Porsche Carrera GT im Test: Überflieger pulverisiert Rekord-Rundenzeiten

Porsche Carrera GT Rundenzeit Nürburgring Nordschleife
10 von 10 Punkten 7.32,40 min

Niedrige Temperaturen, nasse Stellen auf der Fahrbahn und mit Traktionskontrolle unterwegs: Bei der vom 2D-Datarecording aufgezeichneten Rundenzeit auf der Nürburgring-Nordschleife von 7.32 Minuten handelt es sich also sozusagen um einen Minimalwert, der unter idealen Bedingungen sicher noch um gute zehn Sekunden unterboten werden kann. Ungeachtet dessen ist der Porsche Carrera GT der bisher schnellste, je gemessene Straßensportler.

Rundenzeit Kleiner Kurs Hockenheim
10 von 10 Punkten 1.08,6 min

Gute Messbedingungen,Traction Controll off: Das Test-Resultat ist der absolute Rundenrekord für straßenzugelassene Sportwagen auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim. Obwohl für den Porsche Carrera GT konditioniert, handelt es sich bei den freigegebenen Michelin-Reifen wohlgemerkt nicht um die speziellen Sportreifen, sondern um solche des Typs Pilot Sport, die über bessere Eigenschaften vor allem bei Nässe verfügen. Der Grenzbereich liegt trotzdem weit jenseits dessen, was man bisher gewohnt war und ähnelt stark dem Fahrverhalten reinrassiger Rennwagen.

Beschleunigungs-/Bremsprüfung
10 von 10 Punkten 15 sek
Beschleunigung 0-200 km/h: 10,2 s
Bremsen 200-0 km/h: 4,8 s
Gesamtzeit resultiert aus Addition beider Messwerte

Das Erreichen von Bestwerten mit dem Porsche Carrera GT ist ohne ASR und ABD eine Frage des Gefühls im Gasfuß. Die ungeheure Kraft des erstaunlich kultiviert und vibrationsfrei drehenden Zehnzylinders will vom Start weg behutsam eingesetzt werden, wenn die 612-PS-Power nicht im Wheelspin verrauchen soll. 10,2 Sekunden bis Tempo 200 lassen sich realisieren - sogar mit vollem Tank und Beifahrer. Die Keramikbremse mit riesigen Sechskolben-Bremssätteln bewirkt ebenso Gewaltiges: Nach nur 4,8 Sekunden steht der 1.473 Kilogramm schwere Zweisitzer aus Tempo 200.

Windkanal: Aerodynamische Balance
10 von 10 Punkten
Fahrzeugstirnfläche: 1.950 m²
Luftwiderstandsbeiwert: 0.37
Luftwiderstandsindex: 0.72
Vorderachse: 49 kg Abtrieb Hinterachse: 40 kg Abtrieb

Laut Porsche generiert die Carrera GT-Karosserie inklusive des kunstvoll geformten Kohlefaser-Unterbodens bei Höchstgeschwindigkeit (330 km/h) eine Abtriebslast von 400 Kilogramm. Die Windkanalmesssung bis 200 km/h bestätigt diese Aussagen: Der Abtrieb beträgt dabei an der Vorderachse rund 490 Newtonmeter; an der Hinterachse sind es deren 400. Die aerodynamische Balance ist nahezu perfekt austariert. Der Rauch-Test bestätigt sichtbar die Wirkung des eindrucksvollen Flügels ebenso wie die des Heckdiffusors (siehe Fotoshow).

Maximale Querbeschleunigung
9 von 10 Punkten 1.35 g

Die von sport auto im Testschema angenommene Grenze der möglichen Querbeschleunigung für Straßensportwagen (1,4 g) verfehlt der Porsche Carrera GT nur um Nuancen: 1,35 g - obwohl er augenscheinlich nicht auf spezielle Sportreifen vom Schlage eines Michelin Pilot Sport Cup gestellt wurde, sondern in Hinblick auf ausgewogenere Allround-Eigenschaften auf Michelin Pilot Sport. Der signifikante Abtrieb beginnt sich auch hier auszuwirken.

36-Meter-Slalom
9 von 10 Punkten 135 km/h

Die Reaktionen des Porsche Carrera GT sind in der Eingewöhnungsphase geradezu erschreckend direkt. Unter Schleppgas offenbart der Supersportler ein sehr neutrales Fahrverhalten, das sich unter Last in ein extremes Übersteuern verwandeln kann. Der Grenzbereich ist jedoch keineswegs tückisch, weil er exakt definiert ist - zumal bei Bedarf auch die Traktionskontrolle als Versicherung gute Dienste leistet. Mit Hilfe der direkten, aber keineswegs überzogen spitz arbeitenden Lenkung reagiert der Mittelmotor-Sportler recht folgsam auf Gegenmaßnahmen.

Ausweichtest 110 Meter
10 von 10 Punkten 157 km/h

Unbedarften Beifahrern zieht’s die Nackenmuskeln lang, wenn der Porsche Carrera GT im Test durch die Ausweichgasse seine Haken schlägt. Er ist auf den Zentimeter genau zu dirigieren und hält über den ganzen Versuch hinweg das, was er verspricht. Er bleibt also unbeirrbar in der Spur und zeigt nicht das geringste Anzeichen, durch Aufschaukeln den vorgegebenen Kurs verlassen zu wollen. Starke Lastwechsel bringen den Mittelmotor-Porsche an der Hinterachse jedoch leicht an die Grenze der Haftungsreserven.

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Horst  von Saurma

Autor:

SPORT AUTO, Heft 1 / 2004

Beim Supertest interessiert mich am meisten...
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