Alles über Renault Mégane
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Renault Megane RS im Supertest: Viel Sportlichkeit für wenig Geld

Renault Sport ist es zu verdanken, dass der sportliche Ehrgeiz auch in den unteren Fahrzeugklassen nicht verkümmert. Das Spitzenmodell der in Dieppe ansässigen Sportabteilung, der Supertestkandidat Renault Mégane RS, offenbart nämlich ein Preis-Leistungsverhältnis von unerhörtem Reiz: So viel Sportlichkeit für so wenig Geld gab es noch nie.

Man könnte fast glauben, diese Offerte sei rein taktischer Natur. Ähnlich gewiefter Supermarktstrategien, wonach der geneigte Kunde bloß mit Schnäppchenangeboten über die Schwelle gelockt werden muss, um einen Konsumterroristen aus ihm zu machen und seiner Barschaft habhaft zu werden. Aber dieser Fall ist bei näherer Betrachtung doch etwas anders gelagert.

Erstens handelt es sich beim Renault Mégane RS schon optisch kaum um ein Ramschwarenprodukt. Und zweitens dürfte er aufgrund seiner technischen Konzeption gleichfalls kaum in den Ruch kommen, größere Autofahrerkreise mit Hilfe subversiver Strategien an sich binden zu wollen. Schließlich gehört der Supertestkandidat aufgrund seines selbstbewussten Auftritts und angesichts seiner kernigen Konstitution mit zum Besten, was der Automarkt im Allgemeinen und der französische im Besonderen auf dem sportlichen Sektor zu bieten hat.

Renault Mégane RS überzeugt mit Handlichkeit

Und dann dieser Preis für den Renault Mégane RS: 26.950 Euro - eine Summe, welche die auf demselben Parkett tanzende Konkurrenz, vornehmlich die deutsche, fast beschämen muss. Die Frage ist erlaubt: Wer, außer der im französischen Dieppe ansässigen Sportabteilung von Renault, fühlt sich aus den Reihen elitärer Sportwagenanbieter ähnlich stark dem Nachwuchs verpflichtet?
Angesichts der Tatsache, dass sich das Angebot im Renault Sport-Portfolio mit dem Mégane RS und den kleineren Modellen Clio RS und Twingo RS erschöpft, hierzulande also kein Aufstieg in höhere Sportwagenklassen möglich ist, erscheint das Programmangebot fast schon wie eine selbstlose Kür. Könnte es gar sein, dass die Offerten der RS-Abteilung von anderen, durchweg in höheren Segmenten aktiven Sportwagenherstellern subventioniert werden, um Sportwagen-affine Kundenkreise heranzuziehen? Doch Spaß beiseite.

Dass es über den Kompaktsportler Renault Mégane RS hinaus derzeit kein stärkeres RS-Produkt aus Dieppe zu kaufen gibt, mag zwar die französische Seele grämen, ist aber schon deshalb kaum beklagenswert, als schon das hier angebotene Leistungsgewicht von 5,6 Kilogramm pro PS ein ausreichendes Maß sportlicher Talente verspricht. Auf öffentlicher Straße lässt sich der flinke Franzose mit dem spontan und wuchtig angreifenden Turbo-Motor eigentlich von nichts und niemandem abschütteln. Meistens ist es sogar er, dieses von sonnigem Gemüt geprägte Leichtgewicht, der weitaus stärker motorisierten Gegnern freizügig seinen runden Hintern zur Ansicht gibt. Dabei ist es weniger die schiere Motorleistung von immerhin 250 PS, die dem Renault Mégane RS auf der Flucht vor drängenden Supersportlern den Vorsprung sichert, als vielmehr der kompakte Auftritt in kongenialer Verbindung mit eindrucksvoller Handlichkeit.
 

