Porträt Stirling Moss: Rennfahrer feiert 80. Geburtstag

Stirling Moss zum 80. Geburtstag

Stirling Moss war das Multitalent unter den Rennfahrern. Über 200 Siege in den verschiedensten Fahrzeugklassen machten den Briten zu einem der erfolgreichsten Piloten aller Zeiten. Nur den F1-Weltmeistertitel verpasste er stets. Am 17. September feiert Moss seinen 80. Geburtstag.

Das Repertoire von Sir Stirling Craufurd Moss liest sich wie das Inhaltsverzeichnis eines umfangreichen Motorsport-Magazins: Formel 1, Rallye, Tourenwagen sowie Berg-, Sprint- und Ausdauerrennen machten den in London geborenen Alleskönner zu einer lebenden Legende. Unvergessen sind auch seine Geschwindigkeitsrekorde und die vielen Teilnahmen an historischen Rallyes nach seiner aktiven Karriere.

Stirling Moss: Pechvogel und Rekordmann

Zu Ehren seines 80. Geburtstages blicken wir noch einmal zurück in die Zeit zwischen 1948 und 1962, als Moss nach eigener Zählung in 529 Rennen nicht weniger als 212 Siege gesammelt haben soll. Die Erfolgsquote von 40 Prozent sucht seitdem ihresgleichen. Der vielseitige Engländer saß dabei am Steuer von 85 verschiedenen Autos - angefangen beim 45 PS starken Cooper Formel 3-Auto für Bergrennen bis hin zum 300 PS starken und rund 395 km/h schnellen MG EX181, mit dem Moss 1957 auf den Salzseen Utahs einen neuen Geschwindigkeitsrekord für benzingetriebene Landfahrzeuge aufstellte.

"Ich konnte immer ohne Probleme von einem Auto ins andere wechseln", erzählte der geborene Londoner einmal. "Mir war es auch egal, ob der Schaltknüppel links oder rechts lag. Nur die Pedalerie sollte in der richtigen Position sein." Teilweise fuhr Moss zwei Rennen in verschiedenen Autos an einem Tag und das in einer Zeit, in der tödliche Unfälle auf Rennstrecken beinahe an der Tagesordnung waren.

Unfall in Goodwood beendet die Karriere

Gegen die statistische Wahrscheinlichkeit überlebte Moss seine aktive Zeit, auch wenn er seine Karriere durch einen schweren Unfall vorzeitig beenden musste. Mit 32 Jahren verunglückte der Engländer in einem Lotus 18/21 bei der Glover Trophy in Goodwood. Mit rund 100 km/h schlug er in einen Erdwall ein und musste aus seinem Sportwagen herausgesägt werden. "Ich dachte, ich könnte noch 20 Jahre Rennen fahren. Ich war wirklich auf dem Höhepunkt meiner Karriere", erklärt Moss in Erinnerung an den Unfall.

Doch daraus wurde nichts. Moss erlitt ein Hirntrauma, fiel ins Koma und wachte mit Lähmungen in der linken Körperhälfte wieder auf. "Eigentlich hatte mir Ferrari einen Dino 246 zugesichert, aber der kam nicht rechtzeitig. Sonst wäre der Unfall vielleicht nicht passiert", blickt der Pechvogel zurück. Bereits im Jahr darauf startete der Rennsportsüchtige einen Comeback-Versuch, doch bis auf einen kurzen Auftritt in der britischen Tourenwagenserie (1980) kehrte Moss nur für historische Rallyes hinter das Steuer der Rennwagen zurück.

Bis zu seinem Unfall hatte die lebende Legende allerdings schon fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Beinahe wäre Moss der einzige Pilot, dem es gelungen wäre, sowohl die Rallye Monte Carlo als auch den Grand Prix von Monaco zu gewinnen. Doch der Rallye-Sieg blieb ihm 1952 knapp verwehrt. In seinem Sunbeam-Talbot 90 rutschte Moss kurz von der Strecke, wusste aber nicht, wie viel Zeit er dabei verloren hatte. Am Ende wurde er um vier Sekunden von seinem Landsmann Sydney Allard geschlagen. "Die hätte ich locker aufgeholt", grollte der Brite auch noch viele Jahre später.

Ein Punkt fehlte Moss zum Titel

In der Formel 1 lief es für Moss ungleich erfolgreicher. Dreimal gewann er den GP Monaco, auch in Silverstone, auf der Nordschleife und in Monza trug er sich in die Siegerlisten ein. Insgesamt konnte Moss 16 Erfolge in der Formel 1 feiern. Die Weltmeisterkrone blieb ihm dabei allerdings verwehrt, weshalb Moss als erfolgreichster Rennfahrer ohne WM-Titel in die Geschichte eingehen wird. Nach drei Vizetiteln hinter Manuel Fangio kam der Zahnarztsohn der Meisterschaft im Jahr 1958 ganz nahe, als er von Mike Hawthorn nur um einen Punkt distanziert wurde.

Auch in Sportwagenrennen feierte der 1999 von der Queen in den Adelsstand erhobene Sir beeindruckende Erfolge. Die Mille Miglia gewann er 1955 mit einem Vorsprung von einer halben Stunde vor Teamkollege Juan Manuel Fangio. Seine Rekordzeit sollte auch anschließend keiner mehr schlagen. Auch das 1.000 Kilometer Rennen am Nürburgring (1958, 1959, 1960) oder die 12 Stunden von Sebring (1954) beendete der Ausnahmepilot ganz oben auf dem Siegertreppchen. Nur beim Klassiker in Le Mans verließ ihn einmal mehr das Glück. Zweimal wurde er Zweiter, 1955 nahm Mercedes das Auto von Moss in Führung liegend aus dem Rennen, nachdem der Franzose Pierre Levegh verunglückte und 82 Zuschauer den Tod fanden.

Dem Rausch der Geschwindigkeit verfiel der Londoner schon als Teenager. Sein Vater war Hobby-Rennfahrer, seine Mutter machte sich als Rallye-Pilotin einen Namen. "Eine Kurve mit Vollgas zu durchfahren, ist schwierig. Aber dieselbe Kurve mit Vollgas zu nehmen, wenn auf der einen Seite eine Mauer und auf der anderen ein Abgrund ist, das ist eine echte Leistung", sagte Moss später einmal. Schon mit 15 durfte er dank einer Sondergenehmigung den Führerschein machen, den er später wegen seiner rasanten Fahrweise allerdings mehrfach wieder abgeben musste.

Nach seinem Unfall wurde er erfolgreicher Immobilienmakler, "weil man dafür nichts können muss". Ganz ohne Motoren und schnelle Autos kommt Moss aber nicht aus. In einem James-Bond-Film fuhr er den Fluchtwagen der Bösewichte. Für eine Trickfilm-Serie leiht er "Roary, dem Rennauto" seine Stimme. Sogar bei den Motorsport-Festivals in Goodwood ist der PS-Senior immer noch regelmäßiger Gast - und rast ohne Seelenschmerz durch die Fordwater-Kurve, die ihm 1962 zum Verhängnis wurde. "Wenn ich da vorbeikomme, wird mir klar, wie viel schneller ich fuhr, als ich jung war."

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Tobias Grüner

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