Mazda MX-5 2.0 MZR und Mini Cooper S Cabrio im Test

Zwei Kult-Cabrios im Vergleichstest

Mazda MX-5 und das Mini Cooper S Cabrio - gewisse Dinge sind einfach Kult. Und diese beiden sportlichen Autos für Frischluft-Fans gehören definitiv dazu. Grund genug, die beiden offenen Autos einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Welcher der beiden dabei die bessere Figur macht, klärt der Vergleichstest.

Nutellabrot mit oder ohne Butter? Kommen Sie - dazu hat jeder eine Meinung. Schließlich dürfte das eine der am meisten diskutierten Grundsatzfragen sein. So wie Heck- oder Frontantrieb oder knapp geschnittener zweisitziger Roadster gegen viersitziges Trend-Cabrio. Als schöner Nebeneffekt dieser Grundsatzfragen sind Meinungsänderungen ebenso erlaubt wie der Blick über den viel zitierten Tellerrand.

Puristischer Fahrspaß steht im Vordergrund

Dass der Mini Cooper S und der Mazda MX-5 bei ihrer jeweiligen Fangemeinde Kultstatus genießen, steht indes nicht zur Debatte. Dabei gestalten sich die Konzepte durchaus unterschiedlich. Während der Mazda MX-5, der ab 25.000 Euro zu haben ist, auf einen 2,0-Liter-Saugmotor vertraut, setzt BMW beim Mini auf zukunftsweisendes Downsizing und spendiert dem ab 26.500 Euro teuren Cooper S Cabriolet einen 1,6-Liter-Turbomotor. So groß die Gegensätze auf den ersten Blick auch scheinen mögen, der sorgfältig abwägende Blick lohnt - egal ob in der kniffligen Nutella- oder der Roadster-/ Cabriolet-Frage.

Die frische Luft, die bei der Ausfahrt mit den beiden Oben-Ohne-Modellen die Nase kitzelt und die Haare tänzeln lässt, schmeckt hier wie da jedenfalls gleich. Der Kult, den sie verkörpern, liegt hingegen in etwa so weit auseinander wie Reizwäsche und Feinripp. Der Mazda MX-5 lässt Puristen ins Schwärmen geraten. Bei dem hinterradgetriebenen Roadster steht der puristische Fahrspaß im Vordergrund. Der Zweisitzer aus Fernost konzentriert sich auf das, was zum sportlichen und trotzdem komfortablen Fahren benötigt wird - gut konturierte Sitze, wenig Gewicht und ein durchzugsstarker Motor. 

Der Mini ist hingegen nicht von ungefähr in der Schickeria-Stadt München groß geworden. Wer ihn fährt, will etwas darstellen. Schließlich hat das Retro-Mobil dieses gewisse Etwas, das die Blicke beim langsamen Vorbeizuckeln an der Eisdiele magisch anzieht. Der Open-Air-Faktor scheint den Voyeurismus noch zu steigern. Hinterm Steuer ein tolles Gefühl, auch wenn dem Fahrer durchaus bewusst ist, dass die ungeteilte Aufmerksamkeit wohl weniger ihm selbst als vielmehr seinem schmucken kulleräugigen Cabriolet gilt. 

Nicht nur Schürzen-, sondern auch Kurvenjäger

Das Einsatzgebiet des starken Mini ist freilich nicht auf die Flanierfahrt beschränkt - kurvige Landstraßen sind das eigentliche Revier des Fronttrieblers. Hier beweist der Cooper S, dass er nicht nur Schürzen-, sondern auch Kurvenjäger ist. Wie ein Junkie auf Entzug giert er nach Biegungen, in denen er den Insassen mit direktem Einlenkverhalten und wendigen Bewegungen demonstriert, wie austrainiert er ist. In engen Kurven mutiert der Luftikus dann auch schon mal zum Macho, wenn seine 175 Turbo-PS unverhohlen und frech am Lenkrad zerren. Weniger vehement, aber doch sehr straff präsentiert sich das Fahrwerk. Keine Angst, der Zahnarzt muss deshalb nicht gleich bemüht werden - die Plomben bleiben sitzen. 

Bibbern muss allenfalls der Mini selbst beim Duell mit dem Gegner. Denn der Mazda MX-5 steht dem Cooper S fahrwerkstechnisch kaum nach. Der deutlich nüchterner auftretende Japaner entzückt bei der Fahrt durch die schwäbische Provinz mit tollem Einlenkverhalten und schwingt sich von einer Biegung zur nächsten wie Tarzan von Liane zu Liane. Mindestens genauso sportlich fühlt sich der Fahrer. Von den Recaro-Sportsitzen fest umklammert, sitzt er so nah am Asphalt, dass das Popometer deutlich sensibler anspricht als im höher liegenden Mini. Im Mazda wähnt man sich daher schneller, als man tatsächlich ist - wie das im Rahmen des Test ermittelte nackte Zahlenwerk beweist. Dieses zeigt zwar, dass Cooper S und MX-5 nah beieinanderliegen, Unterschiede sind dennoch unverkennbar. 

Deutlicher Unterschied auf dem Hockenheimring

Abseits öffentlicher Straßen in Hockenheim hat der Mazda trotz eines sehr ähnlichen Leistungsgewichts das Nachsehen. Sein 15 PS stärkerer Gegner schenkt ihm auf dem Kleinen Kurs immerhin 1,5 Sekunden ein - wenngleich auch dies nur die halbe Wahrheit ist. Denn der Japan-Roadster und der Rundkurs gehören zusammen wie Susie und Strolch oder Bonnie und Clyde. Auf Kommando lenkt der kultige Zweisitzer verzögerungsfrei und präzise ein, später dann mit dem kurzen Heck leicht, aber sicher mit. Sein ESP lässt sich im Gegensatz zum Mini komplett abschalten. 

