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Lexus LFA mit Nürburgring Package, Frontansicht 33 Bilder Zoom

Lexus LFA mit Nürburgring Package im Supertest: Japanischer Ring-Geist

Die Ehrerbietung gegenüber der legendären Nürburgring Nordschleife nimmt kein Ende: Der auf 500 Stück limitierte Lexus LFA, in der Basisversion bereits 560 PS stark und 375.000 Euro teuer, kommt jetzt in einer Extraauflage mit einem Performance-Paket, das die Spezialisierung in jeder Hinsicht auf die Spitze treibt, wie der Supertest zeigt.

Es gibt nichts, was nicht noch etwas besser gemacht werden könnte. Nur fällt in den meisten Fällen zu einem bestimmten Zeitpunkt die Klappe und - zack - ist es mit der ins Auge gefassten Nachbesserung ein für allemal vorbei. Man kennt das Prinzip nur allzu gut aus der Schule. Auch bei Textterminen ist das so: Klappe zu, Affe tot. Baureihen- und Projektleiter in der Autobranche wissen erst recht ein Lied davon zu singen. Ist die Produktion erst angelaufen, verhallt der Einwand - „Chef, ich hab da noch eine Idee!“ im Ernstfall plötzlich und unerwartet mit einem kühl formulierten Abschiedsgruß.

Okay, kleine Nachjustierungen hier und ein Facelift nach ein paar Jahren dort - das geht. Zündende Ideen zur weiteren Optimierung müssen jedoch meist so lange konserviert werden, bis sie im Nachfolgemodell umgesetzt werden können. Es sei denn, man ist Chefingenieur beim japanischen Premiumhersteller Lexus. Die erst 1989 neu gegründete Toyota-Tochter, Produzentin diverser Oberklasselimousinen und unter anderem Anbieter einer beachtlichen Palette von Hybridfahrzeugen, nimmt für sich in Anspruch, eine Produkt- und Fertigungsqualität zu bieten, die weltweit Maßstäbe setzt. Das bedingt eine hohe Flexibilität.

Weltklasse-Supersportwagen der Toyota-Tochter

Erst recht dann, wenn es um etwas so Einmaliges wie einen von Grund auf neu entwickelten State-of-the-Art-Sportwagen geht. Haruhiko Tanahashi, besagter Kopf des Lexus LFA-Ingenieurstabes, präzisiert: „Seit Beginn des Projekts im Jahr 2000 treibt uns die Leidenschaft an, einen Weltklasse-Supersportwagen zu bauen, auf den nicht nur wir stolz sein können. Wir wollten auch unsere Kunden stolz machen und ihnen ein einzigartiges Fahrgefühl vermitteln.“

Für einen Newcomer im Sportwagengeschäft heißt es daher, stets am Ball zu bleiben und auf Neuheiten schnell und flexibel zu reagieren. So hat schon während der Entwicklungsphase des Lexus LFA eine komplette Metamorphose stattgefunden: Die fast fertig entwickelte Aluminium-Konstruktion wurde zu Gunsten eines neuen Kohlefaser-Chassis aufgegeben, weil neue, selbst entwickelte Fertigungsverfahren die Herstellung eines solchen plötzlich möglich machten. Eine üblicherweise völlig ausgeschlossene Verwandlung, die nun, wenn auch in kleinerem Umfang, ihre Fortsetzung findet.

Ungeachtet der extrem langen Entwicklungszeit und der Kürze seiner Marktpräsenz geht Lexus nun schon ab diesem Frühjahr mit einer neuen Modellvariante an den Markt. Einer, die den ohnehin schon hohen Status Quo des Basis-LFA nochmals deutlich übertreffen soll. Da taucht die Frage auf: Ist der Nachrüstungsbeschluss bloß die Fortführung des bei Lexus üblichen Prozesses, der es erlaubt, nach bestem Wissen und Gewissen kontinuierlich neue Ideen einfließen zu lassen, oder ist es eine Reaktion auf die in jüngster Zeit stärker gewordene Gegnerschaft?

LFA-Nachrüstung ist sehr kostenintensiv

Nun - da trotz der strikten Limitierung und des drohenden Ausverkaufs kein Nachfolger in Sicht ist, darf man vermuten, dass die fortlaufende Perfektionierung des Projekts ureigener Bestandteil des Lexus LFA-Drehbuches ist. Wie kostenintensiv solche Prozesse sind, lässt sich im Fall des neuen, innerhalb des 500er-Kontingents noch einmal auf 50 Exemplare limitierten Sondermodells, leicht nachvollziehen. 70.000 Euro beträgt der Aufpreis für das dem Nürburgring gewidmeten Package - und das bei einem Basispreis von ohnehin schon 375.000 Euro.