Fahrdynamik ohne dass die Sicherheit leidet

So viel Ehrgeiz, wie der Fronttriebler bei der Darstellung seiner sportlichen Talente an den Tag legt, lässt vermuten, dass es eine Vielzahl technischer Kniffe sind, die ihm den anerkannten Status des fahrwerkseitigen Überfliegers zuweisen. Tatsächlich ist er mit einer besonders pfiffigen Vorderachse ausgestattet, die mit einer vom Feder/Dämpfersystem entkoppelten Lenkachse operiert. Das "Independent Steering Axis System" (ISAS) gewährt nicht nur ein Maximum an Lenkpräzision und Traktion, sondern verringert gleichzeitig auch die Einflüsse des Motordrehmoments auf das Fahrverhalten.

Folgerichtig sind die Antriebseinflüsse in der Lenkung auf ein Minimum reduziert. Mit diesem System, das in ähnlicher Form beispielsweise auch beim Ford Focus RS im Supertest zum Einsatz kommt, setzte schon der Vorgänger ab 2004 regelmäßig zum forschen Überholen an, allerdings noch nicht in dieser feinen Perfektion. Der 2,65 Meter lange Radstand, die verbreiterte Spur - 1.594 Millimeter vorn und 1.548 Millimeter hinten -, die Tieferlegung um zehn Millimeter sowie die speziellen 18-Zoll-Räder mit rundum 235 Millimeter breiter Besohlung sichern im Verbund ein Fahrverhalten, das neben großartiger Fahrdynamik auch ein Höchstmaß an Fahrsicherheit bietet.

Ohne ESP kann der Fahrspaß losgehen

Auch wenn die Fahrdynamik bei Weitem nicht so stark vom Mitlenken der Hinterachse geprägt ist wie es etwa beim Raeder-Focus RS im Supertest der Fall war, so drängt der Renault Mégane RS dennoch mit Macht auf die Pole Position. Erst sehr spät deutet er im Normalfall durch leichtes Untersteuern seine Unwilligkeit an, tempomäßig weiter zuzulegen. Nur in schwungvoll angegangenen Passagen mit Wechselkurven ist das Heck gelegentlich geneigt, mit etwas Eigendynamik, sprich: Sidesteps nachzuhelfen. Im Extremfall kann es dann sogar vorkommen, dass launige Drifts über alle Vierte das Fahrprogramm bereichern.

Dass es überhaupt erlaubt ist, sich diesem jederzeit gut zu kontrollierenden Grenzbereich ohne elektronische Regeleingriffe zu nähern, zeugt von dem großen Vertrauen, das die Ingenieure von Renault Sport ihrer jüngsten Konstruktion entgegenbringen - mithin auch ihrer Kundschaft. Angesichts der rundum überzeugenden Eigenschaften wäre es auch eine Schande gewesen, wenn die fahrdynamischen Möglichkeiten der Hardware in den Regelfrequenzen eines nicht deaktivierbaren ESP untergegangen wären.

Sportmodus hält ABS an der Leine

Das "Renault Sport Dynamic Management" ist so konfiguriert, dass es über seine verantwortungsvolle Aufgabe als Redundanzsystem hinaus auch bereit ist, den Talenten des Renault Mégane RS gänzlich freien Lauf zu lassen. Mit einem kurzen Tastendruck wird zunächst der Wechsel vom Normal- in den Sportmodus initiiert. Die Traktionskontrolle erlaubt dann etwas mehr Schlupf an den angetriebenen Vorderrädern, ohne aber automatisch abzubremsen. Auch das ABS greift in der Sportstufe etwas später ein.

Überdies verändert sich das Kennfeld für das elektronische Gaspedal: Es reagiert folglich etwas schneller auf die entsprechenden Befehle. Erst nach längerem Druck auf die ESP-Taste werden die elektronischen Überwachungssysteme schließlich komplett ausgeschaltet. Damit ist auch die elektronische Traktionskontrolle im Renault Mégane RS gänzlich außer Betrieb gesetzt. Dieser Umstand ist fahrdynamisch insofern völlig ohne Belang, als ersatzweise eine mechanische Differenzialsperre weiteres Ungemach in Sachen Traktion vereitelt - sofern es sich an Bord befindet. 
 

