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Ford Shelby GT500, Ford Mustang RTR 30 Bilder Zoom

Ford Shelby GT500 vs Ford Mustang RTR: US-Musclecars im Vergleichstest

Der Ford Shelby GT500 mit 557 PS und der Ford Mustang RTR mit 428 PS treffen im Vergleichstest aufeinander. Bei Bedarf verwandeln die beiden V8-Helden jede Einkaufsmeile in einen Mini-Dragstrip. Duell der US-Muscelcars auf der Rennstrecke.

"Wenn ich am Morgen diesen V8-Motorsound höre, grinse ich jedes Mal wie ein Schnitzel", sagt Karl Geiger, Chef des Spezialisten und Tuner für US-Fahrzeuge GeigerCars.de aus München. "Das Auto ist noch auf der Fähre, aber sobald er hier ist, mach ich noch a bissel Fahrwerk, und dann bekommt ihr ihn. Es lohnt sich, versprochen." Genauso groß wie in München ist die Begeisterung 550 Kilometer entfernt im luxemburgischen Ettelbruck. "Ich denke, ihr werdet sehr viel Spaß mit dem Wagen haben. Müsste an einen BMW M3 rankommen, und das mit wesentlich weniger Untersteuern", meint Yves Faber vom luxemburgischen US-Importeur Wengler Racing.

Die Kontaktaufnahme wenig später in der sport auto-Testwagengarage zeigt, dass beide Importeure nicht zu viel versprochen haben: links der 2011er Ford Shelby GT500 von Geiger und rechts ein Ford Mustang RTR aus den Hallen von Wengler Racing.

Zwei US-Musclecars mit V8 im Duell

Ein Hauch New Yorker Bronx weht durch Stuttgart-Mitte, sobald die beiden US-Hauptdarsteller von diesem Vergleichstest antreten. Fehlt eigentlich nur noch, dass 50 Cent entspannt aussteigt. Doch die beiden speziellen Mustang-Derivate stehen nicht nur bei US-Rappern hoch im Kurs, sondern sorgen auch in Deutschland für Begeisterung. "Ist das ein Erlkönig?", fragen zwei Polizeibeamte neugierig beim Tankstopp und deuten auf den Shelby GT500 aus dem Hause Geiger. Nein, der rollende Tarnkappenbomber ist ab sofort unter anderem über GeigerCars.de auch in Deutschland erhältlich.
 
"Wieviel brauchst du? Ich habe fünf Stück hier bei mir auf dem Hof stehen", sagt Karl Geiger lächelnd. Den schwarzen 2011er-Shelby-Kraftbolzen mit den mattschwarzen Rennstreifen entwickelten die Truppe von Ford USA und das hauseigene Special Vehicle Team (SVT) konsequent weiter. Unter der buckligen Motorhaube mit den beiden Powerdomes versteckt sich ein deutlich leichterer V8-Aluminium-Block. Im Vergleich zum 2010er-Modell wiegt dieser 46 kg weniger. Außerdem klettert die maximale Leistung des kompressorgeladenen 5,4-Liter-Achtzylinders um 17 auf 557 PS. Wer schon Ärger wegen Lärmbelästigung mit seinen Nachbarn hatte, sollte den aktuellen Shelby GT500 lieber zwei Blöcke weiter entfernt parken.

Ausritt mit dem modifizierten Pony Car

Der morgendliche Kaltstart könnte für eine erbitterte Feindschaft sorgen. Wie ein Powerboat erwacht der V8 mit einem Aufschrei zum Leben, um dann mit tiefem Bass und unrundem Leerlauf blubbernd auf den ersten Gasstoß zu warten. Die 2011er-Abgasanlage mit größerem Rohrdurchmesser verleiht dem Ford Shelby GT500 noch mehr Stimme. Leichte Vibrationen schütteln den Moster-Ami im Stand und massieren die Hand am kugelförmigen Schaltknauf, der an Snooker-Partien in der Billard-Stammkneipe erinnert. Good Vibrations, aber wie fährt sich das modifizierte Pony Car?
 
