Schräglage, Querbeschleunigung, Geschwindigkeit: Das alles spielt sowohl im Automobil- als auch im Ski-Rennsport eine entscheidende Rolle. Siegen tut, wer schnell ist und das Gerät beherrscht - ganz gleich ob jenes nun schwarze Gummis oder messerscharfe Stahlkanten trägt. Beim Auto & Ski-Event in Zell am See und Saalbach-Hinterglemm bestritten Profis beider Sportarten eine Kombination der etwas anderen Art.
Neuauflage des sport auto-Auto & Ski-Events
Ein Tag nach Kitzbühel. Was für ein Termin! Da ist aufgrund des schweren Sturzes des österreichischen Ski-Rennläufers Hans Grugger in der berühmt-berüchtigten Mausefalle der Streif nicht nur die Ski-Firma Head gebeutelt, die dem gebürtigen Bad Hofgasteiner das Material stellt. Da sind auch die aktiven und ehemaligen Skirennprofis durch die Bank mehr als gut beschäftigt. Ergo stand fest, dass das Skifahrerfeld bei der Neuauflage des sport auto-Auto & Ski-Events 2011 im Salzburger Land schwer zu füllen sein würde. Aber dass es den Veranstaltern schlussendlich gehen würde wie den zehn kleinen Negerlein im gleichnamigen Kinderlied, stand bis zum Anreisetag des für Montag den 24. Jänner angesetzten Happenings nicht wirklich zu erwarten.
Das brandneue Hotel Tauern Spa in Kaprun war gebucht, die Zimmer warteten auf ihre vorübergehenden Bewohner. Allein - nicht alle kamen. Head-Renndirektor Rainer Salzgeber, Gesamtsieger der ersten Auto & Ski-Kombi von Sölden im Jahr 2005, und Ex-Ski-Rennläufer Leonhard Stock sagten aus beruflichen, Kombinations-Olympiasiegerin Anita Wachter aus gesundheitlichen und Abfahrts-Olympiasieger Patrick Ortlieb aus privaten Gründen kurzfristig ab. Dadurch schrumpfte die Skifahrer-Riege ad hoc um die Hälfte.
Vier Ski-Weltcup-Profis gegen neun Motorsportler
Schlussendlich standen bei der Auto & Ski-Aktion, bei der jeder der aktuellen und ehemaligen Spitzensportler es nicht nur mit der eigenen, sondern auch mit der Disziplin des jeweils anderen zu tun bekam, vier ehemalige Ski-Weltcup-Profis neun aktiven Motorsportlern gegenüber. Insbesondere sport auto-Partner Audi hatte mit Matthias Ekström, Martin Tomczyk und Markus Winkelhock gleich drei DTM-Werkspiloten der Saison 2010 aufgeboten. Da der automobile Wettbewerb auf allradgetriebenen Audi S4 Avant ausgetragen wurde, passte der Umstand, dass mit Marc Basseng (Phönix Racing/VLN) und Le Mans-Sieger Marco Werner zwei weitere für und mit der Ingolstädter Marke erfolgreiche Piloten am Start waren, perfekt ins an beiden Tagen von den vier Ringen geprägte Bild.
Glänzten jene doch auch auf den zwar von Head konzipierten, aber von Audi in Auftrag gegebenen, designten und bei Gerg in München Hohenthann in Autoclaven gebackenen Karbon-Ski. Jene hatten dank Mithilfe des Head-Repräsentanten Christian Gappmaier nach ihrer Weltpremiere auf der Streif den direkten Weg zum sport auto-Event Auto & Ski nach Kaprun gefunden.
Handlingprüfung im Audi S4 auf Schnee
Am ersten Veranstaltungstag spielten die schwarz-grauen Prototypen mit der vorn beweglich gelagerten, optisch gleichsam schwebenden Aluminium-Bindung freilich noch keine Rolle. Auf der von Rallye-Ass Sepp Haider perfekt präparierten und pünktlich zum Auto&Ski-Event mit frischem Schnee überzuckerten Eisfläche der Audi Driving Experience in Zell am See waren erst einmal die Motorsportler in ihrem Element. Drei verschiedene Disziplinen standen auf dem Plan. Zuerst einmal die für die Gesamtwertung relevante Handlingprüfung im bereits erwähnten Audi S4. Dreimal galt es den rund 900 Meter langen, durch auf Schneewänden thronenden Pylonen markierten Parcours schnellstmöglich zu umrunden. Die in der Tabelle in der Fotoshow auftauchenden Strafsekunden erklären sich entweder mit demUm- oder Überfahren einer Pylone (plus fünf Sekunden) oder einer mangelhaften Punktbremsung am Ende der Strecke. Sowie neben dem vorderen Fahrzeugüberhang auch ein Teil der Vorderachse oder mehr aus der zuvor markierten Fläche herausragte, wurde das Zeitkonto mit weiteren fünf Sekunden belastet.
Ein Reglement, das insbesondere Hannes Trinkl, den Abfahrtsweltmeister von 2001, weit zurückwarf. Mit der reinen Fahrzeit von 3.29,11 Minuten aus drei Durchgängen hätte der Skifahrer so manchen Motorsportler locker im Griff gehabt, wenn - ja wenn - da nicht die Sache mit der Übersicht gewesen wäre. Mit insgesamt 15 Strafsekunden für zwei gekegelte Pylonen und einen Stillstand außerhalb des Haltetores ließ sich unterm Strich dann kein Staat mehr machen. Audi R8 LMS-Pilot und Rallye Cross-Teamchef Marc Basseng kam mit seiner gänzlich anderen Taktik allerdings auch nicht wirklich weit nach vorn. 3.33,82 behutsam herausgefahrene und daher strafsekundenfreie Minuten reichten schlussendlich ebenfalls nur für den fünften Platz der Autowertung.
