Alles über Lamborghini Gallardo
Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera, Frontansicht, Teststrecke 30 Bilder Zoom

Supertest Lamborghini Gallardo LP570-4 Superleggera: Durch Abspecken in die Top-Liga?

Ist der Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera nur Superleicht? Im Supertest verschafft sich der leichteste und mithin stärkste Lamborghini Gallardo höchsten Respekt - nicht nur in der Nachbarschaft, sondern auch im Kreise praktizierender Gewichtsfanatiker.

Dass weniger Masse nicht automatisch weniger kostet, dürfte sich - außer am Gemüsestand an der Ecke - sicher schon herumgesprochen haben. Weniger kostet manchmal sogar mehr - das ist bei Dessous nicht anders als bei Kraftfahrzeugen. Zumindest bei solchen, die von zukunftsorientierten Konstruktionsmerkmalen geprägt sind. Als da wären: Eine konsequente Gewichtsreduktion mit intelligentem Ansatz, wie sie etwa der Gallardo LP 570-4 Superleggera von Lamborghini mitbringt.

Zukunftsfähig dank intelligenter Gewichtsreduktionen

Einfach mal 100 Kilo über Bord werfen klingt einfach. Wer auf lieb gewonnene Errungenschaften wie Klimaanlage, elektrische Fensterheber und schmusige, mit Elektronik verkabelte Innenraumausstattungen und aufwendige Sicherheitssysteme verzichten und sich in einer auf das Nötigste beschränkten Karosserie kasteien, oder anders: die automobile Frühgeschichte nacherleben möchte, findet auf dem Oldtimermarkt jede Menge Angebote, welche die 125-jährige Entwicklungsgeschichte des Automobils aufs Trefflichste charakterisieren.

Indes: Zukunftsfähigkeit, besonders in Sachen Sportwagen, sieht heute ganz anders aus. Allein durch Weglassen lässt sich keine Anerkennung mehr gewinnen. Die intelligente Herangehensweise drückt sich vielmehr in einer Forschungsarbeit aus, die ihre Schwerpunkte in intensiver Materialerforschung sieht und nicht mehr vornehmlich in der weiteren Durchdringung mechanischer Abläufe. Denn auch die sind letztlich von sich rasant verändernden Materialzusammensetzungen bestimmt.

Zwei Zentner weniger Gewicht

Das Mindergewicht von knapp 100 Kilogramm, das der Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera gegenüber dem vollgetankt 1.590 Kilogramm schweren Basis-Gallardo (Supertest Lamborghini Gallardo LP 560-4) auf die Waage bringt, ist demnach nicht das Ergebnis einer schnöden Entrümpelungs- Aktion. Dahinter steckt vielmehr eine intelligente Gewusst-wie-Strategie, die im engen Schulterschluss mit der Audi quattro GmbH in Neckarsulm mit zunehmendem Ehrgeiz gepflegt wird.

Im Vordergrund der ebenso wirksamen wie extrem teuren Maßnahmen steht eine sprichwörtlich bunte Ansammlung von Aluminium- und Kohlefaser-Material, das sich, von scharfen Kanten unterteilt, in durchweg piekfeiner Verarbeitungsqualität um den Aluminium-Spaceframe-Körper spannt. Dessen Struktur teilt sich der Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera bekanntlich mit dem Audi R8, dessen Zehnzylinder im 5.2 FSI gleichfalls große Übereinstimmung mit dem des LP 570-4-Aggregats aufweist. 1824174

Superleggera ist kein Blender

Aber lassen wir die zumindest für Lamborghini doch etwas schmerzlichen Parallelen und fokussieren uns auf die Besonderheiten, die im extrem extrovertierten Umfeld des Gallardo LP 570-4 Superleggera regelmäßig mit einem erstaunten Augenaufschlag zur Kenntnis genommen werden.

Die giftgrüne Farbe schmückt den trotz 90 Liter Tankvolumen, 20 Liter Kühlwasser und zehn Liter Ölhaushalt auf 1.493 Kilogramm abgespeckten Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera sicher nicht zu Unrecht: So auffällig sein Erscheinungsbild, so gerechtfertigt ist seine Dominanz.

Laut, lauter, Gallardo

Anders ausgedrückt: Der Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera ist keiner von den Typen, die mit ihrem forschen Auftritt ein mangelndes Leistungsspektrum zu kaschieren suchen. Ob es allerdings sein muss, dass die Auspuffklappen ausgerechnet direkt nach dem Kaltstart auf freien Durchzug schalten und so die Nachbarn gleichfalls zum Frühstart zwingen - darüber lässt sich streiten.

Was im passenden Umfeld - etwa im alten Fahrerlager des Nürburgrings - für freudige Menschenaufläufe sorgt und gewissermaßen als klassische Zehnton-Musik in Vollendung auf der persönlichen Festplatte verewigt bleiben sollte, kann anderswo durchaus dafür sorgen, dass die Grabreden auf den Verbrennungsmotor an Lautstärke gewinnen.