Auch schaltfaule Zeitgenossen werden mit dem Small Block dank seines Drehmoment-Batzens von 689 Newtonmeter gut bedient. Im sechsten Gang V8-bollernd dahinschippern und aus dem Drehmomentkeller beschleunigen - take it easy, no problem. Die merkwürdige Sitzposition und das nur höhenverstellbare Lenkrad laden eh mehr zum Cruisen ein. Entweder sind die Arme voll ausgestreckt, oder man hockt mit unangenehm angewinkelten Beinen da. Auch die mittelmäßige Verarbeitungsqualität des Kunststoffs im Interieur kann richtigen V8-Enthusiasten die Laune nicht vermiesen. Die Party geht erst richtig ab, wenn der Shelby einmal losgroovt. Ins V8-Wummern mischt der DJ jetzt ein kreischendes Kompressor-Sirren.

US-Pony bockt und macht Luftsprünge

Traktionsprobleme sind bei einem Muscle-Car Ehrensache. Wie ein Graffiti-Sprayer könnte man binnen weniger Stunden die halbe Stadt mit schwarzen Schmierereien verzieren. Die Versuchung des Schwarze-Striche-Ziehens ist im Ford Shelby GT500 bei abgeschalteten Fahrhilfen riesengroß. Eine vernünftige Null-100-Beschleunigung im Test verlangt nach einem äußerst gefühlvollen Gasfuß. Nur mit minimalem Schlupf anfahren ist fast nicht möglich. Wer das schafft, prügelt den gepimpten Ford Mustang in 4,9 Sekunden auf Tempo 100. Auch der 200er-Wert kann sich mit 14,3 Sekunden sehen lassen. Wer den Rassegaul auf der Autobahn bis ins Vmax-Limit von 262 km/h treibt, erlebt ein besonderes Schauspiel, das an vergangene Zeiten erinnert. Mit der Kombination aus Starrachse und dem von Geiger verbauten H&R-Gewindefahrwerk bockt der Shelby auf Fahrbahnabsätzen und setzt immer wieder zu Luftsprüngen an. Auch die leichtgängige und bei diesem Tempo indirekt wirkende Lenkung ist beim Tiefflug nichts für Weicheier.
 
Szenenwechsel. Wir springen in den Ford Mustang RTR. Weich gepolsterte Stoffsitze, keine weiße, sondern eine schwarze Billiardkugel als Schaltknauf und ebenfalls eine Innenraumverarbeitung, die so mancher oberpenible deutsche Hersteller nicht mal bei seinen Crashtestfahrzeugen verbauen würde, fallen im Interieur auf. Aber drauf gepfiffen - Hauptsache, das Rockkonzert und die Fahrleistungen stimmen gänzlich. Mit ebenfalls rudimentärer Traktion hämmert der Ford Mustang RTR in 5,4 Sekunden auf 100 km/h. Bis 200 verliert er 3,3 Sekunden auf den Ford Shelby GT500. Doch das ist keine Enttäuschung.

Modifikationen mit Tipps des US-Driftprofis

Hinter der Ford Mustang RTR-Variante verbirgt sich als Basis ein Ford Mustang GT mit Fünfliter-Achtzylinder. Der emotionale V8-Beat gehört auch hier zur Serienausstattung. Doch der RTR ist kein gewöhnlicher Ford Mustang. Gemeinsam mit dem US-Driftprofi Vaughn Gittin Jr. entwickelte Ford USA, in Anlehnung an Gittins Wettbewerbs-Driftmobil in der amerikanischen Formula Drift-Meisterschaft, ein spezielles Power-Package für die Straße. Dank des Ford Racing Performance-Pakets mit neuem K&N-Luftfilter und einer modifizierten Abgasanlage steigt die Leistung moderat um zehn auf 428 PS. Auch das maximale Drehmoment klettert so um zehn auf 538 Newtonmeter.
 
