Alpina B3 Coupé im Supertest: M3-Alternative von Alpina

Rundenzeit Nürburgring Nordschleife
6 von 10 Punkten 8.14 min

In Anbetracht des für diese Zwecke deutlich zu soft abgestimmten Setups ist das Ergebnis mehr als akzeptabel. Immerhin gehen die Feder/Dämpferelemente an einigen Stellen sowohl in der Zug- als auch in der Druckstufe hart bis an den Anschlag. Dass das Alpina-Coupé selbst dabei noch souverän in der Spur bleibt, zeugt von den extrem hohen Ressourcen in puncto Fahrsicherheit. Auf der Döttinger Höhe erreicht der B3 mit 261 km/h fast das vom (entdrosselten) M3 vorgelegte Tempo.

Rundenzeit Kleiner Kurs Hockenheim
7 von 10 Punkten 1.16,1 min

Abgesehen von der starken Seitenneigung der Karosserie offenbart der Alpina auf diesem ebenen Terrain keine unangenehmen Auffälligkeiten. Die mit der optionalen Differenzialsperre ausgerüstete Hinterachse ist extrem spurtreu und bleibt damit gewissenhaft auf der von der Vorderachse vorgegebenen Linie. Die Traktion ist gut entwickelt. Insgesamt begeistert der Alpina mit sehr neutralem Fahrverhalten. Die Rundenzeit liegt um drei Zehntel über der im Einzeltest gefahrenen Zeit.

Beschleunigungs-/Bremsprüfung
7 von 10 Punkten 22,5 sek
Beschleunigung 0-200 km/h: 17,6 s
Bremsen 200-0 km/h: 4,9 s
Gesamtzeit resultiert aus Addition beider Messwerte

Mit dem Switch Tronic-Arrangement im Antriebsstrang gerät die Sprintprüfung zum Kinderspiel. Entweder man lässt die Automatik walten oder man greift alternativ mit manuellen Eingriffen selbst ins Geschehen ein. Die Gangwechsel gehen äußerst geschliffen vonstatten und überzeugen auch mit schnellen Reaktionen. An der Traktion gibt es dank der optionalen Sperre nichts auszusetzen. Die Bremsanlage zeigt auch im heißen Umfeld der Rennstrecke keine Schwächen. Die Verzögerungsleistungen liegen knapp unterhalb derjenigen des M3. Der war allerdings mit Sportreifen angetreten, die bekanntlich tendenziell positiven Einfluss auf die Bremsleistungen nehmen.

Windkanal: Aerodynamische Balance
8 von 10 Punkten
Fahrzeugstirnfläche: 2.140 m²
Luftwiderstandsbeiwert: 0.29
Luftwiderstandsindex: 0.63
Vorderachse: 12 kg Auftrieb Hinterachse: 13 kg Auftrieb

Das B3 Coupé geht unter aerodynamischen Aspekten gegenüber dem Serien-335i deutlich verbessert ins Rennen – zumindest was die Auftriebswerte angeht. Die sind sowohl an der Hinterachse als auch an der Vorderachse minimiert: Vorn sind es lediglich 12, hinten 13 Kilogramm, um die die jeweilige Achse entlastet wird. Allerdings ist der cW-Wert geringfügig in Mitleidenschaft gezogen worden: 0,29 anstatt 0,28 wie beim 335i. Auf die bestechenden Geradeauslaufeigenschaften hat dies aber ebenso wenig Einfluss wie auf die Windgeräusche, die auch hier auf sehr niedrigem Level sind. Die achtbare Höchstgeschwindigkeit von 285 km/h ist das Ergebnis strammer Motorleistung und ausgefeilter Aerodynamik.

Maximale Querbeschleunigung
8 von 10 Punkten 1.20 g

Die 19-Zoll-Michelin-Bereifung (Pilot Sport) weist auf der Vorderachse eine Größe von 245/35 auf. Auf der Antriebsachse sind üppige Formate in der Größe 265/30 montiert. Trotz der als insgesamt für gut befundenen Trockengrip-Eigenschaften kommt der Alpina über eine maximale Querbeschleunigung von 1,2 g nicht hinaus. Der 335i erreichte 1,15 g; der M3 brachte es auf 1,25 g. Die deutlich auf Komfort abzielende Fahrwerksabstimmung und die schwache Stabi-Auslegung sorgen für eine recht hohe Roll- und Wankneigung der Karosserie. Sportliche Höchstleistungen standen augenscheinlich nicht im Lastenheft.

36-Meter-Slalom
9 von 10 Punkten 135 km/h

Schon beim harten Einlenken geht der Vorderbau tendenziell auf Block – eine Folge der weichen Federn in Kombination mit einer schwachen Stabi-Auslegung. Durch die starke Rollneigung fällt es schwer, die vorgegebene Linie korrekt zu treffen. Dass der BMW Alpina B3 trotz allem stoisch auf Kurs bleibt, ist ein Phänomen: absolut neutral, ohne Tendenz zum Aufschaukeln zieht das Coupé trotz der Setup-Schwäche seiner Bahn. Erstaunlich auch das hohe Durchschnittstempo von 135 km/h. Der sportbereifte M3 ist im Ergebnis nämlich gerade mal 3 km/h schneller.

Ausweichtest 110 Meter
8 von 10 Punkten 143 km/h

Die Umsetzung der Lenkbefehle geschieht sportwagenmäßig direkt – mit der Einschränkung, dass die Karosserie wie beschrieben umgehend in starke Seitenneigung fällt. Die gute Agilität ist natürlich auch den breiten Reifen auf der Lenkachse zu verdanken. Was die übrigen Reaktionen angeht, so stellt sich hier dasselbe Verhaltensmuster ein wie beim Slalom: Die Feder/Dämpferelemente gehen vorn auf der belasteten Fahrzeugseite auf Anschlag. Eine straffere Abstimmung könnte insgesamt Wunder wirken.

Nasshandling
4 von 10 Punkten 1.35,9 min

Dass der mit Sportreifen (Michelin Pilot Sport Cup +) bestückte M3 dem mit gängigen Pilot Sport-Pneus ausgerüsteten Alpina-BMW ausgerechnet auf nassem Terrain drei Sekunden aufbrummt, erscheint auf den ersten Blick unlogisch. Tatsache ist aber, dass das Nassgripverhalten der Michelin-Sportreifen spür- und messbar besser entwickelt ist als das der normalen Pilot Sport-Spezifikation – vorausgesetzt, ihm ist nicht zu kalt um die Flanken. Auf dem künstlich bewässerten Nasshandlingkurs können die Reifen allerdings ihre Aquaplaning-Eigenschaften kaum oder gar nicht beweisen. In diesem Punkt sind Sportreifen benachteiligt, weil die Aufnahmefähigkeit ihres Profils stark begrenzt ist.

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