Alle Achtung: Für einen Sportwagen, der neu in der Szene ist und dem die Worte Tradition und Image bislang sprichwörtlich am kantigen Heck vorbeigingen, ist das eine selbstsichere Ansage. Der Preis für den Lexus LFA mit Nürburgring Package klingt horrend, erklärt sich aber bei näherer Betrachtung nicht nur im getriebenen Aufwand, sondern vor allem auch durch das Resultat im Supertest.

Wie wertvoll die von der verbesserten Aerodynamik, der Fahrwerksanpassung und den speziell entwickelten Reifen zugestandenen Sekunden am Ring sein können, hat schon manchen Sportfahrer überrascht, der schmerzlich entdecken musste, wie teuer das Bewegen vermeintlich kleiner technischer Stellhebel kommt. Ob eine um vier Sekunden geringere Rundenzeit auf der Nordschleife ausreicht, die Investition frohgemut zu legitimieren, muss jeder Lexus LFA-Fan für sich entscheiden.

Gepimpter Lexus LFA gewinnt deutlich

Fakt ist: Fahrspaß und Überzeugungskraft des gepimpten Lexus LFA mit Nürburgring Package haben gefühlsmässig deutlich mehr gewonnen, als es die vier Sekunden Zeitvorsprung im Supertest gegenüber der Basis ausdrücken. Unbekanntes Entwicklungspotenzial mit Hilfe des vollumfänglich auf die Belange der Nordschleife zugeschnittenen Supersportlers auch bei sich selbst zu erschließen, mutet angesichts einer kühnen Ansage seitens Lexus nebenbei bemerkt gar nicht so abwegig an: Danach soll es todesmutigen Lexus LFA-Jüngern gelungen sein, sich den Nürburgring in ganz besonderer Weise zu Eigen zu machen.

Die Rede ist von einer Rundenzeit auf der Nordschleife, die laut Pressemitteilung von Lexus-Testfahrer Akira Iida, der in Personalunion auch die LFA-Einsätze bei den letzten 24h-Rennen am Nürburgring leitete, im Herbst 2011 realisiert worden sein soll: 7.14,6 Minuten. Und zwar - darauf legt man Wert - mit demselben Reifentyp, der auch auf dem käuflich zu erwerbenden Lexus LFA mit Nürburgring Package montiert ist - spezielle Bridgestone Potenza RE070. Unzählige Testfahrten sowie Einsätze in der Langstrecken-Meisterschaft und beim 24-Stunden-Rennen hätten, so Iida-san, ganz wesentlich dazu beigetragen, den LFA (und sicher auch sich selbst; Anm. d. Red.) auf einen so hohen Entwicklungsstand zu bringen.

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Hut ab - da können wir mit unseren fünf Runden Ring-Experience im Lexus LFA nicht ganz mithalten. In der Profi-Liga geht der kühn konstruierte, aber nach traditionellem Muster konzipierte Frontmotor-Sportwagen nicht umsonst als bunter Hund durch - und das nicht nur wegen seiner grellen Farbe. Dass er dank seines professionellen Auftritts und seiner umgänglichen Art den Spitzenerzeugnissen der Sportwagen-Kaste eng auf den Fersen ist beziehungsweise Paroli bieten kann, lässt sich angesichts der im Supertest gefahrenen Rundenzeit - 7.34 Minuten - nicht in Abrede stellen.

Mit Nürburgring Package fällt die 1.10er-Marke

Auch auf „neutralem“ Boden, dem Hockenheimring, unterstreicht das Lexus-Spitzenprodukt seine herausragende Klasse: Blieb das 560 PS starke Basismodell auf dem Kleinen Kurs noch deutlich über der magischen Zehner-Zeit (1.11,0 min), schafft es der Lexus LFA mit Nürburgring Package im Supertest nunmehr, die Marke zu deutlich zu knacken: 1.09, 5 Minuten. Mit dieser Vorstellung schließt er sich einer kleinen, aber feinen Leistungsgruppe an, die mit ihm auch das Leistungsniveau auf der Nordschleife teilt. Die Analogien auf dem Boden der Tatsachen kommen schließlich nicht von ungefähr.

In Sachen Leistungsgewicht und Reifenspezifikation sind - um nur zwei Aspekte zu nennen - keine signifikanten Unterschiede zu den profiliertesten europäischen Gegnern auszumachen. Dessen ungeachtet gibt es genügend Alleinstellungsmerkmale, die dem reizenden Lexus LFA mit Nürburgring Package eine markante Sonderstellung einräumen. Seine Herkunft, seine besondere Bauart und die konsequente, durch nichts verbrämte Bereitstellung fahrdynamischer Kunstfertigkeiten.

Allein beim Anblick des Motors, eines leistungsmäßig noch einmal geringfügig nachgebesserten Zehnzylinder-Saugers, schießt der Herzschlag rasant in die Höhe - erst recht, wenn er per Startknopf zum Leben erweckt wird. Der Klang: sirenengleich. Die Drehfreude: wie eine Turbine. Seine minimalen Schwungmassen ermöglichen es dem Lexus LFA, in kürzester Zeit Höchstdrehzahlen bis zu 9.000/min bereitzustellen. Genauso schlagartig stellt er die Arbeit ein, sobald die Versorgungsstränge unterbrochen sind. Ähnlichkeiten mit der Charakteristik veritabler Rennmotoren werden in diesem Umfeld gern zitiert - auch hinsichtlich des nicht mehr ganz in die Zeit passenden Verbrauchs.

