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Der Porsche Cayman S im Vergleichstest gegen das BMW 135i Coupé: Allrounder 135i gegen Sportler Cayman S: Ein faires Duell?

Schlank und rank gegen stuffig-kompakt, Mittel- gegen Front-, Saug- gegen Turbomotor. Die Einstiegscoupés von Porsche und BMW könnten unterschiedlicher kaum sein und zielen doch auf eine ähnliche Zielgruppe ab.

Was den Porsche Cayman S und das BMW 135i Coupé verbindet, erschließt sich möglicherweise nicht auf den ersten Blick. Schließlich ist die im Vorspann begonnene Liste charakterlicher Eigenheiten beileibe nicht komplett. Die Fortsetzung liest sich wie folgt: zwei gegen vier Sitze, über 60.000 gegen unter 40.000 Euro Grundpreis. Da muten die plakativen Gemeinsamkeiten, als da wären: Heckantrieb und jeweils rund 300 PS unter der Haube, respektive dem Blechkleid fast schon nebensächlich an. Kenner der Materie werden jedoch noch ein weiteres, sehr viel gewichtigeres Bindeglied zwischen dem Schwaben und dem Bayern ausmachen und damit zum Kern der Sache kommen – den Sachverstand.

Puristischer Porsche Cayman S

Kaum einem Hersteller wird derart viel Kompetenz im Bau und in der Abstimmung von Sportwagen zugetraut wie Porsche und BMW. Beide Firmen haben über Jahrzehnte hinweg bewiesen, was in ihnen steckt – sowohl in Form erstklassiger, teils Kult gewordener Produkte für die Straße als auch durch beeindruckende Erfolge im Motorsport. Nicht umsonst hat BMW bei der Präsentation des neuen 1er-Coupés wiederholt die Nähe des Newcomers zum insbesondere in Amerika einst heiß geliebten 2002 ti zitiert. Und nicht umsonst betont Porsche bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit – zuletzt anlässlich der alljährlichen Motorsports Night im Weissacher Casino – die unverrückbar feststehende Entscheidung, mit dem Cayman S werksseitig keinen Rennsport betreiben zu wollen. Denn taugen, das haben die Alzen-Brüder mit ihrem VLN-Auto in der diesjährigen BF Goodrich-Langstreckenmeisterschaft am Nürburgring gezeigt, würde der Einstiegsporsche dafür schon.

Die Basis stimmt – womit wir wieder beim Sachverstand wären. Bremsen, Fahrwerk, Reifen, Motor: All diese im Fahrzeugbau im allgemeinen und bei Sportwagen im Besonderen so wesentlichen Komponenten sind – davon ist auszugehen – bei BMW und Porsche grundlegend aussortiert. Was in den großen Baureihen reüssiert, findet kurze Zeit später auch in die kleineren Eingang. Die vorrangige Konzentration auf den Hinterradantrieb birgt an sich schon beste Chancen für herausragende fahrdynamische Anlagen. Gepaart mit einer ausgewogenen Gewichtsverteilung, akribischer Qualitätskontrolle und, richtig: technischem Sachverstand, wird ein grundsätzlich gutes Ganzes daraus. Eine leistungsfähige Basis eben. Der Rest ist dann auch eine Frage der Philosophie, der Vita, des Anspruchs. Und diesbezüglich unterscheiden sich die Premiumhersteller Porsche und BMW durchaus. Wo der eine aller Aktienanteile an Volkswagen und eines Cayenne zum Trotz sich primär als kleine, feine Sportwagen-Schmiede einen Namen gemacht hat und sich letztlich auch immer noch als solche versteht, deckt der andere als Großserienhersteller das gesamte Spektrum des Automobilbaus ab.

Vom Vierzylinder-Diesel bis zum Zwölfzylinder-Benziner, vom kleinen Coupé bis zur Stretchlimousine ist in München alles zu haben. Die ausschließlich sportliche Orientierung bleibt bei BMW der M GmbH vorbehalten. So gesehen ist das Aufeinandertreffen des brandneuen, von einem Dreiliter-Sechszylinder mit Biturboaufladung auf Touren gebrachten BMW 135i Coupé mit dem am Markt längst etablierten Porsche Cayman S ein höchst interessantes. Wie – so die zu klärende Frage – wird sich der Münchener, dem schon auf Grund der rückwärtigen Sitzbank sichtbar mehr Allround-Qualitäten ins Lastenheft geschrieben wurden, gegen den vergleichsweise puristischen Mittelmotorsportler aus Stuttgart behaupten können. Letztgenannter hat nur zwei Sitze an Bord, trägt seinen 3,4-Liter-Boxer vor der Hinterachse und kommt optisch deutlich austrainierter daher als der kräftig-kompakt anmutende BMW. Antriebskonszept (Hinterrad) und Leistung (306 PS beim 135i zu 295 PS beim Cayman S) sind grundsätzlich gleich. Doch sowie man die gebotene Leistung in Relation zum Gewicht setzt, zeigen sich deutliche Unterschiede. Wo der Porsche mit jeder Pferdestärke gerade einmal 4,8 Kilogramm in Bewegung setzen muss, bekommt es der BMW mit deren 5,1 zu tun. Einfl üsse auf Temperament und Leichtfüßigkeit scheinen da unvermeidlich. Tatsächlich ist dies bei der Einstandsdisziplin des Tests, dem Standardsprint von null auf 100 km/h, jedoch kein Thema. Im Gegenteil: Bis zum Erreichen der 160-km/ h-Marke hat der über eine leicht frontlastige Gewichtsverteilung von 52,2 zu 47,8 Prozent verfügende 135i die knubbelige Nase erstmal vorn.

