaguar-Werksteam und erzielte auch in Diensten von Nissan, Toyota und Bentley gute Resultate. Doch Martin Brundle ist heute, im Alter von 53 Jahren, in seinem Heimatland Großbritannien auch eine Berühmtheit als Kommentator für die F1-Rennen. Doch die Fußstapfen, in die Senior Brundle mit diesem Projekt tritt, sind durchaus tückisch: Ex-F1-Weltmeister Nigel Mansell beispielsweise trat im Jahr 2010 ebenfalls zusammen mit seinen Söhnen Greg und Leo in Le Mans ein - und blamierte sich bis auf die Knochen, als er den Prototypen nur 17 Minuten nach dem Start in die Leitplanken stopfte.

Le Mans-Teilnahme zum Genießen

Martin Brundle fechten schlechte Vorbilder nicht an: „Ich wollte einfach wieder mal den Motorsport als Aktiver genießen und gleichzeitig die Gelegenheit nutzen, etwas zusammen mit meinem Sohn Alex zu unternehmen, der ja eh Langstreckenrennen in der European Le Mans Serie bestreitet.“ Die Unterschiede zu früher sind offensichtlich: „Ich bin acht Mal in Le Mans angetreten, aber in einer vollkommen anderen Position als heute, nämlich immer als Lead-Fahrer in reinrassigen Werks-Teams - und immer im schnellsten Auto des Feldes. In diesem Jahr starte ich in der LMP2-Klasse, die Audi und Toyota werden also von hinten nur so heranfliegen.“

Ein weiterer Unterschied: „In der Vergangenheit fuhr ich immer geschlossene Auto, aber in diesem Jahr sitze ich in einem offenen LMP2-Spyder. Ich bin gespannt auf die Erfahrung, wie sich Le Mans in einem offenen Auto anfühlt. Das hat aber auch einen Vorteil, denn in geschlossenen Autos wird es in aller Regel extrem heiß, während in den offenen Wagen eine angenehme Frischluftzirkulation sozusagen serienmäßig sichergestellt ist!“ Aber auch das offene Auto kann ein Nachteil sein, wie Brundle Senior weiß: „Wenn es regnet und du im Bummeltempo zwei Stunden hinter dem Safety Car hinterher zuckelst, dann kann es ganz schön kalt und unangenehm werden.“

Vater und Sohn lernen voneinander

Die Vater-Sohn-Beziehung ist also keineswegs als eine erkenntnismäßige Einbahnstraße der Art zu verstehen, das der Senior dem Junior laufend erklärt, wie er zu fahren hätte: „Ich würde sagen, wir lernen beide voneinander. Der Junge kommt laufend mit neumodischen aber heute im Rennsport üblichen Begriffen wie „das Auto in die Kurve rotieren“ oder „Bremsprofile“ ums Eck. Da stutze ich immer und muss erst einmal nachfragen, wovon die da gerade reden. Alex weiß sehr gut über die Bremstechniken der jungen Fahrzeuggeneration Bescheid, auch da lerne ich durchaus etwas. Und bei der Datenanalyse kennt er sich vorzüglich aus. Gleichzeitig kann er von meiner Erfahrung profitieren, aber unter der Voraussetzung, dass er meine Ratschläge auch ernst nimmt. Ob ich erfolgreich mit meinen Belehrungen war, werden wir erst am Ende des 24h-Rennens sehen.“

Erfolgreiche Zielankunft auf Platz 15

Beim 24h-Rennen in Le Mans 2012 reichte es für das LMP2-Team von Martin Brundle zusammen mit Sohn Alex und GT Academy-Sieger Lucas Ordonez im Greaves Motorsport Zytek Nissan zu Platz acht in der Klasse und Position 15 in der Gesamtwertung. „Das Rennen war härter als erwartet, nachdem wir gleich zu Beginn Probleme mit einem gerissenen Keilriemen der Lichtmaschine hatten. Später gab es noch Ärger mit der Drosselklappe, daher kam ich auch einmal in der ersten Schikane von der Piste ab. Zum Glück touchierte ich die Leitplanke nur leicht und schlitterte an ihr entlang, sodass nichts weiter kaputt ging. Wäre unser Wagen so zuverlässig gewesen wie das Schwesterauto, wäre ein Podiumplatz möglich gewesen. Was mich aber am meisten gefreut hat, war die Pace von Alex und Lucas - die Kids haben einen tollen Job gemacht, wir waren alle drei in etwa gleich schnell", sagte der im Hauptberuf als Formel-1-Kommentator tätige Brite.

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Marcus  Schurig

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