Perfektionstraining: Zweiter Anlauf

Wenn die Teilnehmer mit 400 PS und mehr antreten, kann die Luft für den vorausfahrenden Instruktor schon mal dünn werden - profunde Renn- und Ringerfahrung hin oder her. Dann hilft nur noch ein nicht minder kompetenter fahrbarer Untersatz aus der Klemme.

Erfahrung zählt viel - das gilt auch und besonders auf der 20,8 Kilometer langen Nordschleife des Nürburgrings. Wer die anspruchsvolle Berg- und Talbahn in der Eifel nicht aus dem Effeff beherrscht, ihre kritischen Passagen und Asphaltwechsel nicht genau einzuschätzen weiß, der wird in der Grünen Hölle stets ein schlechter Ratgeber sein. Ergo gilt: Der hohe Anspruch der Strecke setzt eine nicht minder hohe Qualifikation der Instruktoren voraus. sport auto trägt diesem Umstand mit einem Instruktoren-Kader erster Güte Rechnung. Wer sein Wissen unter den gestrengen Augen des für die Gesamtkoordination verantwortlichen Sachsenring-Chefs Ruben Zeltner im Rahmen der ausschließlich in der Eifel gastierenden Perfektionstrainings weitergeben will, muss profunde Renn- und Ringkenntnisse mitbringen.

Entsprechend liest sich die Namensliste der 20 im September versammelten Trainer wie ein Who is Who des deutschen Tourenwagensports. Dass ausgewiesene Nordschleifenspezialisten hier überproportional stark vertreten sind, versteht sich dabei fast von selbst. Trotzdem fiel es den ausgebufften Profis in den vergangenen Jahren nicht immer leicht, den souveränen Guide zu geben. "Wenn du mit einem serienbereiften, gutmütig untersteuernden 280-PS-Coupé sportbereiften BMW M3 CSL-Fahrern etwas vormachen willst, ist in engen Ecken schon Einfallsreichtum gefragt", lautete eines von vielen Zitaten zum Thema. Aufgrund der zunehmenden Klasse der Teilnehmerautos - 300-und-mehr-PS sind längst die Norm, 500 bis 600 PS starke Tuning- Porsche keine Seltenheit -, war auch den Instruktoren an Aufrüstung gelegen.

Ausreichend Leistung ist eine Vorraussetzung

"Prinzipiell dient das Guidefahren zwar dem Finden der Ideallinie, aber wenn der Trainer die Teilnehmer beständig einbremsen muss, ist auch nichts gewonnen", bringt Rallye-Profi Zeltner die Sache auf den Punkt. "Vor diesem Hintergrund ist die Zahl der in Frage kommenden Instruktorenautos begrenzt", weiß auch sport auto-Chef Horst von Saurma. "Umso mehr freut uns die stete Bereitschaft unserer langjährigen Partner aus der Industrie, uns eine immer größer werdende Zahl immer hochklassigerer Sportwagen zur Verfügung zu stellen." Den Zugriff auf Supersportler vom Schlage eines Lamborghini oder einer Corvette wissen auch die Instruktoren zu schätzen: "Ich war wirklich begeistert von Motor und Abstimmung der Z06", konstatiert Markus Lungstrass. "Die Corvette hat selbst in engen Ecken nicht untersteuert, und das Head-up-Display ist für Instruktoren schlicht der Hit. Einzig das ABS geht zuweilen zu früh in den Regelbereich."

"Mein Gallardo LP 560-4 war genau das richtige Fahrzeug, um die überwiegend aus Porsche GT2 bestehende Bande aus Norwegen und Luxemburg im Zaum zu halten", freute sich Wolfgang Kaufmann, Gewinner des 24h-Rennens von Bahrain. "Schon in der Beschleunigungsphase ist meiner Gruppe durch den tollen Sound des Zehnzylindermotors fast der Helm geplatzt. Unglaublich, wie oft ich von den Teilnehmern auf eine Mitfahrgelegenheit in dem italienischen Brenner angesprochen wurde." Mitfahrten zuhauf waren auch im Schäfer-Mini Cooper S Clubsport gefragt. Wobei der Umstand, dass dem cupbereiften 230-PS-Zwerg auch weit stärkere Sportwagen nur schwer etwas vormachen können, stets für Begeisterung sorgte. Hier gilt: Schnell ist, wer leicht ist.

Alternativ hilft "Leistung bis der Arzt kommt". Jene bescheinigte Frank Schmickler dem ihm von Porsche-Tuner TechArt zur Verfügung gestellten Turbo. "Auf der Autobahn sieht hier jeder nur die Endrohre, und die Verarbeitung ist erste Sahne. Nur der Tank ist für so viel Leistung schlicht zu klein geraten." Markus Gedlich freute sich vor allem über den Automatikmodus des Doppelkupplungsgetriebes im BMW M3: "Das ist absolut perfekt zum Instruieren. Da braucht man sich selbst bei sportlicher Fahrweise nicht aufs Schalten zu konzentrieren, sondern kann fahren, im Rückspiegel die Teilnehmer im Auge behalten und gleichzeitig funken."

Markus Oestreich im BMW M3

Auch Ex-Truck-WM-Profi Markus Oestreich befand, dass das mit Michelin Pilot Sport Cup bereifte BMW M3 Coupé "dem alternden Rennfahrer doch sehr entgegenkommt - schon wegen des agilen V8- Motors. Sind einem die Verfolger einmal zu dicht auf den Fersen, reichen meist 80 Prozent der maximalen Drehzahl aus, um wieder ein kleines Sicherheitspolster zu gewinnen." Bei Kurvenfahrten hatte der Nordhesse im aktuellen M3 aufgrund der größeren Masse allerdings weniger Spaß als im M3 CSL vom Typ E46 und wünscht sich, dass "die Münchner in naher Zukunft ein Pendant zu diesem reinrassigen Racer auf den Markt bringen, damit die jetzigen CSL-Fahrer auch ihr neues Spielzeug wieder im BMW-Laden erstehen können."

Gänzlich ungeteiltes Lob erhielt Audis R8 von Rallye- und Nordschleifen- Profi Wolfgang Weber: "Der fährt nicht wie ein Audi, sondern besser", strahlte der Bayer nach rund 900 Kilometern in der Grünen Hölle. "Die Balance ist vom Feinsten und der maximal mögliche Lenkeinschlag einfach unglaublich für einen Allradler. Wenn man das mal weiß, traut man sich sogar zu driften. Die Momentenverteilung gibt das nämlich her."

Zwar nicht quer jedoch zur Gänze zufrieden unterwegs war auch Lizenztrainer Paul-Martin Dose: "Der Jaguar XKR-S hat gegenüber der Basis in Sachen Handling und Sportlichkeit spürbar zugelegt. Die Seitenneigung ist geringer geworden, ohne dass der Komfort darunter gelitten hätte. Und die große Bremse kann dem starken Kompressor-V8 nun auch jederzeit Paroli bieten." Von den Porsche-Piloten war ohnehin fast nur Positives zu Vernehmen: "Was sollte man an einem GT3 oder GT3 RS auf der Rennstrecke auch auszusetzen haben?" grinsten Uwe Wächtler und US-Racer Klaus Graf im Paket. "Mit solchen Autos bist du für alle Eventualitäten gerüstet." Mit solchen Trainern und Partnern auch.

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Sven Müller

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