Alles über Aston Martin DBS
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Aston Martin DBS im Supertest: Das James Bond-Auto auf der Rennstrecke

Dem Aston Martin DBS alles abzuverlangen, ist zwar nicht unbedingt die vornehme Art, doch der Supertest mit dem knapp 250.000 Euro teuren DBS im Grenzbereich ist ungemein unterhaltsam. James Bond hat's schließlich noch viel schlimmer getrieben ...

Wir ersparen uns den Kommentar zu den Material mordenden Stunteinlagen im Bond-Film Casino Royale und enthalten uns auch der sonst üblichen, seiner Herkunft und Preisklasse Tribut zollenden Lobeshymnen auf den Aston Martin DBS. Dazu schieben wir die in diesem Umfeld stets in den Vordergrund gerückten Themenbereiche Stil, Eleganz und Tradition zunächst beiseite und zäumen das edle Pferd - auch wenn’s ungewohnt ist - im Supertest ausnahmsweise mal etwas anders auf.

517 PS starkes und über 300 km/h schnelles Topmodell

Betrachten wir den Aston Martin DBS also ganz sachlich und ungerührt. So, als wäre er ein stinknormales Auto: Eines mit konventionellem Benzinmotor, normalem Schaltgetriebe, zwei Türen und zwei Sitzen - und mit Stärken und Schwächen wie jedes andere auch. Schauen wir mal, wie lange das funktioniert. Die ungewohnte Gleichbehandlung könnte es vielleicht einfacher machen, sich diesem extrem teuren, weil überwiegend handgearbeiteten britischen Überflieger neutral und sachlich zu nähern und seiner inneren Werte ansichtig zu werden. Denn davon hat das 517 PS starke und deutlich über 300 km/h schnelle Topmodell der Zwölfzylinder-Baureihe fraglos eine Menge zu bieten.

Im Bereich des Chassis beispielsweise: Bei ihm handelt es sich um eine intelligente Zusammenführung extrem fester und leichter Materialien aus Aluminium-Strangpressprofilen, Gussknoten und überaus teuren Magnesium-Bauteilen. Die Karosseriehaut des Aston Martin DBS besteht gleichfalls aus Aluminium, die im vorderen und hinteren Stoßfängerbereich mit piekfein verarbeiteten Kohlefasermaterialien eine optisch dezent formulierte, homogene Verbindung eingeht.

Klassisch britisches Understatement

Hinter den großen Rädern des Aston Martin DBS - hier drehen sich immerhin 20-Zöller - erkennt der Kenner der Materie bereits ein erstes sichtbares Indiz dafür, dass in diesem Umfeld nicht gekleckert, sondern geklotzt wird. Bremsscheiben aus Keramik-Verbundwerkstoff, an der Vorderachse im Durchmesser knapp 40 Zentimeter groß, weisen schon optisch auf die ungeheure Energie hin, die sie im Extremfall umzuwandeln haben. Die beiden von der Andeutung eines Diffusors aus Kohlefasermaterial eingefassten Auspuff-Endrohre sind wiederum dezent gehalten und nicht, wie in diesem Genre sonst üblich, optisch auf Krawall gebürstet.

Bis auf die Andeutung einer Spoilerlippe in der Front, moderat ausgeformten Schwellerlösungen in den Flanken und einem kleinen, kecken Bürzel auf dem Kofferraumdeckel finden sich in puncto Aerodynamik am Aston Martin DBS keine weiteren Hinweise darauf, dass der Rennsport hier als Pate zwangsweise Beistand leisten musste. Ein - wie es aussieht - ganz normales Coupé für den Alltag also, mit fließenden Linien, homogenen Proportionen, edlen Materialien und nicht zuletzt auch dezenten Farbgebungen innen und außen.

Der Aston Martin DBS schwimmt bei allem offensichtlichen Bemühen um optische Zurückhaltung dennoch niemals unauffällig oder gar unentdeckt in der Masse mit, sondern zieht auch aus der Entfernung jeden Blick mit der ihm eigenen Magie auf sich. Das hat vermutlich mit jener britischen Aura zu tun, von der angelsächsische Esoteriker ja behaupten, dass man sie sehen könne. Keine Angst: Wem diese Gabe fehlt, dem erschließt sich dennoch etwas von dem, was den Aston Martin DBS sonst noch so besonders macht - und wenn es nur der Klang ist, der jede Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wer den Zwölfzylinder auch nur einmal mit einem Ohr gehört hat, dem wird die Auto- beziehungsweise Sportwagen-Zukunft ab sofort womöglich noch trostloser vorkommen. 