Nicht nur Schein, sondern auch Sein

Angesichts des Privilegs, die charakterlichen Eigenschaften derart polarisierender Probanden mehrheitlich intensiv auf Rennstrecken - in diesem Fall in Hockenheim und auf dem Nürburgring -, erforschen zu können, verblassen kritische Gedanken allerdings in das Unkenntliche. Und es versetzt uns in die glückliche Lage, das Wesen des Lamborghini Gallardo LP 570-4 mit der exklusiven Zusatzbezeichnung "Superleggera" (ital. für Superleicht) intensiv ergründen zu können.

Denn: Wer lediglich den grandiosen Klang und die hinreißende Optik reflektieren und die Liebe zum Objekt nur damit begründen kann, hat den besten Anknüpfungspunkt definitiv verpasst - das fahrdynamische Talent des Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera. Wenngleich: Wo es schon bei vergleichsweise einfacher Geradeausfahrt schwerfällt, das zur Verfügung stehende Leistungs-Repertoire bis zur Neige auszukosten, da sind die Gelegenheiten, das signifikant gestiegene Talent in Sachen Querdynamik ausloten zu können, verständlicherweise noch rarer.

Einer der besten Supersportler

Im Gegensatz zum Basis-Gallardo LP 560-4, der im Supertest anno 2008 noch mit diversen Abstimmungsproblemen behaftet war, gibt sich der LP 570-4 Superleggera nunmehr auch fahrdynamisch so perfekt geglättet, wie es seine reizenden Karosserieflanken vermuten lassen. Der damals noch negative, vermutlich durch eine nicht perfekt angepasste Elastokinematik in den Radaufhängungen bedingte Einfluss des Allradantriebs auf das Fahrverhalten - etwa bei Lastwechseln im Grenzbereich - ist ebenso ausgemerzt wie die einst etwas unberechenbare Drehfreude um die Hochachse.

Oder, um es auf den Punkt zu bringen: Das Fahrverhalten im Grenzbereich entspricht beim Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera nun voll und ganz dem, was von einem in der höchsten Liga spielenden Supersportler erwartet werden darf. Die Fahrbarkeit, mithin das Vertrauen ins System, hat in einem Maß gewonnen, das einen in die Lage versetzt, in Schlagdistanz zu den Besten des Genres gehen zu können.

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Atemberaubende Rundenzeit am Nürburgring

Die Rundenzeit auf der Nordschleife - 7.38 Minuten -, unterstreicht, dass es nunmehr allein dem Fahrer obliegt, in die faszinierenden und manchmal auch beängstigenden Zeitkorridore unterhalb der 7.45-Minuten- Marke abzutauchen. Der generell von einer leichten Untersteuertendenz beherrschte Grenzbereich mutet nur noch selten befremdlich an - etwa wenn an Streckenstücken wie ausgangs der Exmühle erschrocken das Gas gelupft wird und die Hinterachse dadurch plötzlich eine signifikante Entlastung erfährt.

Dann offenbart der tief liegende Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera, wie fast jeder andere Athlet seines Kalibers auch, für einen Augenblick doch wieder das bekannt finstere Gebaren, indem er mit dem Heck sehr plötzlich aus der vorgegebenen Spur drängt. Gut zu wissen: Unter Zug ist dieser die Fahrkünste herausfordernde Wesenszug dank der grandiosen Traktion an allen Vieren gänzlich ausgeblendet.

ABS hält sich vornehm zurück

Das im Gallardo-Supertest 2008 aufgedeckte Problem mit dem nicht ausreichend adaptierten ABS, das infolge der Sportreifen (Pirelli P Zero Corsa) mit unpassenden, weil destruktiven Eingriffen während des Bremsvorgangs reagierte, ist gleichfalls vom Tisch.

Die extrem gute und auch im Rennstreckeneinsatz nicht einbrechende Verzögerungsleistung der schon von der schieren Größe her beeindruckenden Karbon-Keramik- Bremsanlage des Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera versetzt den Fahrer in die souveräne Lage, den Bremspunkt versuchsweise immer mal wieder ein Stück weiter nach hinten versetzen zu können, ohne gleich mit ernsthaften Konsequenzen oder - wie anno 2008 geschehen -, mit einem unberechtigt eingreifenden ABS rechnen zu müssen.

Getriebe und Motor perfekt abgestimmt

Auch das hilft, das Vertrauensverhältnis auf eine neue Ebene zu heben. Doch kommen wir zu dem, was den Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera für den Großteil seiner Fangemeinde ausmacht: zum Motor. Es sind im jetzigen, scheinbar doch noch goldenen Zeitalter für Hochleistungs-Verbrennungsmotoren nicht viele unterwegs, die mit ähnlicher Aufrichtigkeit und Deutlichkeit so offensiv für die Belange einer Spezies eintreten wie dieser Zehnzylinder-Saugmotor, der sich mit Blick auf seine hervorragenden Tugenden ganz zu Unrecht tief im rückwärtigen Motorraum versteckt.