Frei saugender Schwabe

Im 1.548 Kilogramm schweren BMW zeigt die Tachonadel nach flotten 5,3 Sekunden Landstraßentempo an. Der beim Volllastantritt zum Stempeln neigende Porsche gönnt sich mit 5,5 Sekunden zwei Zehntel mehr Zeit, ist jedoch schlussendlich eine halbe Sekunde früher auf Tempo 200 als sein bajuwarischer Konkurrent. Dass der Schwabe mit 275 km/h auch bei der Topspeed das Sagen hat, liegt hingegen weniger im tatsächlichen Kräfteverhältnis als in einer bewussten Kastration begründet. Anders als BMW hat Porsche sich nie der freiwilligen Selbstverpflichtung der deutschen Automobilindustrie angeschlossen, die eine elektronische Abregelung bei 250 km/h vorsieht. Ergo darf der Cayman S noch weiter traben, wo dem 135i Coupé bereits künstlich die Kraft geraubt wird. In Anbetracht der bestechend-schönen Leistungscharakteristik des mittels zweier ausgeklügelt Hand in Hand arbeitender Abgasturbolader unter Druck gesetzten Reihensechszylinders, betrübt dieser Umstand sehr. Zeigt doch der Blick auf die Elastizitätswerte, die das Durchzugsvermögen des Motors innerhalb einer Fahrstufe beziffern, was in dem hoch modernen BMW-Triebwerk steckt.

In dieser Wertungs-Disziplin rangiert der zwangsbeatmete Bayer durchweg vor dem frei saugenden Schwaben. Die unterschiedlichen Motorenkonzepte schlagen sich auch in den Verbrauchswerten nieder, wenngleich die über die gesamte Testdauer ermittelten Durchschnittswerte anderes vermuten lassen. Im Mittel rangieren das 135i Coupé und der Cayman S mit 13,6, respektive 13,9 Liter pro 100 Kilometer nämlich nahezu gleichauf. Die Minimal- und Maximalverbräuche zeigen jedoch, dass der Durst des Turbo-Triebwerks stärker von den gestellten Leistungsanforderungen abhängt als der des Saugmotors. Die Spanne zwischen dem geringsten und dem höchsten Verbrauch klafft beim derzeit stärksten Spross der 1er-Reihe ein gutes Stück weiter auseinander als beim Cayman S. Erstaunliche Einigkeit herrscht hingegen bei der Bremsprüfung.

Subjektiv mutet die Graugussanlage des Porsche zwar eine Spur bissiger an, und Rauchzeichen wie beim Warmbremsen im BMW waren im knapp geschnittenen Cockpit des Zwei-Personen- Sportwagens auch nicht zu vermelden. Unterm Strich packten die Autos mit 10,9 m/s² aus 100 km/h bei warmer Bremse und über 11 m/s² aus 200 km/h jedoch ähnlich kraftvoll zu. Die verhaltene Verzögerungsleistung des Cayman S im kalten Aggregatzustand dürfte mit der härteren Mischung der Trockenhandling- optimierten Michelin Pilot Sport-Pneus der Porsche- Spezifikation zu begründen sein. Bei sechs Grad Außen- und gerade einmal vier Grad Asphalttemperatur liefen die französischen Gummis offensichtlich später zu Höchstform auf als die in Japan gebackenen Bridgestone Potenza-Reifen des BMW Coupés. Auch hier zeigt das mit 132 Kilogramm nicht gerade unerhebliche Mehrgewicht des 135i also keine negative Wirkung. Das Gesetz der Trägheit der Masse obsiegt erst in den reinen Handling-Disziplinen. Nicht, dass die vom 1er-Coupé im 18-Meter-Slalom realisierte Durchschnittsgeschwindigkeit von 69,4 km/h nicht aller Ehren wert wäre. Das sport auto-Wertungssystem sieht dafür nicht umsonst neun von zehn Punkten vor.

Launische Drifts mit dem Cayman

Mit der Brillanz der vom 19-Zoll-bereiften Porsche Cayman S in derselben Prüfung gezeigten Performance – der Zweisitzer durcheilte den Pylonendschungel mit überaus fl otten 71,8 km/h – kann sich der serienmäßig auf 18 Zoll großem Fuß lebende BMW jedoch nicht messen. Allerdings erfordert der Mittelmotorsportler aus Zuffenhausen bei schnell aufeinanderfolgenden Richtungswechseln eine etwas kundigere Hand am Volant als der überaus handlich anmutende, wenngleich leicht untersteuernde Viersitzer aus München, in dem man sich wegen der sicherheitsbetonten Abstimmung tendenziell langsamer wähnt, als man tatsächlich ist. Ausfallschritte mit dem Heck lassen sich an Bord des BMW 135i Coupé nicht einmal mit Gewalt erzwingen. Der Cayman S beherrscht sie zwar und wirkt insbesondere in der Sport-Einstellung des optionalen PASM-Fahrwerks eine Spur lebendiger als der stoisch-gutmütige BMW, kritisch oder gar zappelig ist er dabei jedoch nicht. Prinzipiell ist das kleine Porsche Coupé im Slalom ebenso wie auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim der Neutralität verpflichtet.