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Extras kosten - auch im günstigen Renault Mégane RS

Die Sperre ist exklusiver Bestandteil des optionalen Cup-Fahrwerks, das neben härteren Federn und Dämpfern mit geänderten Kennlinien auch mit einem Rad-Reifensatz in der Größe 235/40 R 18 aufwartet. Leider gerät das eingangs hoch gelobte Preisgefüge des Renault Mégane RS damit wieder etwas durcheinander. Der dafür erforderlichen 1.590 Euro nämlich nicht genug: Noch einmal 2.300 Euro müssen darüber hinaus noch für die lederbezogenen Recaro-Sportsitze einkalkuliert werden. Denn jene sind es letztlich, die für das perfekte Gefüge zwischen Mensch und Maschine verantwortlich zeichnen. Darauf zu verzichten, hieße angesichts der begeisternden Fahrdynamik zweifellos auch ein Stück Fahrfreude aufzugeben.

Im Supertest den Kleinen Kurs in Hockenheim deutlich unter der Zeit des Vorgängers Mégane Trophy umrunden zu können (1.18,8 Minuten), ist in dieser Konfiguration schlussendlich ein Leichtes. Mit der Zeit von 1.17,1 Minuten schlägt sich die aktuelle RS-Variante nicht nur gegenüber seinem Vorläufer, sondern auch im Vergleich zur aktuellen Konkurrenz mehr als wacker - wohlbemerkt ohne die Grip fördernde Wirkung spezieller Sportreifen.Dass es allerdings im Rahmen der Supertestrunden nicht ganz so zügig voranging wie im Vergleichstest zuvor, ist schlicht und einfach mit den unterschiedlichen Temperaturen an den Messtagen in Hockenheim erklärt.

Die Differenz von knapp einer halben Sekunde ist weniger dem unter geringerer Sauerstoffversorgung leidenden Motor als vielmehr den hoch belasteten Reifen (Michelin Pilot Sport) zuzuschreiben. Deren Leistungszenit war beim Supertest aufgrund der höheren Außentemperaturen (20 Grad Celsius) schon vor jenem des Fahrers überschritten. Erstgenannter stellt sich entweder in der ersten, zuweilen aber auch erst in der zweiten gezeiteten Runde ein - je nach Fahrbarkeit des Renault Mégane RS.

Mégane RS beweist im Test Klasse ohne zu protzen

Der bei knappen Minusgraden ausgetragene Vergleichstest ließ die identischen Reifen jedenfalls deutlich stabiler in dem ihnen genehmen Temperaturfenster laufen. Inwieweit sich die Besonderheiten der RS-Karosserie - geschwungene F1-Frontlippe, Radhausentlüftung hinter den Vorderrädern und Diffusor am Heck - auf der Leistungsebene niederschlagen, lässt sich vergleichsweise schwer beziffern. Wie die Messungen im Windkanal ausweisen, sind jedenfalls keine eklatanten Schwächen etwa in Sachen aerodynamischer Balance erkennbar. Auch der cW-Wert bewegt sich weiterhin auf angemessenem Niveau.

Die bei Fronttrieblern übliche Unausgewogenheit in der Gewichtsbalance - 64,3 zu 35,7 Prozent zwischen Vorderund Hinterachse -, ist auch beim Renault Mégane RS ein Thema, nimmt jedoch keinen negativen Einfluss auf das Fahrverhalten im Test. Im Gegenteil: Die Geschmeidigkeit, mit welcher der vollgetankt 1.409 Kilogramm schwere Mégane RS das Supertest-Pflichtprogramm absolviert und dabei auch den einen oder anderen Gegner zu düpieren weiß, ist insofern bemerkenswert, als er auch darüber hinaus kaum eine Gelegenheit auslässt, seine Klasse zu beweisen.

Mit Ausnahme der aufgrund des Cup-Fahrwerks recht harten, sich auf Langstreckenetappen stark ins Bewusstsein prägenden Federung fügt sich der sportliche Franzose lässig und souverän den Gegebenheiten, die der normale Alltag für ihn und seine Besatzung bereit hält. Sein Auftritt - speziell in jungfräulichweißer Lackierung - wirkt keineswegs prollig. Zugleich trägt er aber ein Selbstbewusstsein zur Schau, das ihn kaum in die Situation versetzt, der Nichtbeachtung anheim zu fallen. Die Ehrlichkeit, mit der er seinen professionellen Auftritt inszeniert, bringt ihm selbst in jenen Kreisen Sympathien ein, in denen normalerweise das legendäre Churchill-Bonmot - "No sports" - angesagt ist.

