Audi S4 3.0 TFSI, BMW 335i Sport Line, Frontansicht 26 Bilder Zoom

Audi S4 gegen BMW 335i im Vergleichstest: Bayern-Sportler im Ring-Duell

Im bayerischen Freistaat spielen nicht nur die Fußballer in der Champions League. BMW und Audi haben in der Weltelite der Automobilbauer gleichfalls einen Stammplatz inne. Im sportlichen Mittelfeld treffen der Audi S4 und der BMW 335i nun im Vergleichstest auf der Rennstrecke aufeinander.

Übergewichtige Spieler: Was im Fußball Seltenheitswert besitzt, ist in der Automobilbranche längst salonfähig geworden. Wer Sicherheit für Jeden und Alle will - diesbezüglich herrscht klassenübergreifendes Einvernehmen - muss damit leben, dass der automobile Partner schwerer wird.

700-Kilo-Döschen vom Schlage eines VW Golf I oder Citroën AX haben ausgedient. Unter 900 Kilogramm geht selbst in der kompromisslosen Sportwagen-Ecke von Lotus & Co. heute kaum noch was. Da vermögen die 1.795 Kilo Lebendgewicht eines Audi S4 nicht wirklich zu schocken. Begeisterung ist angesichts dieser Leibesfülle allerdings auch nicht angesagt. Denn selbst wer nicht beständig auf der Rennstrecke seine Runden dreht, bekommt zu spüren, dass Masse und Solidität nicht umsonst zu haben sind. Gewicht kostet - spätestens an der Zapfsäule und auch im Falle des serienmäßig allradgetriebenen Ingolstädters.

177 Kilogramm ist der BMW 335i leichter

Während es den mit einem 333 PS starken Kompressor-V6 versehenen Audi S4 im Drittelmix nach 13,9 Liter Super dürstet, begnügt sich der von einem Reihensechszylinder mit Turboaufladung befeuerte 306 PS starke BMW 335i mit 12,8 Liter des edlen Treibstoffs. Beim Minimalverbrauch fällt der Vorsprung des Müncheners mit 8,0 zu 11,8 Liter noch deutlicher aus - und das ganz ohne den auf dem Fahrerlebnisschalter hinterlegten Eco Pro-Modus. Wirklich erstaunen tut dies Ergebnis allerdings nicht. Bringt der BMW 335i mit moderaten 1.618 Kilogramm doch stattliche 177 Kilo weniger auf die Waage als der Audi S4. In Anbetracht der insgesamt deutlich üppiger gewordenen Abmessungen des neuen Dreiers (Länge plus 9,3, Radstand plus 5,0, Spur vorn und hinten plus 3,7 beziehungsweise 4,7 Zentimeter) geht das moderate Gewicht des Newcomers gar als Glanzlicht durch. Üblicherweise wächst mit der Größe nämlich zumeist auch die Masse. Schön, dass dies bei dem neuen Münchener Mittelfeld-Spieler nicht Fall ist. Das lässt auf hurtiges Dribbling hoffen.

BMW 335i hängt gut am Gas

Also auf nach Hockenheim. Dort können Spieler jedweder Statur Leichtfüßigkeit und Temperament beweisen. Die engen Ecken des 2,6 Kilometer langen Kleinen Kurses sind perfekt dazu angetan, dem Trägheitsmoment auf die Spur zu kommen. Hier gilt: Schnell ist, wer zackig die Richtung zu wechseln vermag. Hartnäckiges Untersteuern kostet Zeit. Als erstes betritt der BMW 335i das Feld. Sein um einen Abgasturbolader gebrachter Motor hängt gut am Gas, lässt aber jene Höhepunkte vermissen, die den Bi-Turbo der ersten 35i-Generation auszeichneten. Die im Testwagen mangels Alternativen an Bord befindliche Achtgang-Automatik trägt das Ihre dazu bei, dass dieser Bayern-Sportler deutlich weniger spritzig wirkt als das ehedem bei sport auto dauergetestete BMW 335i Coupé der vorhergehenden Baureihe. Dessen sechs Gänge wurden manuell sortiert.

Unterschiedliche Fahrprogramme zur Auswahl

Auch der aktuelle Dreier mit dem von einem Turbolader unter Druck gesetzten Dreiliter-Reihensechser geht serienmäßig mit Sechsgang-Handschaltgetriebe an den Start. Der ZF-Achtgangautomat kostet Aufpreis, gehört derzeit aber bei allen BMW 335i-Testwagen zum guten Ton. Neben einem bewusst Sprit sparend ausgelegten Fahrprogramm, dem Eco Pro Modus, stellt der auf der Mittelkonsole montierte „Fahrerlebnisschalter“ (O-Ton BMW) die Automatik-Einstellungen Comfort, Sport und Sport+ sowie ein manuelles Fahrprogramm zur Wahl. Wer selbst Hand anlegen will, darf wahlweise die am Lenkrad montierten Schaltwippen oder den Wahlhebel selbst benützen. Für Abwechslung ist also gesorgt.

Audi S4 im Sprint vorne

Über die Maßen flott lässt der BMW 335i mit dem weiß-blauen Propeller-Emblem die Sache freilich nicht angehen. Sowohl beim Kurz- als auch beim Mittelstreckensprint muss der mit dem besseren Leistungsgewicht aufwartende Hecktriebler den allradgetriebenen Audi S4 ziehen lassen. Bis zum Erreichen der 100-km/h-Schallmauer verliert der BMW 335i sechs Zehntelsekunden auf den Audi S4, bis 200 km/h bleiben gar zwei Sekunden auf der Strecke. Das Paket aus kompressorgeladenem Benzindirekteinspritzer und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe liefert in dieser Disziplin die bessere Show.