Akustischen Extravaganzen eines Zwölfzylinders

Wenn es dereinst so weit sein wird, dass die Elektromotoren im großen Chor ihr Lied von der C02-freien Fortbewegung summen, dann wird mit Wehmut die unwiederbringliche Zeit besungen werden, in der die akustischen Extravaganzen eines Sechsliter-60-Grad-Zwölfzylinder-V-Motors noch zum Alltag gehörten. Der ungemein warme Ton des Aston Martin DBS-Triebwerks, die gleichmäßige Taktfolge, das gurgelnde Grollen und das kernige Sägen - all das sind Zeichen eines Talents, das die Sprache des vergangenen Jahrhunderts in geradezu beispielhafter Weise erlebbar macht.

Ihn als laut zu bezeichnen - was messtechnisch sicher zu belegen wäre -, hieße, einen wahren Klassiker von höchstem Rang zu düpieren. Selbst sich im Bannkreis des Aston Martin DBS aufhaltende Zaungäste spüren (so sie denn nicht völlig immun sind) den wohligen Schauer am Rücken, der sich einstellt, sobald der Zwölfzylinder wie von einem Paukenschlag angekündigt die Arbeit aufnimmt, um kurz dannach wieder in dezentes, sozialverträgliches Grollen zu verfallen.

Hoher Verbrauch der kapitalen Verbrennungsmaschine

Untrügliche Zeichen für die sich um den Aston Martin ausbreitenden Begeisterungswellen sind die nach oben zeigenden Mundwinkel und die verträumt ins Unendliche wandernden Blicke. In solchen Momenten ist zumindest für die Besatzung alles vergessen, was sich möglicherweise an kleinem oder großem Unbill angehäuft hat. So etwa der auch wegen des verhältnismäßig kleinen Tanks immer wieder stark in den Blickpunkt rückende Verbrauch der kapitalen Verbrennungsmaschine des Aston Martin DBS.

19 Liter im Durchschnitt sprechen eine deutliche Sprache. Oder die nicht durchgehende, von einer störenden Ablage unterbrochene Mittelarmlehne, an der man sich beim Schalten gelegentlich den Musikantenknochen anschlägt. Auch die etwas schwergängige Kupplung sowie das auf schlechter Wegstrecke einsetzende Lenkradzittern und die verzögert einsetzende Bremswirkung bei Nässe sind Dinge, die der Fahrer eines Aston Martin DBS billigend in Kauf nimmt, um ja nur wieder schnell in den direkten Einflussbereich dieser grandiosen Maschine zu kommen.

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Ungeachtet der aus verbrauchstechnischen Gründen gewählten, ellenlangen Übersetzung macht sich das Sechsliter-Aggregat extrem schneidig daran, Bedenken bezüglich der Durchsetzungskraft auch gegenüber dieser internen Problematik im Ansatz zu zerstreuen: Die aussagekräftige Prüfung in Sachen Elastizität - den Sprint zwischen 80 bis 180 km/h im letzten (6.) Gang - erledigt der Aston Martin DBS in kurzweiligen 17,8 Sekunden. Das sind nur gut zwei Sekunden mehr, als für einen klassischen Supersportler wie beispielsweise des 560 PS starken Lamborghini LP 560-4 zu veranschlagen sind. Aus dem Stand vergehen 4,6 Sekunden bis Tempo 100 und deren 13,8 bis 200 km/h. Und das, obwohl der Aston Martin DBS - besonders bei kalten Antriebsreifen - hinsichtlich der Traktion mit spürbaren Verlusten arbeiten muss.

DBS geht mit einem Sechsganggetriebe an den Start

Zudem geht der Aston Martin DBS nicht etwa mit einer Automatik, sondern mit einem konventionellen Sechsganggetriebe an den Start, das in Sachen Schaltgeschwindigkeit gegenüber einem aktuellen Doppelkupplungsgetriebe vielleicht doch etwas im Nachteil ist. Aber abgesehen von der einen oder anderen Zehntelsekunde, die dem Aston Martin DBS dadurch möglicherweise verloren geht, ist die konventionelle Art, mit einem soliden, griffigen Schaltstock in der Hand das immense Leistungsangebot nach eigenem Gusto zu portionieren, nach wie vor ein Genuss. Wenn auch eine etwas kräftigere Handhabung dabei gefordert ist, so macht es dennoch Freude, durch die drei Schaltgassen zu surfen.