Was Sportfahrerherzen auf der Strecke höher schlagen lässt, macht dem Mazda MX-5 im 18-Meter-Slalom dann das Leben schwer. Das Heck ist einen Tick zu agil, die Seitenneigung demnach etwas zu ausgeprägt. In der Folge neigt der Japaner zum Aufschaukeln. Der Mini meistert diese Aufgabe besser - präsentiert sich direkt und handlich. Bei zu viel Gas tendiert er zum Unter-, bei Lastwechseln zum Übersteuern. Die elektronische Sperre agiert vergleichsweise sanft. So verschieden sich die beiden offenen Sportler im Slalom präsentieren, so sehr unterscheidet sich auch, was unter dem Blechkleid steckt.

Saugmotor versus Turbomotor

Während Mazda auf einen 2,0-Liter-Sauger setzt, stand für die Bayern mit dem 1,6-Liter-Turbomotor das zukunftsweisende Downsizing ganz oben im Lastenheft. Über zu wenig Kraft können sich beide Autos nicht beklagen. Die 160 PS des Mazda sind bei einem Fahrzeuggewicht von vorbildlichen 1.150 Kilogramm völlig ausreichend, um im Alltag flott voranzukommen und auf der Rennstrecke jeden einzelnen Meter zu genießen. Der Umstand, dass der Japaner erst bei späten 5.000/min sein maximales Drehmoment von 188 Newtonmeter mobilisiert, fällt nicht negativ auf. Doch der Turbo hat diesbezüglich die besseren Karten: Mit einem zwischen 1.600 und 5.000 Touren offerierten maximalen Drehmoment von 240 Newtonmeter (mit Overboost gar 260 Nm) prescht der Mini mit seinen 1.286 Kilogramm noch williger vorwärts als der Mazda.

Der Fuß bleibt somit fast zwangsläufig am Gaspedal kleben. Ähnlich verhält es sich mit dem Zeigefinger. Jener fühlt sich magnetisch zur Sporttaste hingezogen. Diese verhilft zu einem spürbar verbesserten Ansprechverhalten von Gaspedal und Lenkung. Im direkten Vergleich zieht der Mini Cooper S dem japanischen Roadster dank des Turbos und der kürzeren Getriebeübersetzung vor allem oben heraus davon, was auch den Zeitunterschied auf dem Kleinen Kurs erklärt. Im Sprint von null auf Tempo 100 macht sich das naturgemäß noch nicht bemerkbar. In dieser Standarddisziplin zeigt der MX-5 dem Mini mit 7,3 Sekunden und somit zwei Zehnteln Vorsprung noch, wo der Hammer hängt.

Beim Testverbrauch liegen beide gleichauf

Im Schalten selbst liegt die Zeitdifferenz nicht begründet: Hier wie dort flutschen die Gänge rein wie Butter. Auch was den Testverbrauch angeht, liegen beide ungefähr gleichauf. Der Mazda genehmigt sich im Mittel elf Liter auf 100 Kilometer, der Mini schluckt einen halben Liter mehr. Da Bescheidenheit aber nicht alles ist, geizen beide Autos ansonsten nicht mit ihren Reizen und machen auch ohne Stoffmütze eine exzellente Figur. Insbesondere beim Mini Cabrio verleiten schon zaghafte Sonnenstrahlen zur offenen Fahrt. Gibt es sich doch redlich Mühe, den Fahrer klangvoll zu unterhalten - genüssliches Brabbeln im Schiebebetrieb inklusive.

Stimmlich kann der Mazda MX-5 nicht mithalten, punktet dafür aber mit anderen Qualitäten. So zum Beispiel mit dem simplen Öffnungsmechanismus des Verdecks, das ruck, zuck verschwunden ist. Beim Mini dauert der automatische Striptease 15 Sekunden, die Übersicht nach hinten ist für klein gewachsene Fahrer im offenen Zustand aufgrund des hinteren Verdeckkragens dann gleich Null. Betrachtet man die Prozedur rückwärts, wendet sich das Blatt. 

Verdeck schließen - Luxuriös im Mini, handfest im Mazda

Während im Mini ein Knopfdruck genügt, gilt beim Mazda: aussteigen und Hand anlegen. Hand angelegt werden muss nach der luftigen Fahrt auch bei der Frisur. Abhilfe schafft das beim MX-5 serienmäßige, klappbare Windschott. Beim viersitzigen Konkurrenten ist jenes gar unentbehrlich, muss aber mühsam reingefummelt werden und kostet obendrein Aufpreis.

Kostenpflichtige Extras sind ohnehin eine Spezialität des Mini. Der Mazda verzichtet darauf und setzt im Gegenzug auf sachliche Funktionalität. Nicht so der Mini, der neuerdings sogar einen "Always-Open-Timer" besitzt. Jener zählt die ohne Käppchen verbrachten Stunden und unterstreicht, da nicht wirklich nützlich, das Spaß-Image des Bayern. An der Frage, ob man derlei Gimmicks braucht oder nicht, scheiden sich die Geister dann ebenso wie an der Frage nach Nutellabrot mit oder ohne Butter.

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Bianca Leppert

Autor:

SPORT AUTO, Heft 6 / 2009

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