Fehler machen wie F1-Weltmeister Vettel
Was dem 32-Jährigen, der auf die Frage nach den von ihm erzielten Zeiten leicht betreten bekannte: "Och, ich war langsam", dann aber stolz hinzufügte: "Aber ich habe keine Fehler gemacht", prompt einen fiesen Konter von Robert Lechner einbrachte: "Na ja, mit langsam Fahren und keine Fehler machen kommst du im Rennsport auch nirgendwo hin. Schau dir den Vettel an. Der hat in der letzten Saison einen Fehler nach dem anderen gemacht. Und jetzt ist er Weltmeister." Sprach’s und absolvierte dieselbe Übung dann gleichfalls ohne Fehler aber ein gutes Stück flotter.
Der gefühlvollen Fahrweise des Salzburger Jung-Unternehmers hatten selbst die DTM-Profis Matthias Ekström und Martin Tomczyk nichts entgegenzusetzen. Zwar konnte der Schwede mit 1.06,21 Minuten im ersten Lauf die Tagesbestzeit verbuchen. Im zweiten Run kickte jedoch auch er eine Pylone. Tomczyk überpacete bereits im ersten Run beim Bremsmanöver und kassierte in der Folge ebenfalls fünf Strafsekunden. Das offizielle Endergebnis der automobilen Fahrdynamikprüfung: Lechner vor Ekström, Tomczyk, Winkelhock und Viebahn. Inoffiziell ließ noch das Ergebnis der außer Konkurrenz mitgefahrenen Herren Sener (sport auto) und Gappmaier (Head) aufhorchen. Erstgenannter wäre, wenn er Ski- oder Autorennfahrer gewesen wäre, mit insgesamt 3.25,40 Minuten Sieger, Letzterer mit 3.30,48 Minuten Fünfter geworden. Da schau mal einer guck!
Fun-Wettbewerb im KTM X-Bow auf Schnee
Dass der Sieg in der Gesamtwertungsrelevanten Audi S4-Prüfung keine Eintagsfliege war, wie seine Kollegen ihm schmunzelnd unterstellten, bestätigte Robert Lechner beim anschließenden "Race of Champions" auf demselben Trainingsgerät in der Folge eindrucksvoll. Bei dem im k.o.-Verfahren durchgeführten Fun-Bewerb, bei dem je zwei Fahrer zeitgleich auf den einander gegenüberliegenden Seiten einer stilisierten Acht starten, und der gewinnt, der nach zwei Runden als Erster die Ziellinie überquert, hatte der Salzburger Motorsportler die Nase gleichfalls vorn. Lechner gewann vor Werner und Tomczyk.
Frauenstil ist schneller auf Eis und Schnee
Erst auf dem ebenso mit Spikereifen versehenen, aber hinterradgetriebenen KTM X-Bow kamen dann andere zum Zuge. Hier hatte nach einer Runde auf dem identischen Handlingkurs schlussendlich VLN-Pilot Jörg Viebahn gut Lachen. Er gewann vor Matthias Ekström, der bekannte - „Ich habe Frauenstil gefahren. Das ist normalerweise schneller auf Eis und Schnee. Aber Lady Understeer hat nicht geklappt diesmal“ - und Marc Basseng. Weil sowohl Lechner als auch Ekström aufgrund beruflicher Verpflichtungen dem folgenden Skitag fernblieben, standen die Zeichen für den Gesamtsieg des im Auto-Bewerb drittplatzierten Martin Tomczyk ausgesprochen gut.
Doch da hatte der gebürtige Rosenheimer die Rechnung ohne Helmut Mayer und Jörg Viebahn gemacht. Bei dem 44-jährigen ehemaligen Ski-Rennläufer stand ja zu erwarten, dass er die Konkurrenz auf der Piste in ihre Schranken weisen können würde. Dass aber auch der aufgrund einer kurzen, jedoch heftigen Handballer-Karriere Knieseits tüchtig lädierte Engelskirchener Unternehmer Jörg Viebahn ihm im Riesentorlauf noch derart viele wertvolle Sekunden wegschnappen würde, hat dann doch überrascht. Zwar lagen die beiden Motorsportler nach Wertungspunkten mit deren elf noch gleichauf.
Da beim direkten Vergleich jedoch die tatsächlichen Zeitdifferenzen aus beiden Disziplinen herangezogen wurden, musste der DTM- dem VLN-Piloten schließlich doch den Vortritt lassen. Platz vier des Gesamtklassements ging an DTM-Fahrer Markus Winkelhock, Platz fünf an die ehemalige österreichische Riesenslalom- und Super-G-Spezialistin Stefanie Schuster. Ski-Legende Franz Klammer belegte den sechsten Rang und beschloss gemeinsam mit Abfahrtsweltmeister Hannes Trinkl, der hauptberuflich Motorsport betreibenden Konkurrenz alsbald Nachhilfeunterricht in Sachen Skifahren zu geben: "Die Jungs und Mädels sind auf Ski bereits jetzt absolut schnell und angstfrei unterwegs. Wenn wir da noch ein wenig an der Technik feilen, rücken sie uns beim nächsten Mal schon ein gutes Stück näher auf den Pelz. Ihr werdet‘s sehen." Na - wenn das kein Ansporn ist.