Das Lob gilt im Großen und Ganzen auch für das Fahrverhalten des Aston Martin DBS. Wenngleich hinsichtlich seiner charakterlichen Ausrichtung bei der ersten Kontaktaufnahme doch ein paar Fragezeichen auftauchen. Die Tatsache, dass der Aston Martin DBS zunächst einen etwas behäbigen Eindruck hinterlässt, ist aber weniger der Masse geschuldet, die mit 1.727 Kilogramm auf einem für seine Größe akzeptablen Niveau liegt, sondern der beim Rangierbetrieb etwas indifferent wirkenden Lenkcharakteristik. Man hat es spürbar mit einem großen Auto zu tun. Das gravitätische Bewegungsmuster passt zwar in gewisser Weise zur aristokratischen Ader des britischen Coupés. Es überdeckt aber bei gemäßigter Fahrweise eine Kernkompetenz, die ihm explizit ins Lastenheft geschrieben wurde und die erst im weiteren Verlauf der fahrdynamischen Untersuchungen sukzessive offenkundig wird.

Eindrucksvolle Zeiten in Hockenheim und auf der Nordschleife

Letztlich belegen die eindrucksvollen Zeiten in Hockenheim und auf der Nordschleife mit der ihnen eigenen Überzeugungskraft, dass der DBS beileibe kein Blender ist. Oder, um es mal so zu formulieren: Der DBS ist in puncto Fahrdynamik objektiv erheblich besser aufgestellt, als sein gemäßigter Gran Turismo-Auftritt suggeriert. Was die Sache noch erfreulicher macht: Die sportlichen Meriten müssen keineswegs durch unbotmäßige Handhabung oder gar Waghalsigkeit erkauft werden.

Die Rundenzeiten fließen ihm sozusagen aus dem Antriebsstrang. Das in engen Kurven zu notierende leichte Schieben über die Vorderräder lässt man sich in der vom DBS gezeigten Form gern gefallen, so lange ein Hecktriebler dieser Größenordnung auch beim Übersteuern friedlich bleibt. Tatsächlich zeigt der Aston bei angemessener Nutzung seiner Talente und Ressourcen keine missliebigen Eigenschaften, sei es in Form von plötzlichen, schwer kalkulierbaren Ausbruchsversuchen oder durch etwaige prätentiöse Lastwechselreaktionen.

Dass der Umgang mit der Macht generell eines besonderen Fingerspitzengefühls bedarf, das vorzugsweise bis hinunter in den Gasfuß reichen sollte, muss nicht extra betont werden - speziell wenn auf die Sicherungsmaßnahmen der elektronischen Fahrhilfen verzichtet werden soll. Bei Nässe ist davon eher abzuraten, weil der mit einer hohen Vorderachslast von 908 Kilogramm antretende Zweisitzer zwar lange stabil den Lenkbefehlen folgt, aber infolge der serienmäßig energischen Impulse an der Hinterachse auch recht plötzlich die Seitenhaftung aufgibt.

Der gut gemeinte Versuch, der hohen Anspruchshaltung seitens der physiologisch eher auf Komfort, psychologisch aber gleichzeitig oft auf Sport gepolten Klientel gerecht zu werden, führt allerdings im Ergebnis - wie so oft - zu einem Kompromiss. So offenbart das Basis-Setup des Aston Martin DBS eine unschlüssige Mischung aus kernigem Abrollen der breiten Reifen auf kleinen Unebenheiten einerseits und einem etwas zu nachgiebigen Schwingen der Karosserie auf langen Bodenwellen andererseits.

In der Sportstufe agiert der Aston Martin DBS zwar konsequenter, indem er insgesamt auf knochentrocken umstellt. Die gezeigte Härte passt aber weder zum Charakter des Coupés noch zu den Bedingungen, die der normale Alltag fordert. Eine bessere Rundenzeit auf der Nordschleife ist mit dem Sport-Setup ebenfalls nicht zu realisieren, weil die Fahrbarkeit und mithin das Vertrauen unter der Verhärtung leiden. Nur auf topfebenem Terrain, wie beispielsweise auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim, erschließt sich der Sinn derart straff gewählter Dämpfereinstellungen: Entsprechend überzeugt der Aston Martin DBS dort dann auch mit sehr unmittelbaren Reaktionen auf die Lenkbefehle - vornehmlich deshalb, weil die Seitenneigung der Karosserie unter diesen Umständen erheblich minimiert ist und die Linie daher besser zu treffen und auch zu halten ist.

Sportlichkeit als oberste Priorität

Die vom Aston Martin DBS ausgesandten Signale trügen also nicht: Weder die ergonomisch perfekt geformten Sportsitze noch die riesige Bremsanlage dürfen als hohles Versprechen verstanden werden. Sie sind logische Bestandteile eines Gesamtsystems, das der wahrhaftigen Sportlichkeit oberste Priorität einräumt. Die Befürchtung, der Anspruch als Stil-Ikone könnte darunter leiden, erweist sich dabei als völlig unbegründet. Die Mischung aus der unsichtbar auf die Alu-Haut tätowierten Grandezza und jugendlicher Dynamik ist in dieser Ausprägung tatsächlich selten anzutreffen.

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Datum

26. Januar 2013
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 01/2009.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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