Alles über 24h Nürburgring 2014
Nacht 24h-Rennen Nürburgring 2013 84 Bilder Zoom

So feiern die Fans beim 24h-Rennen am Nürburgring: Erst Party bis zum Umfallen, dann Wellness

Nur die harten kommen in den Garten. Ein Sprichwort, das sich die 24h-Rennen-Fans auf den Arm tätowieren lassen könnten. Matsch, Regen, Wind - alles kein Problem für die Camper. Dieses Jahr macht sich allerdings ein Wellness-Trend breit.

Über dem mit Wasser gefüllten Bretterverschlag steigt weißer Dampf auf und vermischt sich mit den Nebelschwaden, die über den Acker ziehen. Phillip liegt mit freiem Oberkörper in einer Ecke seines selbstgebauten beheizten Swimming-Pools und lehnt sich mit einer Flasche Bier in der Hand entspannt zurück. Sieht eigentlich ziemlich gemütlich aus. Wären da nicht die lästigen Eifel-Stalker: Sieben Grad. Dauerregen. Matsch. Wer sich das Prädikat Fan anheften will, hat zwei Möglichkeiten: Augen zu und durch oder nach Hause fahren. Jammerlappen werden in den Zelt-Städten rund um die Nordschleife nämlich nicht begnadigt.

Beheizter Pool auf dem Campingplatz

Philipp hat sich mit seinen Kumpels für die erste Variante entschieden. Aber wer hat eigentlich gesagt, dass für die viertägige Schlammschlacht keine Hilfsmittel erlaubt sind? Gemeinsam mit seinen Jungs baute er sich in den Vorgarten vor das Zelt ein beheiztes Planschbecken. "Gestern lag ich fünf Stunden drin", sagt der Blondschopf, dessen Nordschleifen-Tattoo samt Pinup-Girl von seiner Liebe zum Ring erzählen.

Rund 1200 Liter haben sie in die 500 Kilogramm schwere Eigenkonstruktion gepumpt. Beheizt wird die nicht mehr ganz klar aussehende Wasserbrühe von einem Feuerchen im Ölfass, einer Kupferspirale und einer Umwälzpumpe. Not macht eben erfinderisch. Und wenn es dann doch mal zu frisch wird, heizt ein Schlückchen vom giftgrünen Pfefferminzlikör ein, der griffbereit am Beckenrand steht.

Afrikanische Schweinepest und Kleingarten-Idylle

Ob der auch als Gegenmittel für Afrikanische Schweinepest taugt? Die scheint, wenn man den Warnschildern Glauben schenkt, im Garten von Jens und seinen Kumpels ausgebrochen zu sein. Das Wort Garten bekommt bei der Truppe aus Heinsberg aber eine ganz besondere Bedeutung. Neben den Schlammgräben, in denen die Gummistiefel nur mit einem kurzen Glucksen vor Verlust warnen, haben sie mit ihrem Garten-Arrangement im Streckenabschnitt Wippermann Kleinstadt-Idylle geschaffen.

Weiße Steine, bunte Beleuchtung, grünes Moos, ein kleiner Wasserlauf und am unteren Ende sogar ein Teich – da werden selbst Eifler Hobbygärtner glatt neidisch. "Da schwimmen sogar Goldfische drin", meint der 30-jährige Lehrer und zeigt auf den kleinen Teich. Es bewegt sich nichts. Jens zuckt mit den Schultern. "Zumindest haben wir sie heute Morgen noch gefüttert."

Den Garten hat sein Kumpel Michael zuhause schon sorgfältig geplant. Er ist Steinmetz und im Freundeskreis bekannt dafür, ein Händchen für mehrstöckige Fischteiche und Co. zu haben. Rund fünf Stunden dauerte der Aufbau vor Ort. Ein beliebtes Fotomotiv – das beweist schon der gut gefüllte Plastikbecher, neben dem ein Schild pro Foto zur freiwilligen Spende von 20 Cent aufruft. Ein kleines Taschengeld für den Tagesausflug der Truppe: Denn Jens' Kumpels haben sich ausnahmsweise mal einen Wellness-Tag im nahegelegenen Center-Park gegönnt.

Pizzataxi versorgt Fans beim 24h-Rennen

Bei all den Torturen muss Luxus auch mal sein. Das dachten sich auch Oli und seine Mannschaft. Sie gönnten sich nach dem Aufbau ihres aufwändigen Aprés-Ski-Lagers eine Pizza vom Pizza-Taxi. Nur wie findet der Pizzabote ausgerechnet die Feierwütigen in diesem Labyrinth aus Wald, Zelten und Autos seine Kunden? "Ganz einfach", sagt Oli. "Du stellst dich einfach drüben an den Weg und winkst."

Die Belohnung hatten sich die insgesamt 25 Jungs und vier Mädels wirklich verdient. Ihre Behausung fällt auf: Passend zum Aprés-Ski-Motto hängen die Skier überm Zelteingang,  eine Schaum-Maschine soll den fehlenden Schnee ersetzen und der Boden ist mit Heu ausgelegt. Zum Aprés-Ski gehört natürlich auch Alkohol: Rund 570 Liter Bier sind seit Wochenbeginn schon geflossen.

Erfindergeist rund um die Nordschleife

In der Nachbarschaft residieren Jens und seine Kumpels. Sie haben den Wellness-Trend ähnlich wie Philipp interpretiert – allerdings etwas simpler. Sie haben eine alte Badewanne einfach über das Lagerfeuer gestellt. "Beim ersten Mal sind wir noch mit dem Mofa hierhergefahren", erzählt er in Eifler Dialekt. "Dieses Mal sind wir schon zu 15. Mal hier."

Mit den Jahren rüstete die Clique nicht nur vom Zelt zum Wohnwagen auf, sondern wurde auch immer erfinderischer. Christoph baute eigens eine Biertrinkmaschine, mit der gleich sich gleich vier Leute gleichzeitig "druckbetanken" können. Vielleicht sollten sich die Organisatoren von "Jugend forscht" öfter mal am Nürburgring umschauen.

Bianca Leppert

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Foto

S. Baldauf / R. Kah

Datum

24. Mai 2013
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