Flinke Reaktionen vom Spritschlucker

Man kann es, wie die Nordschleifenexkursion gleichfalls eindrucksvoll beweist, äußerst wild mit dem Renault Mégane RS treiben - aber man wird nicht unbedingt dazu gezwungen. Schließlich legt der Vierzylinder-Turbo auch in seiner höchstentwickelten Variante Manieren an den Tag, die es einfach machen, ihn zu mögen. Er geht weder laut und unkultiviert ans Werk, noch nervt er mit gewöhnungsbedürftiger Leistungscharakteristik. Argumentativ komplizierter wird es erst, wenn man gezwungen ist, die doch nicht ganz unauffälligen Trinkgewohnheiten zu erklären.
Die Ursache für den Test-Durchschnittstestverbrauch von 12,9 Liter Superbenzin ist, so die Empfehlung für anstehende Rechtfertigungsversuche, schlicht mit dem ungeheuren Reiz erklärbar, den der von einem zweistufigen Twin Scroll-Turbolader massiv unter Druck gesetzte Reihenvierzylinder selbst auf weniger sportaffine Fahrertypen ausübt. Auf kleinste Gaspedalbewegungen spricht der Zweilitermotor besonders in der "Sport"-Einstellung an, als sei er angestochen.

Das für Turbo-aufgeladene Motoren überaus rasche Ansprechverhalten wird seitens der Renault Sport-Entwickler mit dem gesteigerten Ladedruck (1,25 bar) in Verbindung mit der neuen, variablen Steuerung der Einlassnockenwellen begründet. Wie dem auch sei - die Fahrleistungen sind entsprechend souverän. In 6,4 Sekunden - drei Zehntel langsamer als die Herstellerangabe -, zieht es den mit überzeugender Traktion gesegneten Fronttriebler auf der Testgeraden in Hockenheim auf Tempo 100. Bis 200 km/h vergehen 23,6 Sekunden.

Attraktive Sport-Ausstattung gegen Aufpreis

Die Durchzugsmessung, eine unter Turbomotoren wegen des verzögerten Ansprechens früher ungeliebte Disziplin, zeigt gleichfalls vorzügliche Resultate. Sollten diese durchweg stichhaltigen Argumente pro RS trotzdem nicht überzeugen, bleibt als letztes Mittel nur noch der Hinweis auf den günstigen Normverbrauch, der mit 8,4 Liter Superbenzin durchaus den Eindruck erwecken könnte, dass hier auf Kleinwagenniveau gehaushaltet wird. Apropos Norm: Welch hohes Niveau diese im Renault Mégane RS erreicht hat, zeigt am Beispiel des Testwagens auch die Summe attraktiver Ausstattungs- Features, die für Sportler dieses Fachs und dieser Klasse nicht unbedingt selbstverständlich sind.

Nullpunkt-Markierung am lederbezogenen Sportlenkrad, Aluminiumpedale, eine gelb unterlegte Drehzahlmesserskala, elektrische Fensterheber, schlüsselloses Zugangssystem, Klimaanlage, Einparkhilfe, Tempopilot, Licht- und Regensensor, Audioanlage mit 140 Watt Ausgangsleistung, Navigationssystem mit 5,8-Zoll-Farbmonitor. Und obendrein ein sogenannter RS Monitor, der Auskunft über abgerufene Motorleistung, momentanes Drehmoment, Drosselklappenstellung sowie Speicherfunktion für Beschleunigungsund Rundenzeiten enthält. Dies bedeutet in der Summe ein Paket, das zwar deutlich über dem attraktiven Einstandspreis liegt, aber den Wunsch nach Mehr auch auf wundersame Weise verkümmern lässt.
 

Autor

Foto

Rossen Gargolov

Datum

8. Januar 2012
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 02/2011.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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