Auch bei deaktiviertem PSM steht der Cayman S dem BMW in Sachen Narrensicherheit im Grenzbereich kaum nach. Nur verleugnet er sein Antriebskonzept weit weniger. Während launige Drifts im Einstiegs-Porsche immerhin noch möglich sind, wurden dem Turbo-1er die Hecktriebler-typischen Charakterzüge fast gänzlich aberzogen. Mit zu viel Speed in die Sachskurve gepfeffert und dann langsam das Gaspedal gelupft? Im 135i Coupé kein Problem. Der kleine Bayer baut dann, einem Fronttriebler gleich, schlicht durch Schieben über die Vorderräder Geschwindigkeit ab. Sicher ist das schon, zu Lasten des Spaßes geht es aber auch. Virtuose Lenkradarbeit ist in diesem BMW, bei dem eine elektronische Sperre für die traktionsfördernde Kraftverteilung zwischen den hinteren Antriebsrädern sorgt, nicht vonnöten.
Auch Einsteiger und Rennstreckenneulinge können sich an Bord des 135i ruhig mal etwas trauen. Solange die von der Physik gesetzten Grenzen nicht überschritten werden, stehen keine Ausritte zu befürchten. Das und sein akzeptables Raumangebot prädestinieren den jüngsten Spross der 1er-Reihe zum perfekten Begleiter für alle Lebenslagen. Im Gepäckabteil lässt sich ordentlich was unterbringen, Kinder haben auf der rückwärtigen Sitzbank ausreichend Platz, und dank des Verzichts auf eine fünfte Sitzgelegenheit auch genügend Abstand voneinander. Von hinten bedienbare elektrische Sitze erleichtern dem Nachwuchs das selbstständige Verlassen des hinteren Passagier-Kompartments. Vorn gibt’s wie bei allen BMW perfekte Sitze, ebensolche Ergonomie und das inzwischen sehr anwenderfreundlich gewordene iDrive-System, das eine Flut von Knöpfen und Schalten auf der Bedienkonsole überflüssig macht. Der Schalthebel liegt gut zur Hand und lässt sich problemlos durch die Gassen führen. Ein subjektives Plus an Agilität erhält, wer die aufpreispflichtige Aktivlenkung ordert.

Kräftige Klangqualitäten des BMW

Das serienmäßige Sportfahrwerk macht auf guten wie schlechten Pisten eine gute Figur, und der beeindruckend potente Turbo-Motor sorgt dafür, dass der im Rückspiegel urplötzlich groß werdende kleine BMW die Fahrer leistungsstarker Dickschiffe stets aufs Neue in Erstaunen versetzt. Letzteres gilt selbstredend auch für den 295 PS starken Cayman S. Wenngleich dieser schon allein auf Grund seiner unverkennbaren Zugehörigkeit zur Porsche-Sportwagen-Familie ein hohes Maß an Überholprestige genießt. Soundtechnisch kommt der familienuntaugliche Zweisitzer erst oben heraus an die kräftig-sonoren Klangqualitäten des BMW heran. In niederen Drehzahlbereichen dringt ein singender Ton ans Fahrerohr. Letztlich passt das jedoch auch perfekt zur Leistungscharakteristik des 3,4-Liter-Boxermotors. Anders als das Turbo-Triebwerk des Einsers weiß der Saugmotor des Mittelmotor-Porsche höhere Drehzahlen nämlich durchaus zu würdigen. 

Unterstützt vom knackig-kurz agierenden und passgenau übersetzten manuellen Sechsgang-Getriebe ist der Cayman S immer dort in seinem Element, wo es flott vorangehen soll. Autobahnen mag, Pässe und Landstraßen liebt der kleine Porsche. Agiler und risikoloser lässt sich kurviges Geläuf kaum in Angriff nehmen. Da passt es ins Bild, dass der Cayman über gleich zwei Kofferräume und somit ausreichend Platz für größeres Gepäck verfügt. Wie aber ist sie nun zu beantworten, die eingangs gestellte Frage, ob der Frontmotor-Newcomer sich gegen das Mittelmotor- Establishment behaupten kann? Mit Blick auf die Punktwertung eindeutig: Er kann. Allerdings punktet das 135i Coupé primär beim Preis/Leistungsverhältnis. Fahrdynamisch hat BMW noch Luft nach oben gelassen. Vielleicht um Raum für den 135 tii (siehe Vorstellung ab Seite 17) zu schaffen? 

Autor

Foto

Frank Herzog

Datum

24. Januar 2008
Dieser Artikel stammt aus Heft sport auto 01/2008.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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