Remmo Autosport-BMW M3 E30 V8: Driftender Holländer im Tracktest

Remmo Autosport-BMW M3 E30 V8

Die europäische Driftszene dominiert Remmo Niezen fast nach Belieben. Höchste Zeit also, das Siegerauto der sport auto DriftChallenge 2010 genauer unter die Lupe zu nehmen. Der BMW M3 E30 V8 im Tracktest.

Vorbei sind die Zeiten, in denen schrottreife Hecktriebler mit abgefahrenen Winterreifen auf der Hinterachse noch für einen Podiumsplatz bei der sport auto Drift-Challenge gut waren. Das Niveau ist, vor allem in den letzten drei Jahren, extrem gestiegen.

Leichter Hecktriebler mit viel Power

Wer aktuell noch mit den Drift-Kings mithalten möchte, muss sein Fahrzeug gemäß der Grundprinzipien wenig Gewicht, viel Leistung, großer Lenkeinschlag und natürlich Hinterradantrieb schon sorgfältiger vorbereiten. Nach diesen Vorgaben wurde der BMW M3 E30 V8 von der im niederländischen Maassluis beheimateten Firma Remmo-Autosport aufgebaut.
 
Als Basis für das Driftauto dient ein BMW 316i, Baujahr 1989, der werksseitig schon mal Punkt eins - wenig Gewicht - erfüllt. Das Team um Remmo Niezen strippte den Wagen bis auf die Rohkarosse und baute ihn neu auf. Von den Serienteilen ist, bis auf die Nieren in der Front, kaum etwas übrig geblieben.

BMW M3 mit M5 V8-Antriebseinheit

Der kleine Vierzylinder wich mangels Leistung und wurde durch einen kräftigeren Motor ersetzt. Die komplette Antriebseinheit entstammt einem BMW M5 E39. Der schon im Serientrimm potente Fünf-Liter-V8 wurde nur wenig modifiziert. Mechanisch blieb alles im Serienzustand, nur die Peripherie ist zugunsten eines höheren Drehmoments angepasst: Eine frei programmierbare Motorsteuerung, die modifizierte Vanos-Einheit und eine speziell angefertigte Auspuffanlage sorgen nun für 410 PS und 600 Nm Drehmoment. Um die Ölversorgung des Triebwerks auch bei hoher Querbeschleunigung zu garantieren, wurde auf Trockensumpfschmierung umgerüstet.

Die Kraftübertragung erfolgt durch eine Dreischeiben-Rennkupplung inklusive vier Kilogramm leichter Schwungscheibe an das serienmäßig belassene Sechsganggetriebe. Ebenfalls unangetastet blieb die komplette Hinterachse des BMW M5 inklusive Antriebswellen und Achsträger. Dieser ist direkt mit der Sicherheitszelle verschraubt und bildet so eine steife Einheit. Für den Drifteinsatz wurde das Differenzial jedoch durch eine kürzere Endübersetzung in Kombination mit einer Differenzialsperre mit 75 Prozent Sperrwirkung angepasst.

Platz für extreme Lenkwinkel

An der Hinterachse des Remmo Autosport-BMW M3 E30 V8 sorgen üppige 255er-Semi-Slicks im 17-Zoll Format dafür, dass das gebotene Drehmoment nicht nur in Rauch aufgeht, sondern jederzeit auch in Vortrieb umgesetzt werden kann. Das hat natürlich eine deutliche verbreiterte Karosserie zur Folge, was aber auch der Vorderachse zu Gute kommt. Denn der neu gewonnene Platz im Radhaus bietet den Vorderrädern genügend Spielraum für extreme Lenkwinkel, ohne gleich am Längsträger des Rahmens anzustoßen.
 
Der Innenraum ist Rennwagen-typisch nüchtern und funktionell gestaltet. Eine hydraulische Fly-Off-Handbremse blockiert die Hinterräder auf Wunsch verlässlich. Die Sitzschalen inklusive der Sechspunktgurte wurden ohne Laufschienen fest verschraubt. Bei der ersten Sitzprobe wird schnell klar, warum Remmo "Big Remmo" genannt wird. Mehrere zusätzliche Sitzkissen sind nötig, um überhaupt über das Lenkrad sehen zu können. Beim Tracktest war es daher schwer, das volle Potenzial des 1.100 Kilo wiegenden Leichtgewichts auszuschöpfen. Bäriges Drehmoment, feines Ansprechverhalten - der V8 passt hier perfekt.

Der Drifter spielt eine Rolle

Somit sind im Remmo Autosport-BMW M3 E30 V8 die technischen Voraussetzungen für einen konkurrenzfähigen Drift-Rennwagen erfüllt. Für einen Podiumsplatz bedarf es allerdings noch der letzten Komponente - des Fahrers.

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Uwe Sener

Autor:

SPORT AUTO, Heft 11 / 2010

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