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Mercedes SLS AMG GT3, Mercedes 300 SEL 6.8 AMG 7 Bilder Zoom

Technik-Konzept Mercedes-Benz SLS AMG GT3: Chassis, Motor, Aerodynamik und Sicherheit

Sehnig gespannte Haube, grimmige V8-Wumme, armdicke Sidepipes, schwingende Türen, fetter Heckflügel: Der Mercedes-Benz SLS AMG GT3 verkörpert wie kein zweites GT3-Auto den Bubentraum vom perfekten Rennwagen - ganz nach dem SLS-Motto: Sport Leicht Super.

Rückblende in den Juli 1971: Vier Jahre nach Gründung der Mercedes-Tuning-Schmiede AMG setzt das Unternehmen einen ersten, viel beachteten Akzent im Motorsport. Beim legendären Langstreckenklassiker in Spa Francorchamps, Belgien, taucht die AMG-Equipe mit einem glutroten Mercedes Benz 300 SEL 6.8 AMG auf der Rennstrecke auf. Mit dem mächtigen Flaggschiff gelingt beim 24h-Rennen auf Anhieb ein Klassensieg - der Mythos der Marke AMG ist begründet.
 
Schnellvorlauf in den Juli 2011: Vier Dekaden später belegt das AMG-Kundenteam Black Falcon - mit der gleichen roten Farbgebung und der identischen Startnummer 35 - mit einem Mercedes SLS AMG GT3 den dritten Gesamtrang beim 24-Stunden-Rennen in Spa.

In 40 Jahren hat sich wahrlich viel verändert. Die AMG-Spezialisten für Power und Kurven-Carving sind mittlerweile ein integraler Bestandteil des Mercedes-Konzerns, zuständig für die sportlich geschliffenen Topmodelle der Marke, aber auch mit Federführung beim ersten echten Sportwagenprojekt von Mercedes seit langer Zeit, dem 2009 vorgestellten Frontmotor-Sportcoupé Mercedes SLS AMG.

GT3-Rennwagen auf Basis des Mercedes SLS AMG

Natürlich hat sich auch der Rennsport seit 1971 drastisch weiterentwickelt: Moderne Technologien haben die Motorsportwelt ebenso verändert wie neue Reglements. Das im Jahr 2006 von der Weltmotorsportbehörde FIA eingeführte GT3-Reglement beispielsweise erlaubt die relativ unkomplizierte Verwandlung eines Straßensportwagens in ein Rennauto, das heute fast überall auf der Welt bei Langstreckenrennen und GT-Championaten eingesetzt werden kann. So ist der Mercedes SLS AMG GT3 kein Unikat mehr wie noch der alte SEL von 1971: Im Starterfeld des belgischen Langstrecken-Klassikers tummelten sich 2011 sieben SLS AMG GT3 - und bis heute wurden über 45 Fahrzeuge an Kundenteams ausgeliefert.

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In Zusammenarbeit mit der HWA AG - die auch die Einsätze der Mercedes-Fahrzeuge in der DTM koordiniert - wurde 2009 die Idee geboren, auf den GT3-Zug aufzuspringen. Mit relativ kurzem Vorlauf entstand auf Basis des Mercedes SLS AMG einer der spektakulärsten GT3-Rennwagen der Szene: Unter der ellenlangen Haube grantelt ein Muskel bepackter V8-Motor mit 6,3 Liter Hubraum, die weit zurückversetzte Pilotenkanzel hat als Blickfang - und historische Reminiszenz an die 300 SLR und 300 SL von 1954 - zwei erhaben aufschwingende Flügeltüren. Im Verbund mit dem knappen und knackigen Heck entstand so eine einzigartige Silhouette - die auch im Rennsport sofort große Begehrlichkeit auslöste.

Verwandlung vom Straßenauto zum Rennwagen

Die wichtigsten Modifikationen bei der Verwandlung vom Straßenauto zum Rennwagen sind auch für den Außenstehenden auf den ersten Blick zu erkennen: Um die aerodynamische Performance zu optimieren und Abtrieb zu generieren, wurde eine neue Frontschürze mit integriertem Splitter und seitlichen Flaps entwickelt. Die Abluft der Motorkühler tritt nun mittig in einem riesigen Schlund aus der Motorhaube aus.
 
Im Seitenbereich wurden Radhausentlüftungen und modifizierte Seitenschweller integriert, ergänzt um Kühlluftkanäle für die Bremsen an der Hinterachse. Der Unterboden wurde glattflächig gestaltet und mündet im Heckbereich in einen Diffusor mit breiten Expansionskanälen. Der unübersehbare Gegenspieler des Heckdiffusors ist der einstellbare Heckspoiler, der 134 Millimeter über den Heckabschluss des Mercedes SLS AMG GT3 hinausragt.

6,3-Liter-V8 leistet über 500 PS

Beim Antriebskapitel konnten sich die Ingenieure von AMG und HWA auf die schon serienmäßig vorhandenen Bärenkräfte des 6,3-Liter-V8-Motors verlassen. Wie im GT3-Sport üblich, kann und soll nur wenig am Motor verändert werden - und wenn überhaupt, dann um die mechanische Stabilität und Zuverlässigkeit sicherzustellen. Beim 6,3-Liter-V8 wurden daher nur der Ansaugtrakt sowie der Ventiltrieb und natürlich die Abgasanlage überarbeitet.
 
Die endgültige Motorleistung wird von der Weltmotorsportbehörde FIA zu Beginn jeder Saison bei Vergleichsfahrten mit anderen GT3-Wettbewerbern sowie in Relation zum Leergewicht festgelegt. Die meisten GT3-Wagen liegen hier in einem Korridor zwischen 500 und 560 PS, bei einem Leergewicht zwischen 1.200 und 1.350 Kilogramm.
 