Dem Schwerpunkt kommt dies natürlich extrem zugute.Im Verbund mit dem an seinem hinteren Ende angeflanschten sequenziellen Sechsganggetriebe bildet das höchst kultiviert arbeitende, stets mit starker Stimme argumentierende 5,2-Liter-Aggregat des Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera eine überaus harmonische Einheit - und zwar ungeachtet der von kritischer Seite zuweilen beklagten konstruktiven Rückständigkeit des Getriebekonzepts namens E-gear.

Gallardo braucht sensiblen Fahrer

In Zeiten, in denen sich hoch moderne Doppelkupplungs- und Automatikgetriebe in Sachen Funktionalität und kultiviertem Feinschliff immer näher kommen, fühlt es sich alles andere als anachronistisch an, auf eine konventionell mechanische, aber von hydraulischen Aktuatoren gesteuerte Kraftübertragung zurückgreifen zu müssen.

Dass die Schnittstelle zwischen Mensch und Mechanik auch beim Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera zwei perfekt positionierte Schaltpaddel hinterm Lenkrad sind, macht die Sache ebenso unterhaltsam wie professionell - sofern der Fahrer mit einer gewissen Sensibilität im Gasfuß gesegnet ist

Wer allerdings beim manuell initiierten Gangwechsel nicht mithilft, indem er während des kurzen Schaltvorgangs leicht vom Gas geht, erlebt genau die Ruppigkeit, die dieser fraglos leichtesten und hinsichtlich ihrer Effizienz ebenfalls unschlagbaren Getriebevariante gern als Negativposten angehängt wird.

Tempo 100 in 3,5 Sekunden

Bei voller Leistungsabfrage, etwa im Umfeld der Messgeraden in Hockenheim, spielen Kleinigkeiten wie vermeidbare Schaltrucke naturgemäß keine Rolle. Hier geht‘s ans Eingemachte, sodass einzig die Leistung des Motors und das Tempo der Gangwechsel entscheiden. Der entwaffnende Akt der Beschleunigung beim Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera zeigt nicht etwa aufgrund ungehobelter Gangwechsel brutale Züge, sondern schlicht wegen seiner raumgreifenden Intensität.

Dank des Antriebs über alle vier Räder sind naheliegenderweise keine Traktionsverluste zu beklagen. Einen tief schwarzen Strich hinterlassend springt der Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera förmlich aus dem Stand weg auf Tempo: Den Sprint auf 100 km/h erledigt das nur 1.165 Millimeter hohe Coupé in 3,5 Sekunden. Damit unterbietet er den zehn PS schwächeren Basis-Gallardo um 0,3 Sekunden.

Vertrauen in die Bremsen

Tempo 200 km/h hat ein voll durchbeschleunigter Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera nach 10,6 Sekunden erreicht - womit eine Verbesserung von einer Sekunde gegenüber dem LP 560-4 konstatiert werden kann. Bis sich Fahrwiderstände und die Motorleistung die Waage halten - bei 325 km/h -, lässt sich nebenbei trefflich über die guten Geradeauslauf-Eigenschaften diskutieren - sofern denn die vor einem liegende Gerade Wagnisse dieser extremen Art erlaubt.

Man bedenke: Bei 325 km/h sind es nicht weniger als 90 Meter, die binnen einer Sekunde zurückgelegt werden. Angesichts solcher Distanzen sollte man auf eine Bremsanlage vertrauen können, die den Status Quo mehr als erfüllt: Verzögerungsleistungen von bis zu zwölf m/s2 sind nämlich auch in dieser Fahrzeugklasse durchaus nicht selbstverständlich. Obwohl an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben sollte, dass die Keramikbremse kein Bestandteil des serienmäßigen Ausstattungspakets des Gallardo LP 570-4 Superleggera ist.

Gallardo ist ein komfortabler Rennwagen

Der Aufpreis von stattlichen 14.280 Euro ist allerdings gut investiertes Geld. Auch der feststehende Karbon-Heckflügel ist kein Blendwerk, wie die Windkanalversuche stichhaltig beweisen. Von Abtrieb kann unter seiner Ägide zwar noch keine Rede sein - aber immerhin minimiert er den Auftrieb des Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera auf unmaßgebliche 42 Newton. Beim Basis-Gallardo waren es noch 370 Newton, um die das Heck bei 200 km/h erleichtert wurde.

Die optisch ausgedrückte Professionalität des Lamborghini Gallardo LP 570-4 Superleggera findet also ihre Entsprechung in einem Leistungspaket, das sich in seiner Qualität tatsächlich nah an den Belangen des Rennsports orientiert. Dass es im reizvollen, optisch schmeichelhaft mit Alcantara ausgekleideten Innenraum deutlich wohnlicher und zivilisierter zugeht als in einem echten Profi-Gerät, erzeugt vor dem Hintergrund der auf den Rennstrecken bewiesenen Überzeugungskraft nur zusätzlich große Sympathien.

Von am 15. Juli 2011
Heft 04 / 2011
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