Womit wir wieder beim Dribbling wären: Auf dem Kleinen Kurs - so viel scheint angesichts der athletischen Figur des BMW 335i sicher - wird der Neuzugang die Scharte mit spielerischer Leichtigkeit auswetzen. Schließlich sind Laufbereitschaft und Quirligkeit im Mittelfeld nicht selten die halbe Miete. Wäre doch gelacht, wenn knapp 180 Kilo Mindergewicht hier keinen Unterschied machen würden. Tatsächlich ist eben jenes aber doch der Fall. Schlimmer noch: Der deutlich leichtere und etwas schwächere BMW 335i ist nicht schneller, sondern gar langsamer unterwegs als der Audi S4. Die vergleichsweise gefühllose Lenkung, eine ausgeprägte Seitenneigung und das deftige Untersteuern des BMW 335i sind im Badischen für 1.17,7 Minuten gut.

Audi S4 wirkt nicht leichtfüßig

Das kann der Audi besser: Er beweist mit 1.16,9 Minuten, dass die Ingolstädter nur fußballtechnisch in der zweiten Liga spielen. Fahrdynamisch haben sie ihre Hausaufgaben fraglos gemacht. Wenngleich die Sache ohne das gegen Aufpreis beim Testwagen an Bord befindliche Sportdifferenzial sicher anders ausgesehen hätte. Nicht zuletzt jenem ist es nämlich zu verdanken, dass das Heck des Allradlers höchst willig mitarbeitet. Untersteuern ist hier kein nennenswertes Thema. Wirklich leichtfüßig wirkt der Mittelfeldspieler mit den Ringen auf dem Trikot allerdings nicht. Ganz so trefflich wie der Porsche Panamera Turbo S kann der Audi S4 seine Leibesfülle nicht kaschieren. An diesem Eindruck dürfte der wunderbar gleichmäßig agierende, aber über keinen wirklichen Peak verfügende V6-Motor nicht ganz unschuldig sein. Die Kompressortechnik lässt grüssen - emotional ist anders.

Beide Kontrahenten sind eher Allrounder als Sportler

Auch die deutlich ausgeprägte Seitenneigung beider Kontrahenten passt nicht wirklich ins Bild austrainierter Mustersportler. Sowohl beim Audi S4 als auch bei BMW 335i hat man bei der Überarbeitung respektive der Neuauflage der Mittelklasse-Limousinen wohl eher das Allroundtalent, denn veritable sportliche Höchstleistungen im Blick gehabt. Das passt und geht schon deshalb in Ordnung, weil sowohl bei der M GmbH in Garching als auch bei der in Neckarsulm beheimateten Audi Sportdependance namens quattro eifrig am M3 respektive RS4 gearbeitet wird. Letztgenannter war auf dem Genfer Automobilsalon sogar schon zu bewundern. Von jenen Kontrahenten dürften auf dem Spiel-Feld ungezügelter automobiler Lebensfreude dann sicher Rundenzeiten von um oder unter 1.15,0 Minuten zu erwarten stehen.

BMW 335i besser beim Bremsen

Aber zurück zum Hier und Heute. Acht Zehntelsekunden Vorsprung auf dem Kleinen Kurs für den Audi S4 also. Das dürfte die Münchener schmerzen, wird jedoch von besseren Ergebnissen bei der Bremsprüfung ein Stück weit kompensiert. Nach der zehnten Vollbremsung aus 100 km/h kommt der im kalten Aggregatzustand eher zögerlich zupackende BMW 335i zwei Meter früher zum Stehen als der Audi S4. Das kann im Falle eines Falles den entscheidenden Unterschied machen.

Auch im auf 18 Meter Abstand gesteckten Slalomparcours hat der BMW 335i die schlanker gewordene Nase vor dem Audi S4. In dieser Disziplin wird der Audi von seinem komfortbetonten Fahrwerk und der in der sportlichsten Stufe überraschend aggressiv zu Werke gehenden Dynamiklenkung eingebremst. Im Komfortmodus fallen die Lenkwinkel zwar größer auf, insgesamt gerät die Fahrt durch den Pylonendschungel dann jedoch eine Spur harmonischer, wenngleich nicht wirklich schneller. Mehr als 65,2 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit waren im S4 nicht drin. Der BMW absolviert die gleiche Übung gutmütig untersteuernd und mit stabilerem Heck mit etwas flotteren 66,1 km/h und sichert sich damit einen weiteren Zusatzpunkt in der primär fahrdynamisch orientierten sport auto-Wertung.

BMW siegt in der Preis-Leistungs-Disziplin

Das letzte und schlussendlich entscheidende Pünktchen zum klaren 44: 41-Sieg, wie auch schon beim Audi-BMW-Duell anno 2009, sichert sich der Münchener in der Preis-Leistungs-Disziplin. Die Grundversion des 335i ist bei BMW bereits ab 45.860 Euro zu haben. Wer den Audi S4 sein Eigen nennen will, muss indes mindestens 54.900 Euro investieren. Dass der Unterschied im Grundpreis dennoch nur die halbe Wahrheit sagt, wird beim Blick auf die Testwagenpreise klar. Wenn alles an Bord ist, was das Leben leichter, schöner und sicherer macht - wie bei den Presse-Autos üblich -, herrscht bei Audi und BMW nämlich weitgehend Einigkeit. Dann kratzen beide Kontrahenten an der 70.000-Euro-Grenze. Gute Mittelfeldspieler haben eben ihren Preis

Autor

Foto

Hans-Dieter Seufert

Datum

30. März 2013
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 06/2012.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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