Äußerlich fällt der nachgewürzte Mustang durch eine neue Frontschürze, einen angedeuteten Diffusor- Ansatz und eine kleine Spoiler-Lippe am Heck auf. Die Musik spielt aber unter dem Blech. Die Brembo-Bremsanlage sowie eine Differenzialsperre mit 25 Prozent Sperrwirkung gehören schon beim Ford Mustang GT-Modell zum Serien-Menü. Wengler Racing mischt noch einen weiteren Appetithappen für Querdynamikfans hinzu. Der Luxemburger Importeuer bietet nämlich ein KW-Fahrwerk an. Damit duckt sich der Ford Mustang RTR in Lauerhaltung über dem Asphalt. Für Zahlenmenschen: minus 45 mm an der Vorderachse und minus 40 mm hinten. 2,2 Grad Negativ-Sturz an der Vorderachse schreien definitiv nach Rennstrecke.

Auf zur Rundenzeitenjagd auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim, denn es geht im Test ans Austoben auf Zeit. Power first: Der Ford Shelby GT500 legt als Erster los. Das Gripniveau seiner SP Sport Maxx- Schlappen ist dürftig, und der 1.718 Kilogramm schwere Shelby schiebt nach dem Einlenken untersteuernd gen Scheitelpunkt. Hier bleiben wertvolle Zehntel liegen. Die Traktion auf der Hinterachse ist zwar gut, aber durch die schiebende Vorderachse kann der Fahrer erst spät aufs Gas gehen. Leistungsübersteuern kündigt sich gutmütig an. Flottes Gegenlenken bringt den Ford Shelby GT500 dann wieder auf die Ideallinie zurück. Anders als die knackige Sechsgang-Schaltung mit kurzen Schaltwegen hätte eine gehörige Portion mehr Präzision bei der Entwicklung der Lenkung geholfen. Auch das teigige Pedalgefühl der serienmäßigen Brembo-Bremsanlage mit länger werdendem Pedalweg darf auf der Rennpiste nicht vorkommen. Hardcore-Fahrer sollten also über ein Aufrüstung nachdenken.
 
Die Gedanken kreisen nun aber erst einmal um den Ford Mustang RTR. Wer nicht gewusst hat, dass ein Driftprofi dieses Wildpferd abgestimmt hat, dem sei dieser Gedanke spätesten beim Einlenken in die Ameisenkurve aufgegangen. Der Ford Mustang RTR lenkt superzackig ein und drängt dabei gleichzeitig mit dem Hintern. Je schneller das Einlenken, desto plötzlicher fliegt das Heck hinterher. Digitalgasfahrer, übermotivierte Lenkradartisten und überzeugte Fronttriebler-Piloten sollten vorher zur Sicherheit eine Beruhigungstablette schlucken. Allen anderen muss das Dauergrinsen operativ entfernt werden. Dank seiner ehrlichen Reaktionen ist der Ford Mustang RTR gut zu kontrollieren.

Zwei Fahrmaschinen zum Schnäppchenpreis

Das feuerrote Wildpferd wedelt insgesamt agiler um den Kurs als der Ford Shelby GT500. Kein Wunder: Neben der besseren Fahrwerksabstimmung hat der Ford Mustang RTR auch fast 100 kg weniger Gewicht an Bord. Mit einer Rundenzeit auf dem Hockenheimring von 1.15,8 Minuten liegt er nur eine Zehntelsekunde hinter seinem deutlich stärker motorisierten Modell-Rivalen. Ein höheres Gripniveau auf der Hinterachse könnte das querdynamische Potenzial für schnelle Rundenzeiten noch besser umsetzen. Empfehlung: breitere Hinterreifen. Hätte, wäre, wenn. Seien wir ehrlich: Wer fragt bei diesen beiden charakterstarken Fahrspaßmaschinen und einem Schnäppchen-Grundpreis von jeweils unter 60.000 Euro wirklich nach der letzten Zehntelsekunde?

Christian Gebhardt
Von am 4. Februar 2012
Heft 12 / 2010
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