Update bringt längsdynamisch Vorteile

Mit dem Nürburgring-Paket gelingt es dem Lexus LFA erstmals im Supertest auch längsdynamisch, die nominell achtbaren Leistungsdaten in angemessene Bewegungsenergie umzusetzen - obwohl die Steigerungen gegenüber dem Basis-Lexus LFA im Supertest 2010 anderen Faktoren als der Motorleistung zuzuschreiben sind. Das nach konventioneller Art automatisierte, also mit Aktuatoren arbeitende, mechanische Sechsganggetriebe kommt seiner anspruchsvollen Aufgabe nun nicht nur viel eleganter nach, sprich: mit geringerer Geräuschentwicklung bei den Gangwechseln. Sondern auch die Launch Control moderiert den Sprint jetzt in angemessener Perfektion, weshalb das Erreichen der Werksangabe - 3,7 Sekunden bis 100 km/h - unter guten Bedingungen und bei alleiniger Nutzung der 1.562-Kilo-Rakete eine Selbstverständlichkeit sein dürfte.

In 11,2 Sekunden ist der Lexus LFA auf 200

Mit zwei Personen und vollem Tank zoomte sich das mit einer mechanischen Lamellensperre arbeitende Lexus LFA-Modell im Supertest in angemessenen 3,9 Sekunden auf Tempo 100 und in 11,2 Sekunden auf 200 km/h. Längsdynamisch hat der um 36 Kilogramm abgespeckte LFA somit einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht. Und das trotz der stark erhöhten, geheimnisvollen Kraft, die mit Abtrieb beschrieben wird und die gemäß ihrer Wirkungsweise ausschließlich der Querdynamik zugute kommt. Ungeachtet dessen hat die Höchstgeschwindigkeit - 325 km/h - nicht gelitten.

Im Zuge der Optimierung sind auch die Verzögerungsleistungen - bis zu 12,6 m/s² - so entwickelt, dass sie eines Supersportlers würdig sind. Die konsequente Fokussierung auf die Verbesserung der Fahrdynamik hat insgesamt nicht dazu geführt, dass aus dem bisher so soliden, dem angemessenen Fahrkomfort und der guten Unterhaltung gleichermaßen gewidmeten Lexus LFA mit Nürburgring Package etwa ein rappeliger und freudloser Asket geworden wäre. Der sich perfekt von innen an die Kohlefaser-Haut anschmiegende Käfig schmälert wegen der Querverstrebung über der Frontscheibe zwar den Horizont. Auch sind der Einstieg und die notwendigen Vorbereitungen für den Start, etwa das Anlegen der Renngurte, leicht erschwert.

Unterm Strich aber sind es keine oder nur geringe Unannehmlichkeiten, die die Vorfreude auf das grandiose Lexus LFA-Fahrprogramm schmälern könnten. Die Sitzposition in den eng geschnittenen Rennschalen ist perfekt, selbst unter Komfort-Aspekten. Die Aussicht auf das in 3D erscheinende, bildschöne Instrumentarium ist ebenso exklusiv wie informativ. Alle Bedienungselemente sind streng der Logik unterworfen, sodass die Konzentration allein darauf gerichtet werden kann, was vor einem liegt.

Lexus LFA ein Instrument für Sportfahrer

Auf die Lexus LFA-Hausstrecke, die Nürburgring Nordschleife, bezogen, heißt das: Mit dem neuen LFA wird Sportfahrern ein Instrument in die Hand gegeben, das aufgrund seiner perfekten Umgangsformen und seines geradezu narrensicheren Fahrverhaltens perfekt zu Einsatzort und -zweck passt. Die Nähe zum professionellen Rennsport lässt sich in keinem Punkt verleugnen. Die ungeheure Stabilität in den Grundfesten seines Chassis und die damit einhergehende Reaktionsfreudigkeit auf kleinste Korrekturen am Lenkrad findet sich abseits des Rennsports im Sportwagen-Serienbau nur äußerst selten.

Was weniger routinierte Grenzbereich-Erkunder zunächst als eine besondere Form von Nervosität empfinden, ist demnach nichts anderes als ein Zeichen größtmöglicher Sensibilität und professioneller Hingabe seitens der LFA-Hardware. Hat man dies erst einmal verstanden, empfiehlt sich der Lexus LFA als idealer Sparringspartner zur eigenen Professionalisierung. Und das nicht nur auf dem Ring: Was dort funktioniert, so eine Jahrzehnte alte Erkenntnis, funktioniert schlicht überall.

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Ausgabe

Heft 02/2012
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