Die Kraftübertragung übernimmt im Mercedes SLS AMG GT3 ein sequenzielles Sechsgang- Renngetriebe mit bedienfreundlicher Wippenschaltung am Lenkrad. Ein integriertes Lamellen-Sperrdifferenzial unterstützt die Arbeit der Traktionskontrolle und erleichtert den Umgang mit dem leistungsstarken V8-Triebwerk, das bereits serienmäßig aus Gründen der Gewichtsverteilung hinter der Vorderachse eingebaut ist.
 
#Das Layout der Radaufhängungen lehnt sich eng an die Serienkonfiguration des SLS AMG an: An beiden Achsen übernehmen doppelte Querlenker die Radführung, die Optionen zur Setup-Justierung sind aber nahezu unbegrenzt, weil Dämpfer, Fahrzeughöhe und Stabilisatoren individuell eingestellt werden können. Eine Stahl-Rennsportbremsanlage mit Renn-ABS sorgt zudem für artgerechte Verzögerungswerte.

26 Rennsiege in der ersten Saison

Die Standfestigkeit des GT3-Konzeptes konnte bereits in der ersten Rennsaison unter Beweis gestellt werden. Gut 30 Fahrzeuge spulten in den unterschiedlichsten Championaten und Langstreckenrennen über 250.000 Rennkilometer ab - und holten dabei 26 Rennsiege. Entwicklungsfahrer Bernd Schneider zog nach der ersten Saison zufrieden Bilanz: „Die Kombination aus optimaler Gewichtsverteilung, tiefem Schwerpunkt, kraftvollem V8-Motor und effizienter Aerodynamik lässt den SLS AMG GT3 sehr wettbewerbsfähig erscheinen.“

Eine traditionell hohe Aufmerksamkeit genießt bei Mercedes-AMG das Thema Sicherheit. Auch im Rennauto gaben sich die Schwaben alle erdenkliche Mühe, den Freizeit- und Profi-Piloten maximal zu schützen. Als erster Anbieter im GT3-Segment überhaupt setzten AMG und HWA im Kundensport eine extrem robuste Sitzkiste aus hochfestem Carbon (CFK) für den Fahrer um. Die integrierte Sitzschale wird speziell für jeden Fahrer aufgeschäumt, der Überrollkäfig aus Stahl, der mit dem Alu-Space-Frame-Chassis des Mercedes SLS AMG verschraubt wird, legt sich wie ein Kokon um den Fahrer und schützt so besonders den Kopf-, Hals- und Schulterbereich optimal.
 
Obwohl die Cockpit-Kanzel beim SLS sportwagentypisch eher klein ausfällt, finden auch Sitzriesen im SLS AMG GT3 bequem Platz, weil die Pedalerie ebenso einstellbar ist wie das Lenkrad und die eigentliche Sitzhöhe. Auf diese Weise ist dann auch ein ausreichender Sicherheitsabstand zwischen Fahrerhelm und Dach gewährleistet.
 
Um die Insassensicherheit im Rennauto zu verifizieren, durchlief der Mercedes SLS AMG GT3 sogar ein internes Crashtest-Programm im Mercedes-Benz Technology Center mit Front-, Seiten- und Heckaufprall-Tests. Ein statischer Dacheindrücktest, der die Belastungen bei einem Fahrzeugüberschlag simuliert, rundete die Untersuchungen ab.

Sicherheit trotz Flügeltüren

Beim Thema Sicherheit standen die Entwickler übrigens vor einer kniffligen Herausforderung: Die Flügeltüren des Mercedes-Benz SLS AMG GT3 werfen zwangsläufig die Frage auf, wie sich ein Pilot im Falle eines Überschlages aus seiner ungemütlichen Lage befreien soll oder befreit werden kann. In der vergangenen Saison kamen aus Sicherheitsgründen die Serientüren zum Einsatz, die mittels einer pyrotechnischen Vorrichtung entriegelt werden können, sollte das Fahrzeug einmal auf dem Dach landen. 2012 können die Kundenteams auf leichtere Kohlefaser-Türen mit zweistufigem Verschließmechanismus wechseln. So ist sichergestellt, dass die Türen von außen und innen jederzeit aus ihren Scharnieren ausgeklinkt werden können.
 
Auch beim Thema Kunden-Support haben AMG und HWA keine Mühen gescheut: Bei allen bedeutenden internationalen und nationalen GT3-Championaten sowie bei ausgewählten Langstreckenrennen erhalten die Teams Unterstützung vor Ort. Ein Online-Portal für Ersatzteile sowie eine Hotline stellen sicher, dass auch an Rennwochenenden keine Kunden mit offenen Fragen zurückbleiben.
 
Aufgebaut werden die Kundensport-Rennwagen an der Wiege von AMG - in Affalterbach nahe Stuttgart. Nur sechs bis zehn Tage benötigen die Fachkräfte, um einen flammneuen Mercedes SLS AMG GT3 aus Tausenden von Einzelteilen aufzubauen. Wie bei AMG üblich, ist die Fertigung der Motoren - nach dem System: Ein Mann, ein Motor - reine Handarbeit und eine echte Einzelanfertigung. Auch der Mercedes Benz 300 SEL 6.8 AMG war 1971 eine Einzelanfertigung - aber damit enden dann auch alle historischen Parallelen. Denn heute werden in Affalterbach GT3-Kundensportfahrzeuge im Dutzend produziert.

Von am 3. August 2012
Heft 05 / 2012
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